Print logo
Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Fasten und Fische in früher Neuzeit
Lebens- und Ernährungsweisheiten zur Fastenzeit aus Bayerischen Klöstern

Autorin/Autor: Prof. Dr. phil. Wolfgang Wüst

Passend zur aktuellen Fastenzeit schreibt Professor Wüst über die verbliebenen Dokumentationen der Lebens- und Ernährungsweisheiten in der Frühen Neuzeit in Bayerischen Klöstern. In der christlichen Fastenzeit wird insbesondere Fisch konsumiert und 40 Tage lang auf ungesunde Lebensmittel verzichtet.

Portrait von Prof. Dr. phil. Wolfgang Wüst

Prof. Dr. phil. Wolfgang Wüst ist deutscher Historiker und Professor für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

HSS; Wolfgang Wüst

An Palmsonntag beginnt die Karwoche. Damit endet langsam die Fastenzeit, die am Aschermittwoch begann, und eine Zeit der Buße und Besinnung ist. Sie dauert 40 Tage und endet am Karsamstag. Fasten und die damit verbundene Enthaltsamkeit gegenüber bestimmten Speisen – meist untersagte man (teure) Fleischgerichte –, süßen Köstlichkeiten und hochkalorischen Getränken ist und war seit alters her Bestandteil vieler Religionen. So wird beispielsweise auch bei Muslimen gefastet. Seit dem 22. März ist Ramadan, diese Fastenzeit verbietet Getränke und Speisen bis Sonnenuntergang.

Im Christentum wurde das Fasten wesentlich von den Klöstern mitgeprägt. Dabei spielte das Freitagsopfer in der römisch-katholischen Kirche eine große Rolle, um genau dann durch Enthaltsamkeit an die Leiden und den Tod Jesu Christi zu erinnern. Fisch statt Fleisch stand deshalb an Freitagen und nicht nur an diesen Wochentagen auf klösterlichen Speiseplänen. Fisch war nämlich billiger als Fleisch und galt als bescheidener. Zudem zählt Fisch nicht wie Fleisch zu den Tieren des Himmels und der Erde.

Dokumentation mit Ordensregeln zum Fasten

Titelblatt der mit Fisch-, Tier-, Teich-, Fluss- und Landschaftsmotiven illustrierten Handschrift

Titelseite des Fischereibuchs der Fürstabtei in Kempten von 1755

HSS; Staatsarchiv Augsburg


Die Fürstabtei in Kempten und das Kloster St. Michael in Bamberg dienen als Beispiele für die Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit. Fürstabt Engelbert von Syrgenstein erteilte dem Kemptener Stiftskapitular Benedict von Schönau (*1724, +1785), den Auftrag, eine Dokumentation über das Fischereiwesen zu erstellen.


Die reich mit Fisch-, Tier-, Teich-, Fluss- und Landschaftsmotiven illustrierte Handschrift war für den internen Gebrauch bestimmt. Sie wurde 1755 fertiggestellt.Dieser Klosterschatz gibt uns die Möglichkeit, Ordensregeln zum Fasten, zur Fischspeisung und zur Abstinenz kennenzulernen.


Die von Kempten betriebene Teich- und Flussfischerei an der Iller stand im „Wettbewerb“ mit der Klosterfischerei in Oberfranken. Dort zeigen Fischrechnungen, wie man sich die alte Teichwirtschaft, die regionale Fischzucht, den Konsum und Vertrieb von Fischen, die heute mit Ausnahme der Karpfen selten geworden sind, vorzustellen hat. 

Der Stellenwert von Fisch

Relief "Agnus Dei" des Seitenaltars der Karmeliterkirche in Wien

Relief "Agnus Dei" des Seitenaltars der Karmeliterkirche in Wien

Renáta Sedmáková; HSS; ADOBESTOCK

Die Rechnungen des Bamberger Benediktinerklosters (St. Michael) auf dem Michelberg, gegründet um 1015 unter Bischof Eberhard I. (*1007, +1040), zeigen von Beginn an Zulieferungen von Naturalien, Fleisch und Fisch an die Klosterküche. Offene Fragen waren dabei, welchen Stellenwert Fisch an der Klostertafel einnahm und wie oft seit der zweiten Hälfte des 16.  Jahrhunderts Fisch in Klosterrechnungen seriell geführt und überliefert wurde.

Klösterliche Naturalentlohnung konnte neben Wein, Bier, Brennholz und Brot – in Bamberg waren es häufig auch nur die „Semelein“ – bis ins frühe 19. Jahrhundert auch aus einem Fischdeputat bestehen. Nach alter klösterlicher Regel bricht Flüssiges das Fasten übrigens nicht. Heute mag das seltsam erscheinen, doch Alkohol stellte keinen Verstoß gegen das Fastengebot dar. Getränke wie Bier und Wein waren in der Fastenzeit daher erlaubt.

Info: Die Bedeutung des Fisches im Christentum

Im Christentum symbolisieren zwei gebogene Linien den Fisch. Dieser repräsentiert die „verborgene“ Wahrheit, die ans Licht (Ufer) geholt werden solle. Zunächst ist der Fisch im Wasser schwer erkennbar und entgleitet beim Versuch des Fangens leicht, gleichzeitig verspricht er aber Nahrung. Im geschichtlichen Fischzug des Petrus erweist sich Jesus damit auch als Wegweiser zur Wahrheit. Das Fisch-Symbol wird auch „I·Ch·Th·Y·S-Symbol“ genannt, was in altgriechischer Sprache Fisch bedeutet. Das Akronym steht für: Iesous · Christos · Theou Yios · Soter, was für Jesus, Christus, Gottes Sohn und Retter steht. Bekannt ist das Symbol auch aus dem Lukasevangelium (Lk 5,10 EU) „Jesus sagte zu Petrus: ‚Fürchte dich nicht! Du wirst jetzt keine Fische mehr fangen, sondern Menschen für mich gewinnen‘.“

Zwei in entgegengesetzte gebogene Linien stellen das Fisch-Symbol dar.

Das I·Ch·Th·Y·S-Symbol, auch bekannt als Fisch-Symbol hat eine besondere Bedeutung im Christentum und somit auch in der Fastenzeit.

Dimitrios; HSS; ADOBESTOCK

Kontakt

Portrait von Prof. Dr. phil. Wolfgang Wüst
Extern
Historiker und Professor für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte