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Auszeichnung für unseren Kollegen Thilo Osterburg
Rotes Kreuz: Helfer in der Not

Autorin/Autor: Vlora Ibrahimaj

Tolle Auszeichnung für unseren Kollegen Thilo Osterburg. Der 48-Jährige wurde nun für sein 25-Jähriges Engagement beim Bayerischen Roten Kreuz geehrt. Wir haben mit ihm über die Bedeutung von Erster Hilfe gesprochen und über seine Erlebnisse an Einsatzorten. Außerdem verrät uns der Kaltenberger, warum dieses ehrenamtliche Engagement für ihn eine Berufung ist.

"Fünfmal wurde es ernst und ich musste auch lernen, dass man leider nicht immer helfen kann."

"Fünfmal wurde es ernst und ich musste auch lernen, dass man leider nicht immer helfen kann."

Thilo Osterburg

HSS: Sie sind seit 25 Jahren beim Bayerischen Roten Kreuz und sind für Ihr Engagement soeben ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen diese Ehrung?

Thilo Osterburg, HSS: Diese Ehrung ist eine Form der Wertschätzung, die tatsächlich bei mir ankam - insbesondere deswegen, weil der Bürgermeister Robert Sedlmayr aus meiner Heimatgemeinde Geltendorf extra für diese Ehrung in den Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck gekommen ist. Dies war für mich eine ganz besondere Ehre und hat mich ausgesprochen gefreut.

HSS: Wie sind Sie zum Bayerischen Roten Kreuz gekommen?

Thilo Osterburg, HSS:  Ich war im Internat, wo ich als staatlich geprüfter Kinderpfleger angestellt war. Dort hat mich ein älterer Kollege vom Roten Kreuz inspiriert, der einen Erste-Hilfe-Kurs gegeben hat. Er wurde für mich zu einem Vorbild, weil er humorvoll und freundlich war und die Inhalte sehr gut vermittelt hat. Deshalb wollte ich mehr über Medizin und Erste Hilfe erfahren. In einer Schnelleinsatzgruppe in Türkenfeld bei München habe ich angefangen. Diese Gruppe überbrückt die Zeit zwischen dem Notruf und der Ankunft des Rettungsdienstes mit professioneller Erster Hilfe.

HSS: Wie wurden Sie ausgebildet?

Thilo Osterburg, HSS: Ich habe eine Sanitätsausbildung durchlaufen – sowohl eine praktische, als auch eine theoretische Ausbildung mit einer abschließenden Prüfung. Ich versorge verschiedene Verletzungen, ich erkenne lebensbedrohliche Zustände und handle entsprechend. Natürlich zählt dazu auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung.

HSS: Wie oft haben Sie schon Menschen vor dem Tod gerettet?

Thilo Osterburg, HSS: Wirklich lebensgefährlich wird es selten. Ich bin aber schon viele Jahre dabei. Fünfmal wurde es ernst und ich musste auch lernen, dass man leider nicht immer helfen kann.

HSS: Wie geht Ihr als Rettungskräfte mit solchen Situationen um? Bekommen die Helfer selber Unterstützung?

Thilo Osterburg, HSS: Da kann ich nur einen Kollegen zitieren: „Der liebe Gott lässt sich nicht ins Handwerk pfuschen.“ Das heißt, manches liegt eben nicht in unserer Hand. Das muss man akzeptieren. Im Einsatzgeschehen selbst muss man sich einen gesunden Abstand bewahren. Danach bespricht man sich mit Kollegen und arbeitet das Ganze auf. Wenn das aber nicht ausreicht und einen der Einsatz noch belastet, steht uns eine psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte zur Verfügung.

HSS: Wie läuft ein Einsatz ab?

Thilo Osterburg, HSS: In Katastrophenfällen, wie beispielsweise einem Massenanfall von Verletzten, werden wir alarmiert und übernehmen die strukturierte Versorgung der Patienten. Diese werden entsprechend ihrer Verletzungen in verschiedene Gruppen eingeteilt. Diese Kategorisierungen reichen von lebensbedrohlichen Zuständen bis hin zu Patienten, die noch selber gehen können. Darüber hinaus haben wir noch die Sanitätsabsicherungen, zum Beispiel bei Sportevents oder Konzerten. Wenn dann was passiert, sind wir bereits vor Ort. Kleinere Wehwehchen werden mit Pflaster versorgt. Wenn nötig rufen wir – nach entsprechender differenzierter Einschätzung - den Rettungsdienst.

HSS: Gibt es Momente, an die Sie sich besonders erinnern? 

Thilo Osterburg, HSS: Besonders eingeprägt hat sich mir die Hochwasserlage in Dresden 2006. Hier waren wir mit sehr vielen Einsatzkräften aus Bayern vor Ort. Das hat mich sehr beeindruckt. Der Zusammenhalt und die Solidarität untereinander waren unbeschreiblich. Jeder hilft jedem. Man versteht sich auch ohne Worte. Da wurde mir besonders vor Augen geführt, welche Idee hinter dem Roten Kreuz steht. Ein anderes Highlight war die große internationale Übung in Österreich, bekannt auch als „Taranis“. Viele verschiedene Szenarien wurden dort realitätsnah mit hohem Aufwand inszeniert, also beispielsweise ein verschütteter Reisebus, der Untergang eines Ausflugsdampfers, der Aufbau eines militärischen Hilfskrankenhauses (Feldlazarett) oder der Zusammenstoß eines Reisebusses mit einem Verkehrsflugzeug. Hier habe ich als Sanitäter trainiert. Allerdings habe ich das erst einmal mitgemacht, da der Aufwand für jedes einzelne Szenario groß ist und die Kosten hoch sind. Wir trainieren aber natürlich immer wieder zum Beispiel den Aufbau eines Behandlungsplatzes, bei dem bis zu 50 Patienten pro Stunde versorgt werden können.

HSS: Welche Situationen sind für Sie besonders schlimm während eines Einsatzes?

Thilo Osterburg, HSS: Besonders hart wird es immer dann, wenn man die betroffene Person selber kennt. Das ist mir auch schon passiert. Wir sind allerdings so professionell ausgebildet, dass wir so handeln, wie es die Situation erfordert. Mich hat damals selber überrascht, dass ich ganz kühl bleiben und meine Arbeit ruhig ausführen konnte. Das ist eben auch der Unterschied, zwischen einer Einsatzkraft und einem Helfer.

HSS: Welche Bedeutung hat das Rote Kreuz für Sie persönlich?

Thilo Osterburg, HSS: Für mich ist das Rote Kreuz nicht nur eine Organisation, sondern eine wahre Berufung und ein entscheidender Bestandteil meines Lebens. Es geht immer darum, dass Menschen um einen herum sind, die dasselbe Ziel verfolgen und sich blind verstehen, sobald einem jemand in Rotkreuzkleidung gegenübertritt. Besonders im ehrenamtlichen Bereich weiß man, wie die Person tickt.

HSS: Herr Osterburg, vielen Dank für das Gespräch.

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Auszubildende: Vlora Ibrahimaj
Auszubildende:  Vlora Ibrahimaj
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