Fasten und Fische in früher Neuzeit
Lebens- und Ernährungsweisheiten zur Fastenzeit aus Bayerischen Klöstern
Prof. Dr. phil. Wolfgang Wüst ist deutscher Historiker und Professor für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
HSS; Wolfgang Wüst
An Palmsonntag beginnt die Karwoche. Damit endet langsam die Fastenzeit, die am Aschermittwoch begann, und eine Zeit der Buße und Besinnung ist. Sie dauert 40 Tage und endet am Karsamstag. Fasten und die damit verbundene Enthaltsamkeit gegenüber bestimmten Speisen – meist untersagte man (teure) Fleischgerichte –, süßen Köstlichkeiten und hochkalorischen Getränken ist und war seit alters her Bestandteil vieler Religionen. So wird beispielsweise auch bei Muslimen gefastet. Seit dem 22. März ist Ramadan, diese Fastenzeit verbietet Getränke und Speisen bis Sonnenuntergang.
Im Christentum wurde das Fasten wesentlich von den Klöstern mitgeprägt. Dabei spielte das Freitagsopfer in der römisch-katholischen Kirche eine große Rolle, um genau dann durch Enthaltsamkeit an die Leiden und den Tod Jesu Christi zu erinnern. Fisch statt Fleisch stand deshalb an Freitagen und nicht nur an diesen Wochentagen auf klösterlichen Speiseplänen. Fisch war nämlich billiger als Fleisch und galt als bescheidener. Zudem zählt Fisch nicht wie Fleisch zu den Tieren des Himmels und der Erde.
Dokumentation mit Ordensregeln zum Fasten
Titelseite des Fischereibuchs der Fürstabtei in Kempten von 1755
HSS; Staatsarchiv Augsburg
Die Fürstabtei in Kempten und das Kloster St. Michael in Bamberg dienen als Beispiele für die Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit. Fürstabt Engelbert von Syrgenstein erteilte dem Kemptener Stiftskapitular Benedict von Schönau (*1724, +1785), den Auftrag, eine Dokumentation über das Fischereiwesen zu erstellen.
Die reich mit Fisch-, Tier-, Teich-, Fluss- und Landschaftsmotiven illustrierte Handschrift war für den internen Gebrauch bestimmt. Sie wurde 1755 fertiggestellt.Dieser Klosterschatz gibt uns die Möglichkeit, Ordensregeln zum Fasten, zur Fischspeisung und zur Abstinenz kennenzulernen.
Die von Kempten betriebene Teich- und Flussfischerei an der Iller stand im „Wettbewerb“ mit der Klosterfischerei in Oberfranken. Dort zeigen Fischrechnungen, wie man sich die alte Teichwirtschaft, die regionale Fischzucht, den Konsum und Vertrieb von Fischen, die heute mit Ausnahme der Karpfen selten geworden sind, vorzustellen hat.
Der Stellenwert von Fisch
Relief "Agnus Dei" des Seitenaltars der Karmeliterkirche in Wien
Renáta Sedmáková; HSS; ADOBESTOCK
Die Rechnungen des Bamberger Benediktinerklosters (St. Michael) auf dem Michelberg, gegründet um 1015 unter Bischof Eberhard I. (*1007, +1040), zeigen von Beginn an Zulieferungen von Naturalien, Fleisch und Fisch an die Klosterküche. Offene Fragen waren dabei, welchen Stellenwert Fisch an der Klostertafel einnahm und wie oft seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Fisch in Klosterrechnungen seriell geführt und überliefert wurde.
Klösterliche Naturalentlohnung konnte neben Wein, Bier, Brennholz und Brot – in Bamberg waren es häufig auch nur die „Semelein“ – bis ins frühe 19. Jahrhundert auch aus einem Fischdeputat bestehen. Nach alter klösterlicher Regel bricht Flüssiges das Fasten übrigens nicht. Heute mag das seltsam erscheinen, doch Alkohol stellte keinen Verstoß gegen das Fastengebot dar. Getränke wie Bier und Wein waren in der Fastenzeit daher erlaubt.
Das I·Ch·Th·Y·S-Symbol, auch bekannt als Fisch-Symbol hat eine besondere Bedeutung im Christentum und somit auch in der Fastenzeit.
Dimitrios; HSS; ADOBESTOCK
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Historiker und Professor für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte