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Ein Rundgang durch den Augsburger Stadtwald
Naturjuwel inmitten der Stadt

Autorin/Autor: Matthias Fink

Mit einer Fläche von 2.160 Hektar ist der Augsburger Stadtwald eines der artenreichsten Naturschutzgebiete in Bayern. Er beherbergt über 3.000 Tier- und Pflanzenarten. Besucher stoßen hier auf zahlreiche Bäche, Kanäle und seltene Pflanzen.

Nicolas Liebig vom Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg bringt den Besuchern die Besonderheiten des Augsburger Stadtwalds nahe.

Nicolas Liebig vom Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg bringt den Besuchern die Besonderheiten des Augsburger Stadtwalds nahe.

© Matthias Fink

„Wald – Wasser – Weide“ – so war der Rundgang durch den Augsburger Stadtwald überschrieben, zu dem die Hanns-Seidel-Stiftung und der Verein Augsburg International e.V. eingeladen hatten. Nicolas Liebig, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Stadt Augsburg e.V., führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit großer Sachkenntnis und hob den Stellenwert des Augsburger Stadtwalds für Naherholung, Trinkwassergewinnung sowie für Klima-, Arten- und Umweltschutz hervor: „Der Stadtwald ist ein einmaliges Kleinod. Die Augsburger schätzen den hohen Freizeitwert und wissen, dass sie hieraus ihr Trinkwasser beziehen. Auch Fachkundige aus ganz Europa kommen nach Augsburg, um im Stadtwald die einmalige Artenvielfalt zu studieren.“

Der Stempflebach führt glasklares Quellwasser aus dem Haunstetter Wald und speist den Stempflesee.

Der Stempflebach führt glasklares Quellwasser aus dem Haunstetter Wald und speist den Stempflesee.

© Matthias Fink

Seltene Artenvielfalt

Bei dem zweistündigen Rundgang durch offene Heidelandschaften und lichten Wald zeigte der Umweltschützer die Artenvielfalt dieses Gebiets anhand zahlreicher verschiedener Pflanzen auf. Doch worauf lässt sich diese Artenvielfalt zurückführen? „Der sehr magere Kiesboden der Lech-Flussauen sorgt dafür, dass auf den Lechheiden zum Beispiel viele Enzian- und Orchideenarten wachsen. Die wilde Dynamik des Lechs, aber auch Weidetiere wie Ochsen, die über Jahrhunderte aus Ungarn herangetrieben wurden und vor der Stadt weideten, hielten die Lechheiden offen und sorgten dafür, dass lichtliebende Arten nicht von Büschen verdrängt wurden“, weiß Liebig. „Im Stadtwald gibt es viele Arten, die einen bedeutenden Verbreitungsschwerpunkt haben oder sogar nur hier vorkommen.“

Ein charakteristisches Landschaftsmerkmal des Stadtwalds sind die zahlreichen Kanäle, die vor einigen Jahrhunderten zur Versorgung der Stadt mit Trink- und Brauchwasser angelegt wurden. „Bereits im 15. Jahrhundert war den Verantwortlichen der Stadt bekannt, dass es zum Schutz der Gesundheit der Bürger notwendig ist, das Quellwasser für die Trinkwasserversorgung vom Brauchwasser für den Bedarf der Handwerksbetriebe und für die Entsorgung von Unrat strikt zu trennen. Mehrere Unterführungen eines Kanals unter einen anderen zeugen noch heute von diesem Bewusstsein“, erklärt Nicolas Liebig.

Einer der Himmelsweiher im Augsburger Stadtwald: Bombentrichter werden abgedichtet und zu Tümpeln umgestaltet, die vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten.

Einer der Himmelsweiher im Augsburger Stadtwald: Bombentrichter werden abgedichtet und zu Tümpeln umgestaltet, die vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten.

© Matthias Fink

Aus „Bombentrichtern“ werden „Himmelsweiher“

Ein herausragendes Projekt des Landschaftspflegeverbands sei die Anlage von so genannten Himmelsweihern. Hierzu werden jedes Jahr einige der rund 2.000 „Bombentrichter“ im Stadtwald abgedichtet. „Die Kuhlen füllen sich dann mit Regenwasser, sodass sich dort Pflanzen und Tiere ohne menschliches Zutun ansiedeln. Es werden also Lebensräume, beispielsweise für Amphibien, geschaffen, und damit die Artenvielfalt gefördert“, so Liebig.

Über den Stempflesee, einem romantischen Gewässer im Augsburger Stadtwald, erfuhren die Teilnehmer, dass dieser in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme angelegt wurde. Hier gab es früher eine Waldgaststätte, die so beliebt war, dass sie in der Zwischenkriegszeit sogar durch eine Straßenbahn erschlossen wurde. Heute existieren jedoch weder Gaststätte noch Straßenbahnverbindung: Die Gleise wurden im Zweiten Weltkrieg abgebaut, um zerstörte Schienen in der Stadt zu ersetzen, die Gaststätte inmitten des Trinkwasserschutzgebiets wurde abgetragen.

Margarete Rohrhirsch-Schmid zeigte sich begeistert von der Führung: „Ich bin voller neuer Eindrücke und habe viele neue, interessante Fakten erfahren. Wussten Sie etwa, dass die Augsburger Magerwiesen eine große Vielfalt an Pflanzen mit wenig Bedarf an Wasser und Nahrung aufweisen, wie es sie sonst kaum irgendwo anders gibt? Und dass die ‚Bombentrichter‘ zu ‚Himmelsweihern‘ umgestaltet wurden, wo Insekten und Frösche nun ein hervorragendes Lebensumfeld vorfinden?“

 

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