Bundestagswahl 2025
Machtwechsel, Rekordergebnisse und eine unsichere Zukunft
Die Wahlwerbung hat sich offensichtlich gelohnt: Bei der Bundestagswahl 2025 ist die CDU/CSU als stärkste Kraft hervorgegangen.
Nordphoto/Imago
Ausgangslage: Zerfall der Bundesregierung und vorgezogene Neuwahl
Die Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 verdient wirklich die Beschreibung „historisch“: Die amtierende Bundesregierung war 2021 erstmals als Dreier-Koalition gestartet in einer Parteienkombination, die es so im Bund noch nie gegeben hatte. Der Austritt der FDP aus der Koalition mit SPD und Grünen im November 2024 zwang den Bundeskanzler Olaf Scholz zum Stellen der Vertrauensfrage kurz vor Weihnachten, um die Auflösung des Bundestages und eine vorgezogene Bundestagswahl zu ermöglichen. Damit war der Weg frei (erstmals seit der Bundestagswahl 1987) für einen Wahlkampf im Winter, der noch dazu kürzer ausfallen musste als die Bundestagswahlkämpfe zuvor.
Eine Wechselstimmung war schon 2024 unverkennbar und hielt weiter an. Die „Ampel“-Regierung hatte rekordverdächtig schlechte demoskopische Bewertungen und eine Bestätigung dieses Bündnisses war immer unwahrscheinlicher geworden. Wenig überraschend sind die Umfragewerte für die Ampel-Parteien immer schlechter geworden und CDU/CSU lag immer deutlicher als stärkste Formation vorn. Dennoch war mit dem sich näherndem Wahltermin ungewiss, wie die neue Regierung aussehen könnte. Es wurde zwar immer wahrscheinlicher, dass die Union mit ihrem Spitzenkandidaten Friedrich Merz den Bundeskanzler stellen würde. Das mögliche Bündnis blieb aber offen – dafür gab es verschiedene Gründe. Zum einen war die FDP als klassischer Partner einer bürgerlichen Koalition fraglich: Wegen ihrer Beteiligung an der Ampel-Koalition lag sie in den Umfragewerten bis kurz vor der Wahl knapp um unter 5%, so dass ihr Wiedereinzug in den Bundestag unsicher erscheinen musste. Die von ihr mit verantwortete Wahlrechtsreform führte zusätzlich dazu, dass die „Leihstimmen“, die von bürgerlichen Wählern in sicheren Unions-Wahlkreisen früher häufiger zu verzeichnen waren, diesmal weniger zu erwarten waren: CDU und vor allem CSU machten sehr deutlich, dass Erst- und Zweitstimme für die Union entscheidend waren, denn die Zweitstimme war bei dieser Wahl entscheidend für die Mandatsverteilung im Bundestag.
Quelle: © Die Bundeswahlleiterin, Wiesbaden 2025
Die dominierenden Themen: Migration, Wirtschaft und Trump
Zum anderen hatten sich die Konstellationen im deutschen Parteiensystem immer mehr verschoben: Die AfD konnte ihre demoskopischen Werte weiter ausdehnen, weil sie sich auf das Thema konzentrierte, das in den Augen der deutschen Wahlbevölkerung immer mehr Bedeutung gewann: Migration und Asyl. Kurz vor der Wahl war dieser Themenkomplex neben den stark gestiegenen wirtschaftlichen Sorgen der dominante Faktor in den Umfragen. Davon profitierte zwar auch zunächst das „Bündnis Sahra Wagenknecht“, das vor der Wahl aber stark zurückfiel. Dazu trug wahrscheinlich auch die mutige Aktion von Friedrich März am 31. Januar 2025 im Bundestag bei, wo er unter anderem ein „Zustrombegrenzungsgesetz“ zur Abstimmung stellte, dem sich SPD und Grüne geschlossen verweigerten, die AfD aber zustimmte. Die öffentliche Unterstützung der neuen US-Administration unter Donald Trump gab der AfD zusätzlichen Rückenwind, während die Linke von der Diskussion um mögliche Einschnitte am Sozialstaat und stärkerer Besteuerung der Reichen profitieren wollte.
Diese Bundestagswahl fand statt vor dem Hintergrund großer Unsicherheit in der Bevölkerung. Im ARD-Deutschlandtrend von Infratest dimap sagten Ende Januar 2025 83%, dass die Verhältnisse in Deutschland Anlass zur Beunruhigung geben würden. Als Gründe wurden Migration/Zuwanderung (27%), die wirtschaftliche Lage (26%), aber auch die Kriminalität (15%) genannt – jeweils ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu Juli 2023. Nach dem Anschlag von München im Februar dürften diese Werte noch weiter angestiegen sein.
