Barbara Stamm zum Gedenken
Landesmutter, Vorbild und Feierbiest
Markus Götzfried; HSS
„Am Ende hat immer Barbara gewonnen“, so einmütig haben alle Redner ihre Niederlagen gegen die kraftstrotzende und stets hartnäckige Unterfränkin eingeräumt. Egal ob in der politischen Arena, beim Schafkopfen oder im Kampf um die Herzen der Menschen. Nur ihr Ehemann Ludwig Stamm legte Wert auf die Feststellung, dass es zuhause „ausgeglichen“ war. Um dann zur Freude der rund 250 Gäste, darunter auch ihre drei Kinder, einzuräumen: „Barbara hat immer Verständnis für die andere Seite gehabt, aber erwartet, dass sie sich durchsetzt.“
Der Festakt des Symposiums in voller Länge:
Ministerpräsident Dr. Markus Söder, MdL
"Neben Trauer empfinde ich auch Dankbarkeit für diese einzigartige Persönlichkeit."
Markus Götzfried; HSS
„Sie fehlt uns allen, sie fehlt mir“, begann Ministerpräsident Markus Söder seine sehr persönliche Rede beim Festakt zur Erinnerung an Stamms politisches Lebenswerk.
„Neben Trauer empfinde ich aber auch Dankbarkeit für diese einzigartige Persönlichkeit, für diesen Fixstern, diese Queen Mum der bayerischen Politik.“ Bis zur körperlichen Erschöpfung habe sie alle Ministerpräsidenten bearbeitet, wohlgemerkt deren Erschöpfung. „Mit Freundlichkeit und Empathie, aber zugleich mit ungeheurer Durchsetzungskraft“, berichtete Söder. Stamm sei „die bedeutendste Frau für das S und das C in der CSU“. Es sei ein langer Weg der gelernten Kindergärtnerin zur Würzburger Lokal- und bayerischen Sozialpolitikerin, Staatsministerin und ersten Landtagspräsidentin gewesen. „Das bundesweit einzigartige Familien- und Pflegegeld gingen auf ihre Initiative zurück, das hat sie uns ins Stammbuch geschrieben“, sagte Söder. „Vergesst mir die kleinen Leute nicht, seid nah bei den Menschen“, nach dieser Maxime habe sie gelebt und gearbeitet. Darum sei sie die beliebteste Politikerin Bayerns gewesen, „unschlagbare Stimmenkönigin, Landesmutter, eine Löwin, die für Bayern, Unterfranken und Würzburg gekämpft hat“. Der Ministerpräsident erinnerte auch an Stamms gesellige Seite: „Sie war natürlich ein Feierbiest“, stets die Letzte, die auf Festen gegangen sei. Dank ihr und dem „blauen Kleid“ sei der Fasching in Veitshöchheim erst populär geworden. Barbara Stamm fehle als Ratgeberin und Ansprechpartnerin. „Aber ich stelle mir das vor wie beim Brandner Kaspar: Sie sitzt dort oben bei einem Glas Frankenwein und schaut uns zu.“ Markus Söder befand: „Schön, dass wir uns heute an sie erinnern.“
Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung, Markus Ferber, MdEP
"Diese Veranstaltung hat Barbara Stamm wieder lebendig gemacht."
Markus Götzfried; HSS
Zuvor hatte bereits der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, der Europaabgeordnete Markus Ferber, die Gäste begrüßt, darunter die Staatsminister Melanie Huml und Ulrike Scharf, Landtagspräsidentin Ilse Aigner sowie zahlreiche aktive und ehemalige Abgeordnete aus Bund und Land, Vertreter aus Kirche, Wissenschaft und Gesellschaft. Ferber erinnerte an das langjährige Stiftungsmitglied: „Barbara Stamm war eine moralische Autorität. Sie war das soziale Gewissen der CSU, dem christlichen Menschenbild verpflichtet und mit besonderer Sensibilität für die Schwachen.“ Im Mittelpunkt ihres Handelns „mit unermüdlichem Einsatz, großer Herzenswärme und unerschütterlichem Optimismus“ habe der Mensch gestanden. „Sie forderte Solidarität mit denen, die Hilfe bedürfen und die Stärkung der Eigenverantwortung bei denjenigen, die sich selbst helfen können.“ In der Sozial-, Familien- und Gleichstellungspolitik habe sie neue Wege beschritten. „Mitunter konnte sie sogar Berge versetzen.“ Dem bayerischen Landtag gehörte Stamm 42 Jahre lang an, immer über die Liste gewählt, war Vorbild für Frauen in der Politik. Ferber abschließend: „Diese Veranstaltung hat Barbara Stamm wieder lebendig gemacht.“
Stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung und Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates, Susanne Breit-Keßler
„Barbara Stamm war eine bodenständige Frau auf höchstem Niveau. Was sie sozial und gesellschaftlich hinterlassen hat, reicht für mehrere Leben!“
Markus Götzfried; HSS
Dies hatten auch schon die Einspielfilme und Podiumsgespräche während des Festaktes deutlich gemacht, in denen die Beteiligten ihre Erlebnisse mit Barbara Stamm schilderten. Die stellvertretende HSS-Vorsitzende und Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates, Susanne Breit-Keßler, hatte diese mit den Worten eröffnet, Stamm sei ein „Geschenk für unser Land“ gewesen, ihr Tod ein „bitterer Verlust“. Sie habe immer gewusst, was die Menschen umtreibe und „kein Blatt vor den Mund genommen“. Breit-Keßler lobte: „Barbara Stamm war eine bodenständige Frau auf höchstem Niveau. Was sie sozial und gesellschaftlich hinterlassen hat, reicht für mehrere Leben!“ Zugleich sei sie werteorientiert gewesen, hätte sich früh für ein Leitbild in Deutschland eingesetzt. „Wenn wir die Integration nicht in den Griff kriegen, bekommen wir Probleme, die wir nicht haben wollen“, gab Breit-Keßler ein – heute hochaktuelles - Zitat von Stamm wieder.
