Abschied voller Hoffnung
Sterben und Tod im Christentum
Jeder Abschied ist einzigartig. Der Glaube antwortet auf diese Realität mit einer Hoffnung, die über das Lebensende hinausreicht.
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Leben und Tod im christlichen Glauben
Nach christlicher Auffassung lebt der Mensch, weil Gott ihm das Leben geschenkt hat. Sein Leben ist nicht wertvoll, weil er etwas geleistet oder für sich oder andere geschaffen hat. Menschliches Dasein ist kostbar deswegen, weil Gott es gewollt und geschaffen hat. Er liebt jeden Menschen in seiner Unverwechselbarkeit. Der Mensch stirbt, weil er ein Geschöpf ist, dessen persönliche Existenz begrenzt ist.
Hoffnung auf ewiges Leben
Im Christentum wird betont, dass das irdische Leben von Menschen zwar endet. Aber es verschwindet nach dem Tod nicht im Irgendwo oder Nichts. Sondern es geht in das ewige Leben ein. In diesem Vertrauen geben Christen ihren Verstorbenen die letzte Ehre und das letzte Geleit bei der Bestattung. Sie vertrauen die Verstorbenen Gott an und stellen die Toten und sich selbst unter Gottes Segen.
Das ist verbunden mit Gefühlen von Unsicherheit, Hilflosigkeit, Trauer und Angst vor der eigenen Endlichkeit. Daneben ist die Hoffnung lebendig, dass der Tod keine endgültige Macht über die Lebenden hat. Im Christentum gilt Jesus Christus, der Sohn Gottes, als der, der gestorben und auferstanden ist. Seine Zusage gilt Toten und Lebenden: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ (Johannes 14,9)
Christliche Rituale des Abschieds
Um den Tod herum gibt es viele christliche Rituale Den Sterbesegen und die Aussegnung sowie die Totenwache am Sterbebett. Wer möchte, kann Verstorbene aufbahren lassen, damit auch andere Menschen Abschied nehmen können. Eine Todesanzeige macht den Verlust eines Menschen bekannt, liebevoll gestaltete Internetseiten wie „Gedenkenswert“ schenken die Möglichkeit, Verstorbene digital immer wieder neu in Wort und Bild zu fassen.
Bestattung und Trauerfeier
Die christliche Bestattung hat einen festen Ablauf, der Raum gibt für die individuelle Einzigartigkeit des Verstorbenen. Biblische Texte, Gebete und Lieder der christlichen Tradition helfen, angemessene Gesten und Worte zu finden, das Leben der Verstorbenen zu würdigen, ihnen die letzte Ehre und das letzte Geleit zu geben. Der Erfahrung von Tod und Verlust wird die Hoffnung auf ewiges Leben entgegengehalten. Nach christlichem Verständnis ist die Beisetzung eines von den „Werken der Barmherzigkeit“.
Ein Gespräch mit einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin gehört dazu, um die Trauerfeier persönlich und würdig zu gestalten. Der Beisetzung geht auch voraus die Suche nach einem Ort für eine Erdbestattung, eine Urnenbeisetzung oder einem anderen geeigneten Platz für die letzte Ruhestätte. Konkrete Orte, an denen man sich zusammenfindet, um Abschied zu nehmen, um nach dem Tod immer wieder hinzugehen, tragen dazu bei, Leid zu bewältigen.
Trauerfeiern, bei denen ein Mensch in der Erde bestattet oder seine Urne ihren Platz bekommt, ist eine Erfahrung von Gemeinschaft über den Tod hinaus. Die christliche Beisetzung und die Trauerfeier machen deutlich, dass Gott den Menschen im Leben und Sterben zugewandt bleibt. Die Verstorbenen sind in der Ewigkeit für immer aufgehoben. Die Trauernden beginnen mit dem Weggang vom Grab erste Schritte in ein anderes, von Gott begleitetes Leben.
Totengedenken und Trauer
Im Christentum kennt man viele Tage und Rituale, um der Toten gemeinsam zu gedenken. Es gibt Gedenkgottesdienste für Einzelne, katholisch Allerseelen am 2. November, evangelisch den Ewigkeits- oder Totensonntag sowie säkular den Volkstrauertag im November. Die Namen der Verstorbenen werden verlesen, es wird ihrer gedacht, man bringt die bleibende Verbindung zum Ausdruck.
Es ist in christlicher Sicht ein humaner Auftrag, beim Sterben zu begleiten, zu bestatten, zu trauern und das Totengedenken zu pflegen. Und die Lebensgeschichte der Verstorbenen realistisch zu betrachten mit allem, was gewesen ist. Es geht darum, der Wahrheit die Ehre zu geben. Das bedeutet, sich über Gutes und Gelungenes zu freuen und sich in Gottes Namen mit dem zu versöhnen, was nicht gelungen ist, versäumt wurde oder was man einander schuldig geblieben ist.
Ein Teil der Lebenskunst ist die Kunst des Sterbens und des Trauerns. Dazu gehören seelsorgliche Begleitung, geistliche Worte der Klage, des Trostes, Bilder für ewiges Leben, auch Gebete. Kerzen anzünden. Trauerkleidung. Wie gut ist es zu wissen, dass wir dies nicht immer neu erfinden müssen, sondern auf die altbewährten Worte der Bibel und der christlichen Tradition zurückkommen können.
Kontakt
Stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung