CLEANTECH für Bayern
Individuelle Photovoltaik-Lösungen - SINN Power GmbH
Für Dr.-Ing. Philipp Sinn bedeutet CleanTech Fortschritt und Nachhaltigkeit, d. h. die Kombination zweier Grundbedingungen unserer Zukunft: „Wir leben in einer Zeit, in der Fortschritt und Nachhaltigkeit unmittelbar miteinander verknüpft sind: Beides bedeutet und erfordert langfristiges, strategisches Denken in allen Lebensbereichen. In diesem Sinne will SINN Power mit seinen Technologien – ob zu Wasser oder auf dem Land – einen Beitrag zur Energiewende leisten.“
SINN Power GmbH
In Bayern gibt es zwar keine Ozeane, aber die schwimmenden Photovoltaikanlagen der SINN Power GmbH können auch hier zum Einsatz kommen. Das in Gauting ansässige Start-up macht es mit seiner Wellenkrafttechnologie möglich, erneuerbare Energie auf dem Wasser zu erzeugen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen insbesondere auch spezielle Photovoltaik-Lösungen wie Agri-PV-Lösungen, PV-Systeme für Förderbandanlagen oder senkrechte Aufdach-PV-Lösungen an. Mehr Infos finden Sie hier.
HSS: Schwimmende Photovoltaikanlagen: Herr Dr. Sinn, wie ist die Idee zu Ihrem Start-up entstanden?
Dr.-Ing. Philipp Sinn: Begonnen hat alles mit der jahrelangen Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Bereich der Wellenkrafttechnologie. Unser Ziel war es, Wellenkraft in Energie umzuwandeln und nutzbar zu machen. 2015 haben wir den ersten Prototypen eines Wellenkraftmoduls in Heraklion (Griechenland) in Betrieb genommen. Diese Technologie haben wir in den Folgejahren in eine schwimmende Plattform integriert, die mit Photovoltaik-Paneelen belegt war. Auf diese Weise wollten wir die Kraft der Wellen und die Kraft der Sonne bündeln, um einen maximalen Ertrag an erneuerbarer Energie auf dem Wasser erzeugen zu können. Die erste Plattform, die auf Basis dieser Arbeit entwickelt wurde, ist die „SOcean“. Hierbei handelt es sich um eine modulare und skalierbare schwimmende Plattform, die mit PV-Paneelen belegt ist und theoretisch zusätzlich mit kleinen Windkraftanlagen und/oder Wellenkraftmodulen bestückt werden kann. Ein einzelnes Modul misst 12 x 12 Meter und ist 6 Meter hoch. Allein die Schwimmkörper sind so groß wie ein Mensch. Diese Größe ist wichtig, wenn man sich vorstellt, wie es bei Sturm im Ozean zugehen kann: Die Plattform muss den Naturgewalten standhalten können.
Weil die Nachfrage nach erneuerbaren Energien deutlich gestiegen ist, haben wir weitere schwimmende reine Photovoltaikplattformen entwickelt, die in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden können: Die „SLagoon“ ist eine etwas kleinere Plattform im Grundmaß und insbesondere für küstennahe Bereiche geeignet. Die „SLake“ hingegen ist für künstliche Binnengewässer entwickelt worden. Dafür interessieren sich beispielsweise Kieswerkbetreiber, die diese Plattform auf ihren Baggerseen einsetzen wollen.
HSS: Warum erneuerbare Energie auf dem Wasser erzeugen?
Dr.-Ing. Philipp Sinn: Land ist knapp und immer mit vielen Restriktionen belegt. Wasser hingegen ist eine noch wenig genutzte Fläche für die Erzeugung von erneuerbaren Energien. Dabei birgt es neben der Verfügbarkeit noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Durch die Reflexion des Wassers und die natürliche Kühlung der PV-Paneele kann bis zu 10 Prozent mehr Leistung erzielt werden.
Die SINN Power GmbH wurde 2014 basierend auf der Dissertation von Dr.-Ing. Philipp Sinn gegründet. Die initiale Idee bestand darin, Wellen in Energie umzuwandeln. Durch die intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit insbesondere in maritimen Umgebungen konnte sich SINN Power schnell als führender Spezialist für schwimmende Erneuerbare-Energie-Plattformen etablieren. Bereits 2015 wurde der erste Prototyp eines Wellenkraftwerkmoduls in Heraklion in Griechenland in Betrieb genommen.
SINN Power GmbH
HSS: Ihre Anlagen eignen sich für Lagunen, Seen und Ozeane. Wo werden sie bereits eingesetzt?
Dr.-Ing. Philipp Sinn: Wir haben unter anderem eine Testanlage für die „SLake“ im Landkreis Starnberg. Und die hochseetaugliche Plattform „SOcean“ wird in Heraklion in Griechenland getestet. Außerdem entwickeln und planen wir konkret ein Projekt mit den Betreibern einer Kläranlage hier in Bayern: Das Ziel ist es, die Schönungsteiche der Kläranlage mit schwimmenden Photovoltaikplattformen auszustatten. Hier befinden wir uns in der Genehmigungsphase. Wann Baubeginn ist, hängt stark von Dauer und Verlauf des Genehmigungsverfahrens ab.
Wir sehen insgesamt ein großes Interesse an schwimmenden Photovoltaikplattformen und bieten im Moment verschiedene Projekte in Deutschland und Europa an.
