Print logo
Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Die Rolle von Unternehmen
Neue Perspektive auf die Entwicklungszusammenarbeit

Autorin/Autor: Dr. Claudia Schlembach

Sinkende Mittel erfordern eine effizientere Entwicklungszusammenarbeit. Weniger Bürokratie, mehr Wertschöpfung vor Ort – das wäre eine Win-Win-Situation für Entwicklungsländer und Unternehmen.

Markus Ferber, MdEP, Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Prof. Dr. Klaus Binder, Vertreter der HSS in Argentinien und Dipl. Ing.- Herrmann Schrattenthaler, Executive Director Africa and Middle East bei BAUER Maschinen GmbH, haben sich zur Diskussionsrunde: „Unternehmen. Neue Rolle in der Entwicklungspolitik“ getroffen, um die Chancen der Entwicklungszusammenarbeit zu beleuchten und nach neuen Wegen zu suchen. Es gab viel Einigkeit in der Diskussion und die eingebrachten Vorschläge wurden im Publikum als sehr inspirierend angenommen. 

Auf dem Podium: Marion Gehlert, Chefredakteurin von muenchen.tv, Moderatorin; Dipl.-Ing. Herrmann Schrattenthaler, Executive Director Africa and Middle East bei BAUER Maschinen GmbH; Prof. Dr. Klaus Binder, Vertreter der HSS in Argentinien; Markus Ferber, MdEP und Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung; Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (v. l. n. r.)

Auf dem Podium: Marion Gehlert, Chefredakteurin von muenchen.tv, Moderatorin; Dipl.-Ing. Herrmann Schrattenthaler, Executive Director Africa and Middle East bei BAUER Maschinen GmbH; Prof. Dr. Klaus Binder, Vertreter der HSS in Argentinien; Markus Ferber, MdEP und Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung; Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (v. l. n. r.)

Stefan Obermeier; vbw

Synergien nutzen

Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt: „Unternehmen sind Partner und Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort, ohne sie tut sich Entwicklungszusammenarbeit schwer.“

Stefan Obermeier; vbw

Ein konkreter Vorschlag bestand darin, entwicklungspolitisch aktive Institutionen zusammenzuführen, um Synergien zu nutzen, Doppelarbeit zu vermeiden und gemeinsame Zielsetzungen zu definieren. In der Praxis gestaltet sich dies jedoch anders, wie Bertram Brossardt andeutet. Er weist darauf hin, dass im Strategiepapier des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Wort „Wirtschaft“ kein einziges Mal erwähnt wird. Es ist durchaus nachvollziehbar, dahinter eine Ideologisierung der Entwicklungspolitik zu vermuten. Denn, so Brossardt: „Unternehmen sind Partner und Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort, ohne sie tut sich Entwicklungszusammenarbeit schwer.“ Natürlich gelte das auch in umgekehrter Richtung, denn Unternehmen brauchen eine politische Flankierung beim Eintritt in mehr oder weniger erschlossene Märkte. Der globale Handel solle stärker gefördert werden, es brauche vor allem Zugang zu kritischen Rohstoffen. Selbstverständlich geht es auch um fairen Wissenstransfer und die Rekrutierung von Fachkräften. Diese Ideen stammen aus der Wirtschaft und sollten genutzt werden, um eine Win-Win-Situation zu schaffen.

Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften sind notwendig

Laut Ferber sollte Entwicklungszusammenarbeit nicht einfach als großzügige Geste verstanden werden. Vielmehr sollte man gemeinsam vor Ort an Lösungen arbeiten – und das auf Augenhöhe mit den Menschen.

Stefan Obermeier; vbw

Doch weshalb funktioniert das nicht? Markus Ferber, MdEP, konstatiert, dass die EU zwar der größte Mittelgeber im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit ist, bestätigt aber, dass derzeit ideologische Positionen die Effizienz negativ beeinflussen. Die Frage, ob die Menschen in den Entwicklungsländern abgeholt werden, wo sie sind, ist dabei ebenso zentral wie die nach der konkreten Verbesserung der Lebenssituation vor Ort. Das gelänge, so Ferber, wenn wir Teile der Wertschöpfungsketten vor Ort wirksam machen und damit Arbeitskräfte schaffen. Zwei grundlegende Einsichten sind für Ferber wichtig: Entwicklungszusammenarbeit ist kein Altruismus und Aufgabe der Politik ist es, Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften bereit zu stellen.

Die EU als größter Geldgeber in der Entwicklungszusammenarbeit sollte ihre grundlegenden Ansätze überdenken. Laut Ferber sollte Entwicklungszusammenarbeit nicht einfach als großzügige Geste verstanden werden, bei der Länder unspezifische Unterstützung erhalten. Vielmehr sollte man gemeinsam vor Ort an Lösungen arbeiten – und das auf Augenhöhe mit den Menschen.

Unternehmen investieren nur, wenn ihre Investitionen sicher sind – das ist die Grundlage. Politische Entscheidungen sollten dabei immer von Interessen geleitet sein. Darüber waren sich alle Podiumsteilnehmer einig. Das bedeutet auch eine Abkehr von einer wertebasierten Politik und weniger politische Vorgaben in Handelsabkommen. Ferber betonte: „Der Schutz des Regenwaldes ist nicht Aufgabe von Freihandelsabkommen.“ Auch die Einhaltung universeller Rechte lasse sich nicht durch Lieferkettengesetze erzwingen, sondern entstehe durch gemeinsamen Mehrwert für alle Beteiligten.

Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und Infrastruktur

Klaus Binder fordert, dass die Politik die Rolle der Wirtschaft stärker in den Blick nehmen muss.

Stefan Obermeier; vbw

Klaus Binder nutzte die Gelegenheit, um konkrete Beispiele aufzuführen, die die HSS in Lateinamerika anstößt und die genau diese Vorgaben erfüllen. Wichtig ist ihm dabei, dass die Politik die Rolle der Wirtschaft stärker in den Blick nehmen muss. Deutsche Unternehmen, die seit vielen Jahren in den Entwicklungsländern tätig sind, hätten nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch eine Infrastruktur geschaffen und neue Problemlösungskompetenzen eingebracht.

Binder hat aus seiner praktischen Tätigkeit an ganzes Füllhorn Empfehlungen für die künftige Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit: die gezielte Förderung von KMU,  die Harmonisierung der Besteuerungsabkommen und die Förderung der öffentlichen Sicherheit.

Es geht um Wertschöpfung

Herrmann Schrattenthaler zeigt konkrete Ansätze auf, wie Wertschöpfung gelingen kann.

Stefan Obermeier; vbw

Auch Herrmann Schrattenthaler betont, dass die Politik die Rahmenbedingungen setzen muss. Doch als Unternehmer stellt er klar: „Ich brauche niemanden, der mir mein Geschäft erklärt.“ Mit seinem Fokus auf Wertschöpfung zeigt er konkrete Ansätze auf, wie zum Beispiel die stärkere Verknüpfung der dualen Ausbildung, die weltweit anerkannt ist. So könnte Entwicklungszusammenarbeit weniger als erzieherische Maßnahme verstanden werden, sondern als echte Win-Win-Situation – bei der auch Unternehmen profitieren, etwa durch die Sicherung von Rohstoffen.

Kontakt

Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Wirtschaft und Finanzen
Leiterin
Telefon: 
Fax: