Zeitmaschine in Kloster Banz
Revolution! Bayerns turbulenter Weg in die Weimarer Republik
Deutsche Schicksalsjahre: Die Gründung der Weimarer Republik ist an Dramatik kaum zu überbieten – und der Weg in die Demokratie nirgendwo so turbulent wie in Bayern. Massenversammlungen auf der Theresienwiese, die bayerische Monarchie fällt widerstandslos; der Krieg ist nur unterbrochen; die Sorge um Brot, Kohle und Kleidung allgegenwärtig. In die Angst ums Überleben mischt sich die Hoffnung auf eine bessere Welt: Für die einen rückt ein Traumland, in greifbare Nähe, in dem alles möglich zu sein scheint, für die anderen droht das Chaos des Umsturzes.
„Histodrama“ statt gewöhnlichem Seminar
Auf eine Zeitreise in diese tosenden Monate der Revolution 1918/19 begaben sich die Teilnehmer des Seminars „Revolution! Bayerns turbulenter Weg in die Weimarer Republik“ auf Kloster Banz. Am Steuer der Zeitmaschine: Zwei junge Historiker, Martin Platt und Dominik Juhnke. Unter ihrer Leitung nahm ein echtes „Histodrama“ seinen Lauf. Der Seminarleiter Michael Hahn stimmte die Teilnehmer gleich zu Beginn auf eine besondere Veranstaltung ein:
„Anders als Sie es von historischen Seminaren gewohnt sind, erwartet Sie hier keine Geschichtsstunde mit einem arrivierten Professor, sondern ein wilder, interaktiver Ritt durch die Zeiten von Kurt Eisner und der Revolution in München!“
Geschichte wird im Rollenspiel erlebbar: Martin Platt moderiert die historische Telefonkonferenz.
Michael Hahn
Revolutionäre, Monarchen und Zeitungen
Juhnke und Platt starteten daraufhin die Zeitmaschine. Sie skizzierten die Ausgangssituation und die sozialen Umstände des Jahres 1918: Krieg, wachsende Versorgungsunsicherheit, Ruf nach politischen Reformen im Königreich Bayern. Nun waren die Teilnehmer gefragt. Mit Hilfe von übersichtlich gestalteten Infokarten schlüpften sie in die Rollen der damaligen Akteure, Parteien oder Zeitungen, aber auch heutiger Parteien, die die historischen Ereignisse kommentieren sollten. Angeleitet von den beiden Experten, die jederzeit die nötigen historischen Hintergrundinformationen lieferten, diskutierten die Teilnehmer in ihren jeweiligen Rollen den Verlauf der Revolution, spekulierten über ihre Ziele und wägten Methoden und Möglichkeiten für deren Erfolg ab. Das immense Detailwissen und die Moderation von Juhnke und Platt führte dazu, dass selbst in dieser interaktiven Form die Revolution quasi originalgetreu von den Teilnehmern erlebt wurde: Die politischen Parteien lieferten sich hitzige Diskussionen um die Mittel des Umsturzes, die Parteizeitungen entwarfen flammende Schlagzeilen zum Attentat auf Eisner sowie die sich radikalisierende Revolution und König Ludwig III. musste mit seiner Tochter Prinzessin Wiltrud eine atemlose Flucht aus München antreten – inklusive Autopannen und Verkleidungen.
Mit Wählscheibentelefon und Quartettspiel – Geschichte erleben
Ein Höhepunkt des Seminars war die interaktiv gestaltete Telefonkonferenz zwischen verschiedenen zeitgenössischen politischen Akteuren – erneut mit großem Einsatz verkörpert durch die Teilnehmer, die mittels zweier alter Wählscheibentelefone miteinander kommunizierten. Die Reichsregierung, die bayerische Exilregierung in Bamberg und die Revolutionäre in München – sie alle versuchten, ihre Politik in der revolutionären Situation durchzusetzen. Dieser Weg endete bekanntlich mit der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik durch ehemalige Frontsoldaten, angefordert durch die SPD-geführte bayerische Exilregierung und befohlen von der Reichsregierung unter Friedrich Ebert. Die Dramatik dieser Tage im Frühjahr 1919 war auch hundert Jahre später im Seminar greifbar.
Die Ergebnisse wurden durch ein aufwändig gestaltetes historisches Quartettspiel gesichert, bei dem die Teilnehmer Karten mit Persönlichkeiten der Revolution erhielten und einander damit herausfordern konnten. Dabei wurde deutlich, dass die Revolution in Bayern 1918/19 und ihre blutige Niederschlagung bereits die Saat für den späteren Aufstieg der Nationalsozialisten in sich trug.
Neue Ziele für die Zeitreise ab 2023
Die Teilnehmer des Seminars trugen durch ihren Einsatz zum Erfolg dieser ungewöhnlichen Methode der Geschichtsvermittlung bei. Sie waren begeistert über diese Form von „Infotainment“, wie Teilnehmerin Claudia Klingl meint:
"Frischer Wind in altem Gemäuer. Das Seminar bietet einen mitreißend lebendigen Blick in eine turbulente Zeit."
„Weitere Seminare in dieser Form mit Martin Platt und Dominik Juhnke sind bereits für Anfang 2023 in Planung“, versicherte Seminarleiter Michael Hahn auf die Fragen, wann die nächste Veranstaltung in dieser Form stattfinden wird. Deutschlands erste Zeitmaschine wird in Kloster Banz schon bald ihre nächste Reise antreten!
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