Archivale des Monats
Reinhold Bocklet – Ihr Landtagsabgeordneter
Plakat für die Landtagswahl 1998
ACSP; ACSP, Pl S : 7908
Als Reinhold Bocklet bei der Wahl am 13. September 1998 für den Bayerischen Landtag kandidierte, war er schon ein bayerischer Spitzenpolitiker. Der am 5. April 1943 geborene Schongauer trat 1965 in die Junge Union und CSU ein. Parallel zu seinem Studium der Rechtswissenschaft und Politischen Wissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München begann damit seine politische Karriere. 1979 zog er als Abgeordneter in das Europäische Parlament ein:
„Er ist ein engagierter Europäer, der sich mit Herz und Verstand für seine bayerische Heimat im Europäischen Parlament einsetzt. Weil er die Möglichkeiten und auch die Grenzen der Zusammenarbeit sieht, hat er eine erfolgreiche Arbeit geleistet. Reinhold Bocklet, geboren 1943, Jurist, katholisch, verheiratet, ein Kind. Er ist Mitglied im Landwirtschaftsausschuß des Europäischen Parlaments und stellvertretendes Mitglied im Politischen Ausschuß und im Ausschuß für Jugend, Kultur, Bildung, Information und Sport. Reinhold Bocklet verdient unser volles Vertrauen als bayerischer Abgeordneter im Europäischen Parlament.“ (ACSP, Bocklet Reinhold : 01)
Seine exzellente Kenntnis der europäischen Agrarpolitik konnte Bocklet nach seinem Wechsel in die Landespolitik für Bayern einsetzen: 1993 wurde er vom damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (1993-2007) als Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ins Kabinett berufen und zog 1994 in den Bayerischen Landtag ein. Diesem Parlament gehörte er ohne Unterbrechung bis 2018 als Abgeordneter für den Wahlkreis Oberbayern (1994-2003) und den Stimmkreis Fürstenfeldbruck (2003-2018) an. Nach der Wahl 1998 übernahm er in der neugebildeten Staatsregierung das Amt des Staatsministers für Bundes- und Europaangelegenheiten in der Staatskanzlei. Er zählt damit zu den wenigen Europa-Ministern mit einschlägiger Erfahrung aus dem Europäischen Parlament. Gegen manche Widerstände gelang ihm in diesem Amt die Unterbringung der bayerischen Landesvertretung am Sitz der Europäischen Union im ehemaligen Institut Pasteur. Als Bocklet in einem Interview mit dem Münchner Merkur am 28.12.2018 nach dem Stellenwert der europäischen Gemeinschaft und der Zukunft Europas gefragt wurde, gab er eine Antwort, die auch auf die aktuelle Lage zutrifft:
„Die Europäische Union ist angesichts der veränderten Weltlage für die Selbstbehauptung der Europäer wichtiger denn je. Aber gleichzeitig verstärken sich im Innern soziale Spaltungstendenzen und populistische Bestrebungen. [...] Da kommt es unter anderem ganz entscheidend auf die Stärkung der proeuropäischen Kräfte und besonders auf die Integrationskraft Deutschlands an. Angesichts der aggressiven Großmachtbestrebungen Putins ist das Aufrechterhalten des Gesprächsfadens und der zivilgesellschaftlichen Kontakte auf der Ebene unterhalb der großen Politik ein sinnvoller Beitrag mindestens zur Entschärfung der Lage.“ (Münchner Merkur 28.12.2018, online abrufbar unter https://www.merkur.de/lokales/fuerstenfeldbruck/ex-europa-staatsminister-reinhold-bocklet-im-tagblatt-interview-10922327.html, zuletzt aufgerufen am 5.9.2025)
Zum Beginn der 16. Wahlperiode im Oktober 2008 wurde Reinhold Bocklet zum I. Vizepräsidenten des Bayerischen Landtags gewählt und bekleidete diesen Posten bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden aus dem Parlament 2018. Daneben engagierte er sich im Kreistag Fürstenfeldbruck (2008-2020) in der Kommunalpolitik. Zu seinen Verdiensten zählen dabei die Umstrukturierung und der Neubau des Staatsguts in Puch in ein staatliches Versuchsgut mit Landwirtschaftsamt, Landwirtschaftsschule und staatlichem Forstamt unter dem Dach des Grünen Zentrums, die Verbesserung der Bahnverbindung und die Umbauten der Bahnhöfe Fürstenfeldbruck und Buchenau, die Förderung der Regionalvermarktung und die Errichtung eines Schlachthofs in Fürstenfeldbruck. Es gelang ihm auch, seine Fraktion von der Ansiedlung der Zivilflieger am ehemaligen Militärflughafen Fürstenfeldbruck abzubringen und im Landesentwicklungsprogramm die nichtfliegerische Nachnutzung des Geländes festzuschreiben. (Nachruf der Stadt Fürstenfeldbruck online abrufbar unter https://www.fuerstenfeldbruck.de/ffb/web.nsf/id/li_nachruf-reinhold-bocklet.html, zuletzt aufgerufen am 05.09.2025).
Zur Landtagswahl 2018 trat Reinhold Bocklet nicht mehr an. Als er gefragt wurde, was er seinem Nachfolger im Amt des Stimmkreis-Abgeordneten im Kreis Bruck-Ost rate, meinte er nur:
„Mit Ratschlägen an den Nachfolger halte ich mich zurück. Ich wünsche ihm persönlich und politisch viel Glück und starke Nerven.“ (Münchner Merkur 28.12.2018, online abrufbar unter https://www.merkur.de/lokales/fuerstenfeldbruck/ex-europa-staatsminister-reinhold-bocklet-im-tagblatt-interview-10922327.html, zuletzt aufgerufen am 5.9.2025).
Reinhold Bocklet verstarb am 23. August 2025 im Alter von 82 Jahren. Mit ihm verliert Bayern einen Homo Politicus der sich um seine Heimat als Kommunal-, Landes- und Europapolitiker in vielfacher Weise verdient gemacht hat.
Mehr zu Reinhold Bocklet erfahren Sie unter:
https://www.csu-geschichte.de/personen/detail/reinhold-bocklet
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