Vor dem Wahltag war also sicher, dass CDU/CSU die stärkste Fraktion werden würden. Auch AfD, SPD und Grüne waren gesetzt, während der Einzug von FDP, BSW und Linken unsicher und ein Erfolg der Freien Wähler unwahrscheinlich war. Im Januar hatte die Forschungsgruppe Wahlen die theoretischen Wählerpotentiale von CDU und CSU bei 44% gesehen. Die SPD lag dort bei 38%, die Grünen bei 36%, FDP und AfD bei 22%, die Linke bei 20% und das BSW bei 14%. Mit Ausnahme der AfD hätten demnach alle Parteien ihr Wählerpotential bei weitem nicht ausgeschöpft und könnten theoretisch bis zum Wahltermin noch deutlich zulegen.
Das Wahlergebnis und die Folgen
Die dramatischen Umstände der Wahl haben zu einer sehr hohen Mobilisierung geführt. Die Wahlbeteiligung lag bei 82,5% (in Bayern sogar bei 84,5%) und damit über sechs Punkte höher als 2021. Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam die Union auf 28,6% (ein Zuwachs um 4,4 Punkte), darunter 6% bundesweit für die CSU. Zweitstärkste Partei wurde die AfD mit 20,8%, die ihr Ergebnis verdoppeln konnte. Es folgen die SPD mit 16,4% (ein Verlust von 9,3 Punkten) und die Grünen mit 11,6%, ein Verlust von 3,1 Punkten. Die Linke kam mit 8,8% (ein Zuwachs von 3,9 Punkten) klar ins Parlament, während die FDP mit 4,3% deutlich und das BSW mit 4,97% knapp an der 5%-Hürde scheiterten.
Die Union ist mit 228 Sitzen (darunter 44 von der CSU) klar stärkste Fraktion. Die AfD kommt auf 152 Sitze, die SPD auf 120 Sitze, die Grünen auf 85 Sitze, die Linke auf 64 Sitze und der Südschleswigsche Wählerverband SSW (der von der 5%-Hürde ausgenommen ist) auf einen Sitz. Damit wäre die Bildung einer Koalition aus CDU, CSU und SPD möglich und die wohl realistischste Option für die Regierungsbildung. Friedrich Merz hat schon am Wahlabend angekündigt, rasch Koalitionsverhandlungen zu führen, um noch vor Ostern die neue Bundesregierung bilden zu können.
Laut Infratest dimap waren die Themen Innere Sicherheit und soziale Sicherheit mit jeweils 18% der Nennungen vor Zuwanderung und Wirtschaftswachstum mit jeweils 15% die wichtigsten Faktoren der Wahlentscheidung. Das erklärt das gute Ergebnis der AfD, die in allen ostdeutschen Ländern vorn liegt. Die anderen Themen haben sicher der Union genützt; sie konnte vor allem von den Nichtwählern, der FDP und der SPD Stimmen holen, verlor aber auch über eine Million Stimmen an die AfD. Die SPD verlor am meisten an die Union (über 1,7 Millionen Stimmen), aber auch stark an AfD und Linke. Die Linke hat es verstanden, die soziale Gerechtigkeit für sich zu instrumentalisieren und damit vor allem der SPD wie auch den Grünen Stimmen abzunehmen. Die FDP konnte trotz ihrer Erfahrung als Wirtschaftspartei nicht von dieser Themensetzung profitieren – ihre Beteiligung an der Ampel-Regierung stand dem wohl zu stark entgegen. Die politische Zukunft der FDP wie des BSW ist angesichts der wachsenden Volatilität im Wählerverhalten äußerst ungewiss.
Für die CSU bedeutet dies, wieder maßgeblich in der Bundesregierung vertreten zu sein. Bitter ist, dass die CSU trotz gutem Ergebnis mit 47 gewonnenen Direktmandaten nur 44 Sitze besetzen kann: Wegen der Wahlrechtsreform der Ampel-Regierung fallen drei Wahlkreise mit den geringsten relativen Mehrheiten weg (Augsburg-Stadt, Nürnberg-Nord, München-Süd) – dort kommen die drei Wahlkreissieger von der CSU nicht in den Bundestag. Vor allem die Union war von dieser Neuregelung betroffen: Von den 23 nicht zugeteilten Wahlkreisen entfielen einer auf die SPD, vier auf die AfD und der Rest auf CDU und CSU.
In Bayern war die CSU mit 37,2% der Zweitstimmen (ein Gewinn von 5,5 Punkten) mit Abstand stärkste Partei. Bei den Erststimmen kam die CSU sogar auf 41,2%. Sie hat gegenüber 2021 560.905 Zweitstimmen mehr geholt; diese insgesamt 2.963.732 Stimmen haben aber wegen der hohen zusätzlichen Mobilisierung nicht für einen noch höheren Zweitstimmenanteil gereicht. Die Freien Wähler kamen in Bayern auf 4,3% der Zweitstimmen sowie 5,8% der Erststimmen – ihr Versuch, drei Direktmandate in Bayern zu gewinnen, scheiterte allerdings deutlich, weshalb sie nicht im Bundestag vertreten sind. Die neue Bundesregierung wird sich angesichts dieser Konstellationen – neben den bekannten drängendsten Problemen – auch um eine Reform des Wahlrechts bemühen, die das Verhältnis von Direkt- und Listenmandaten wieder in eine nachvollziehbarere Relation bringt.
Kontakt
Leitung