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Kundgebung gegen Antisemitismus
"Nie wieder" ist jetzt

Autorin/Autor: Katja Zirkel

Gemeinsam Haltung zeigen: Die Initiative „DACH gegen Hass“ lädt am 5. Oktober um 16 Uhr zu einer Kundgebung auf dem Münchner Königsplatz ein. Ziel der Aktion ist es, ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und für eine offene Gesellschaft zu setzen. Auch unser Vorsitzender Markus Ferber, MdEP, wird vor Ort sein. Im Vorfeld haben wir mit Prof. Dr. Guy Katz, dem Initiator der Kundgebung, über seine Beweggründe und Erwartungen gesprochen.

Prof. Dr. Guy Katz hält eine Rede auf einer Demonstration gegen Antisemitismus in München.

Guy Katz hat die Initiative "DACH gegen Antisemitismus" initiiert und ruft alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf am 5. Oktober am Münchner Königsplatz gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit aufzustehen.

© privat

Antisemitismus bleibt eine Herausforderung, die die gesamte Gesellschaft betrifft. Mit der Initiative „DACH gegen Hass“ setzen Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein gemeinsames Zeichen gegen Judenhass. Ziel ist es, Politik und Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und konkrete Maßnahmen einzufordern. Eine Petition und eine große Demonstration in München bilden den Auftakt der Kampagne. Jeder Beitrag – ob Unterschrift, Stimme oder persönliche Teilnahme – ist willkommen. Der Münchner Professor für International Management an der Hochschule München, Guy Katz, hat die Kundgebung und Online-Petition initiiert. Wir sprachen mit ihm über seine Motivation gegen Antisemitismus aufzubegehren.

HSS: Sie organisieren am 5. Oktober die DACH-weite Kundgebung "DACH gegen Judenhass" – was treibt Sie persönlich an, gerade zu diesem Zeitpunkt und speziell an diesem Ort, ein Zeichen zu setzen? Und welche Wirkung erhoffen Sie sich?

Prof. Dr. Guy Katz: Seit dem 7. Oktober sehe ich, wie dramatisch die Situation ist: Menschen wurden in Israel verschleppt, ermordet, vergewaltigt – und seitdem ist der Antisemitismus weltweit, auch in Deutschland, massiv gestiegen. Im Jahr 2024 wurde im Schnitt eine antisemitische Tat pro Stunde registriert. Viele Jüdinnen und Juden haben Angst, ziehen sich zurück, wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Aber ein paar von uns müssen aufstehen. Der Königsplatz ist dabei ein symbolträchtiger Ort: Hier wurden Bücher verbrannt, hier erklärte Hitler München zum „Zentrum der Bewegung“. Wir wollen, dass dieser Platz nun zum Zentrum der Bewegung gegen Antisemitismus wird.

Sie engagieren sich öffentlich und sichtbar gegen Antisemitismus. Gleichzeitig erleben wir, dass solche Initiativen immer auch Anfeindungen hervorrufen. Wie gehen Sie persönlich und organisatorisch mit Gegenwind oder sogar Hassreaktionen um?

Ja, wir erleben viele Anfeindungen – gerade im Netz. Wir sind als jüdische Gemeinschaft nur 0,2 Prozent der Bevölkerung und können diesem Hass alleine gar nicht standhalten. Das eigentliche Problem ist aber die schweigende Mehrheit. Wenn sie nicht aufsteht – gegen Antisemitismus, gegen Hass, gegen Diskriminierung jeder Form – dann werden wir alle ein Problem haben, nicht nur die Jüdinnen und Juden. Genau deshalb dürfen wir uns nicht verstecken, sondern müssen laut und sichtbar sein.

Wie schaffen Sie es, gleichzeitig das Gedenken an die Vergangenheit zu bewahren und den Blick auf die Gestaltung einer offenen, zukunftsgerichteten Gesellschaft zu richten?

Ich bin Enkel von vier Holocaust-Überlebenden. Das prägt mich zutiefst. Ich finde, Deutschland geht im Erinnern grundsätzlich einen guten Weg – aber allzu oft beschränkt es sich auf Denkmäler und Gedenktage. Gegen den heutigen Antisemitismus aktiv aufzustehen, ist viel schwieriger. Genau deshalb organisieren wir diese Kundgebung. Ich hoffe, dass durch starke Partner wie die Hanns-Seidel-Stiftung viele Menschen nicht nur auf die Straße gehen, sondern auch im Alltag – in WhatsApp-Gruppen, in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Politik und in den Medien – ihre Stimme gegen Antisemitismus erheben. Nur dann gilt wirklich: „Nie wieder.“

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Prof. Dr. Katz.

DACH gegen Hass

Der Münchner Hochschulprofessor Guy Katz hat eine Petition mit einem Fünf-Punkte-Plan ins Leben gerufen. Der Plan enthält Verbesserungsvorschläge für jüdisches Leben in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit konkreten Forderungen an Politik und Gesellschaft. Hier geht's zur Petition: dachgegenhass.com.

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