GLOBSEC International Security Forum in Prag
Selbstvertrauen gefragt
Eduard Hulicius, stv. Außenminister der Tschechischen Republik und stv. Vorsitzender der Partei KDU-ČSL (Christdemokraten) im Gespräch mit dem HSS-Vorsitzenden und Europaabgeordneten Markus Ferber, MdEP (rechts).
Copyright: Prager Büro der HSS
Zum Thema "Ökonomische Sicherheit und Widerstandsfähigkeit Europas" diskutierte der Europaabgeordnete Markus Ferber, MdEP, (links) mit Marek Mora, stv. Finanzminister der Tschechischen Republik.
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GLOBSEC setzte damit ein aktuelles Thema auf die Tagesordnung, hatte die Europäische Kommission doch zu Beginn des Jahres 2025 ein Papier zur Wirtschaftssicherheit veröffentlicht. Vier Risikobereiche werden darin hervorgehoben: die Unterbrechung von Lieferketten, Angriffe physischer oder digitaler Art auf die kritische Infrastruktur, Anfälligkeiten der technischen Sicherheit und die Nutzbarmachung von wirtschaftlichen Abhängigkeiten als Waffe. Als Antwort auf diese Risiken formuliert die EU-Kommission in ihrer Strategie drei Handlungsschwerpunkte: die Entwicklung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, den Schutz der Wirtschaftssicherheit über politische Maßnahmen und den Ausbau der internationalen Zusammenarbeit mit Ländern, die gleiche Interessen teilen.
Gefragt nach der größten Bedrohung für die Europäische Union, brachte Europaabgeordneter Markus Ferber seine Sicht auf den Punkt: „Wir sind außerstande, Probleme selbständig zu lösen. Und wir gefährden uns oftmals eher selbst, als dass die Gefahr von anderen ausgeht.“ Der Sprecher der Europäischen Volkspartei (EVP) im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlamentes möchte die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union zielstrebig verbessern: „Wir haben das Potential des Gemeinsamen Marktes noch lange nicht gehoben. Wir stehen uns selbst im Weg, indem EU-Mitgliedstaaten Hürden aufbauen anstatt Handelshemmnisse abbauen.“ Überhaupt forderte er von den Europäern mehr Selbstvertrauen aufgrund der Größe des eigenen Marktes, stünden 450 Millionen Europäer doch 340 Millionen Einwohnern der Vereinigten Staaten gegenüber.
Mehr Risikokapital und globale Partner gefragt
Auch im Bereich Forschung und Entwicklung sieht Ferber berechtigen Grund zu Optimismus, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. „Wissenschaftler an europäischen Universitäten und Forschungszentren erzielen hervorragende Ergebnisse“, erläuterte der HSS-Vorsitzende, aber Probleme gebe es bei der Marktreife von Innovationen und deren Produktion in großer Stückzahl. „Es fehlt an Risikokapital, um Ideen den Schub zum realen Produkt zu verleihen“, brachte der langjährige Europaabgeordnete die Herausforderung auf den Punkt, die ihm aus zahlreichen Gesprächen mit der Gründerszene bekannt sei. Ferber möchte Möglichkeiten auf EU-Ebene schaffen, damit die öffentliche Hand solche Finanzierungen bereitstellen bzw. absichern kann.
Mehr wirtschaftliche Sicherheit möchte HSS-Vorsitzender Markus Ferber zudem erreichen, indem die Europäische Union ihre weltweiten Partnerschaften ausbaut. Chancen biete seiner Auffassung nach insbesondere das Handelsabkommen Mercosur mit lateinamerikanischen Ländern. Er sei über die Belange der heimischen, überwiegend kleinstrukturierten Landwirtschaft aus seiner Wahlkreisarbeit aus erster Hand bestens informiert. „Diese Interessen müssen wir berücksichtigen, aber gleichzeitig den Industriebetrieben neue Exportchancen eröffnen“, forderte der Experte für Finanz- und Wirtschaftspolitik. „Gerade in Zeiten, in denen China immer dominanter auftritt und US-Präsident Donald Trump Zölle verhängt, brauchen wir stabile Absatzmärkte für Produkte aus europäischen Fabriken mehr denn je“, umschrieb Ferber die schwierige Lage für exportorientierte Länder in der Weltwirtschaft der Gegenwart.
„Wir sind außerstande, Probleme selbständig zu lösen. Und wir gefährden uns oftmals eher selbst, als dass die Gefahr von anderen ausgeht“, sagte der HSS-Vorsitzende Markus Ferber, MdEP, im Rahmen des internationalen GLOBSEC-Forums in Prag.
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