Landtagspräsidentin Ilse Aigner
"Barbara Stamm war eine tatkräftige Dienerin der Demokratie."
Markus Götzfried; HSS
„Kundig in der Sache und nah bei den Menschen“, lobte auch ihre Nachfolgerin im Amt der Landtagspräsidentin, Ilse Aigner, die Verstorbene. „Mit Herz und Haltung und bemerkenswerter Durchsetzungskraft“ sei die frühere stellvertretende Ministerpräsidentin Stamm eine „tatkräftige Dienerin der Demokratie“ gewesen. Die Anerkennung der Rentenzeiten für Mütter sei ebenfalls auf Stamms „unnachgiebigen Dauerbeschuss“ zurückzuführen. Als eine ihrer Nachfolger im Amt der Sozialministerin berichtete Ulrike Scharf von Stamms Spuren „in allen Ecken“ des Ministeriums. „Ihr Fleiß und ihr Durchhaltevermögen“ seien für sie selbst Vorbild. „Für die Bedürfnisse der Menschen muss man sich Zeit nehmen.“ So habe sich Stamm für die Werkstätten für Menschen mit Behinderung, pflegende Angehörige, Alleinerziehende und die Lebenshilfe eingesetzt. Dr. Jürgen Auer, Landesgeschäftsführer der Lebenshilfe Bayern, nannte Stamm eine „Meisterin der Balance“, wenn sie etwas erreichen wollte. Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl erinnerte daran, dass Stamm auch „die treibende Kraft“ für die Einführung der Pflegeversicherung gewesen sei.
Rumäniens Staatspräsident Klaus Iohannis nennt Barbara Stamm eine Freundin seines Landes
Markus Götzfried; HSS
Erinnert wurde auch an die Rumänienhilfe von Barbara Stamm. Rumäniens Staatspräsident Klaus Iohannis nannte Stamm in einem Grußvideo eine „große Freundin“ seines Landes. „Sie war die gute Seele der deutsch-rumänischen Freundschaft mit Tatkraft und Mitgefühl für Menschen in Not“. Sie bleibe als „Vorbild für Nächstenliebe“ in Erinnerung. Der Präsident des Bundes der Vertriebenen, Dr. Bernd Fabritius, die bayerische Beauftragte für Aussiedler und Vertriebene, Sylvia Stierstorfer, und Prof. Dr. Wolfgang Schramm, Vorsitzender der Bayerischen Kinderhilfe, erinnerten daran, dass bei mehr als 100 Rumänienbesuchen dank Stamms Initiative Heime, Werkstätten und Computerschulen für Menschen mit Behinderung, Straßenkinder und HIV-Kranke sowie Ausbildungsplätze für Pflegepersonal geschaffen wurden. „Geht nicht, gibt’s nicht!“, das sei Stamms energische Maxime gewesen. In bewegenden persönlichen Anekdoten schilderten sie Stamms Einsatz dort, nannten sie „Galionsfigur“ und „Brückenbauerin“. Das Pilotzentrum für schwerstbehinderte Kinder in Pastraveni trägt heute ihren Namen.
Barbara Stamms Engagement für die Schwachen geht weiter
Markus Götzfried; HSS
Barbara Stamms Schafkopfrunde geht weiter, wie ihr Ehemann Ludwig berichtete, der 52 Jahre mit ihr verheiratet war. Ebenso geht ihr Engagement für die Schwachen weiter: Bayern setzt dies mit der Barbara-Stamm-Medaille und der Barbara-Stamm-Akademie fort. Die Hanns-Seidel-Stiftung wird weiter die Themen Kindeswohl, Frauenrechte, Pflege und Inklusion hochhalten und das Engagement in Rumänien „in Barbara Stamms Sinne fortführen“, wie Markus Ferber versicherte.
Impressionen des Symposiums
Podiumsdiskussion 1
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