HSS: Müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Anlage in Betrieb genommen werden kann?
Dr.-Ing. Philipp Sinn: Definitiv ja. Der Bau und die Inbetriebnahme von schwimmenden Photovoltaikanlagen unterliegen klaren Regeln. So dürfen in Deutschland grundsätzlich nur – wenn wir von Binnengewässern sprechen – künstliche Gewässer bebaut werden. Und auch hier dürfen nur 15 Prozent der Wasseroberfläche bedeckt werden. Zusätzlich muss um die Anlage herum ein Abstand von mindestens 40 Metern zum Ufer eingehalten werden. Das schließt viele kleinere Gewässer direkt aus. Zusätzlich kann ein Genehmigungsverfahren sehr lange dauern, da unter Umständen u. a. seitens der Umweltbehörde verschiedene Auflagen erfüllt werden müssen.
Wir haben unsere Anlagen grundsätzlich im Sinne des Natur- und Umweltschutzes entwickelt: Unsere Struktur bedeckt beispielsweise nicht vollständig die Wasseroberfläche, es findet also keine Oberflächenversiegelung statt. Wir setzen auf eine Struktur, die ca. einen halben Meter von der Wasseroberfläche aus Platz lässt, sodass z. B. Wasservögel darunter durchschwimmen und dort auch Schutz vor anderen Tieren finden können. Außerdem haben wir Luft- und Lichtschächte eingeplant, die dafür sorgen sollen, dass sich die Wasserqualität nicht verschlechtert.
HSS: Können Ihre Anlagen auch Bayern mit Strom versorgen?
Dr.-Ing. Philipp Sinn: Selbstverständlich. Viele Kunden können und wollen ihren erzeugten Strom (zum Teil) in das Netz einspeisen und somit ihre Gemeinden mit grüner Energie versorgen.
HSS: Die bayerische Staatsregierung hat vor, die Stromversorgung mit erneuerbaren Energien bis 2030 zu verdoppeln, Photovoltaik sogar zu verdreifachen. Sehen Sie hier eine Chance für Ihre schwimmenden Photovoltaikanlagen?
Dr.-Ing. Philipp Sinn: Definitiv. Land ist mitunter knapp – auch durch strenge Bebauungsrestriktionen. Es ist meines Erachtens langfristig und angesichts der Klimaziele eine Notwendigkeit, das Wasser zu nutzen. Darüber hinaus müssen wir weitere Möglichkeiten finden, wo und wie wir sicher, effektiv und kosteneffizient neue Formen der nachhaltigen Stromerzeugung etablieren können. Unterschiedliche Projekte bedürfen unterschiedlicher Lösungen, sodass wir mittlerweile weit mehr als nur schwimmende Photovoltaikanlagen anbieten. Wir bieten neben klassischen Freiflächenanlagen und Aufdach-Photovoltaikanlagen auch industrielle Sonderbau-Photovoltaik-Lösungen an. Wir versuchen für jedes Projekt und für individuelle Anforderungen die ideale Lösung zu finden – dabei gehen wir manchmal auch über das Konventionelle und Bekannte hinaus. Ein Beispiel ist unsere Förderband-Photovoltaik-Überdachung. Wir haben jüngst knapp 1 Kilometer Förderband eines Kieswerks im Großraum München mit PV-Paneelen überdacht. Dies ist besonders platzsparend und effektiv, um grüne Energie dort zu gewinnen, wo sie gebraucht wird. Mit dieser Technologie haben wir deutschlandweit großes Interesse geweckt und führen Gespräche mit verschiedenen Kieswerkbetreibern.
HSS: Arbeiten Sie bereits an neuen Entwicklungen für die Zukunft?
Dr.-Ing. Philipp Sinn: Wir arbeiten kontinuierlich an neuen Entwicklungen bzw. entwickeln unsere Technologien stets weiter. Ein absolutes Novum, das sich inzwischen bereits im Einsatz befindet, ist beispielsweise eine völlig neuartige Photovoltaik-Technologie im Bereich der Freiflächenanlagen: „SKipp“ – flexible und mobile PV-Module, die nicht im Boden verankert bzw. gepfählt werden müssen. Das ist z. B. für Naturschutz- und Wasserschutzgebiete interessant. Die Module haben ein Pendelgewicht und können bei Starkwind immer wieder in eine senkrechte Ausgangsposition zurückschwingen und somit nicht umkippen.
Vielen Dank für das Interview!
Begriffe
Photovoltaikanlage – Hierbei handelt es sich um eine Anlage, mit der Sonnenlicht in elektrische Energie umgewandelt wird.
Schönungsteiche – Diese dienen der Reinigung (Schönung) von Abwasser aus Kläranlagen und bilden oft auch Feuchtbiotope.
Oberflächenversiegelung – Hierunter versteht man die vollständige Abdeckung einer Oberfläche mit Material.
Binnengewässer – So werden Gewässer bezeichnet, die von Land umgeben und kein Meer oder Teil eines Meeres sind (z. B. Flüsse, Bäche, Seen, Weiher oder Feuchtbiotope).
Feuchtbiotope – Hierbei handelt es sich um Feuchtgebiete, d. h. Gebiete mit hohem Feuchtegehalt, die Lebensraum für bestimmte Pflanzen und Tiere bieten.
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