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Zum 80. Todestag von Anne Frank
Tagebuch gegen das Vergessen

Autorin/Autor: Sophia Maier

Mit nur 15 Jahren schrieb Anne Frank über ihren Wunsch, glücklich zu sein – ein Wunsch, der ihr nie erfüllt wurde. 80 Jahre nach ihrem Tod erinnert uns ihr Tagebuch an die Schrecken des Holocaust.

 

Anne Frank wurde mit ihrem Tagebuch, das sie im Versteck vor der Gestapo führte, weltberühmt. Sie gilt als das bekannteste Opfer des Holocaust und starb mit 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Anne Frank wurde mit ihrem Tagebuch, das sie im Versteck vor der Gestapo führte, weltberühmt. Sie gilt als das bekannteste Opfer des Holocaust und starb mit 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

© Heritage Images/Imago

Die Sehnsucht nach Glück

„Ich bin nicht reich, ich bin nicht hübsch, nicht intelligent, nicht klug – aber ich bin und werde glücklich sein. Ich habe eine glückliche Natur, ich liebe die Menschen, bin nicht misstrauisch und will alle mit mir zusammen glücklich sehen.“ 

Diesen Wunsch, der trotz seiner Größe so simpel und bescheiden wirkt, schrieb die damals 15-jährige Anne Frank am 25. März 1944 in ihr Tagebuch. Ein Jahr nach diesem Eintrag, in dem sie zuversichtlich auf ein glückliches Leben vor sich blickte, starb sie mit nur 15 Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Im Frühjahr 2025 jährt sich Ihr Todestag zum 80. Mal. 

Als Anne Frank am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren wurde, war Deutschland eine junge Demokratie. Die Wirtschaftskrise in diesem Jahr verstärkte die bereits gravierende wirtschaftliche Unsicherheit in Europa, das politische System war instabil, die Gesellschaft tief gespalten und die Menschen unzufrieden mit ihrer Lebenssituation. In dieser Atmosphäre der Verzweiflung fanden radikale Stimmen Gehör. Adolf Hitler und seine Nationalsozialisten nutzten das aus. Sie lieferten einfache Antworten auf komplexe Probleme und kreierten Sündenböcke – allen voran die Juden. Als Hitler Reichskanzler wurde, bekam Anne Franks Familie die wachsende Feindseligkeit immer mehr zu spüren. Antisemitische Gesetze drängten jüdische Bürgerinnen und Bürger aus dem öffentlichen Leben, ihre Rechte wurden eingeschränkt, Geschäfte boykottiert. Die Familie erkannte die Gefahr, die dahinter lauerte. Im Winter 1933/34 verließ Familie Frank Deutschland und zog nach Amsterdam, auf der Suche nach einem besseren Leben. 

Hoffnung, Angst und das tragische Ende

Doch nach einer kurzen glücklichen Zeit in Amsterdam holte der Nationalsozialismus sie auch dort ein, als deutsche Truppen im Mai 1940 die Niederlande besetzten. Auch hier setzten diese ihre Verordnungen gegen Juden um. Zwei Jahre später tauchte die Familie Frank zu ihrem eigenen Schutz unter. Im Hinterhaus seiner Firma hatte Annes Vater einen geheimen Unterschlupf eingerichtet, in dem sie sich von nun an gemeinsam mit vier weiteren Personen versteckten. 

Kurz zuvor, zu ihrem 13. Geburtstag, hatte Anne ihr erstes Tagebuch geschenkt bekommen. Während der gesamten Zeit im Versteck dokumentierte sie nicht nur, was sie erlebt hat, sondern auch was sie fühlte. Ihr Tagebuch offenbart die Gefühlswelt einer Jugendlichen, die sich mit ihren Eltern stritt, sich verlieben wollte und sich ein glückliches Leben gemeinsam mit allen Menschen ausmalte. Doch das Tagebuch ist auch ein Zeitdokument, das die Schrecken des Nazi-Regimes und der Juden-Verfolgung festhielt. Anne und die Bewohner des Hinterhauses lebten in der ständigen Angst entdeckt zu werden, von morgens bis abends lief das Radio mit den Nachrichten über den Krieg. Um sich abzulenken, schrieb Anne Gedichte, Geschichten und eben auch Tagebuch: „Am besten finde ich noch, dass ich das, was ich denke und fühle, zumindest aufschreiben kann, sonst würde ich völlig ersticken.“ (16. März 1944).

Doch am 4. August 1944 schließlich wurde ihr Versteck von Polizisten entdeckt, alle Untergetauchten wurden verhaftet. Exakt 761 Tage hatten sie zu acht auf etwa 50 Quadratmetern im Hinterhaus ausgeharrt. In Viehwaggons wurden sie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Anne wurde bei der „Selektion“ mit ihrer Schwester Margot und ihrer Mutter in das Zwangsarbeitslager für Frauen geschickt. Anfang November 1944 wurden Anne und Margot in das Konzentrationslager Bergen-Belsen transportiert. Hier bekamen beide Schwestern Typhus, an dem sie im Frühjahr 1945, kurz vor Ende des Krieges, starben. Anne Franks genaues Todesdatum ist nicht bekannt, sie starb mit nur 15 Jahren.

Anne Franks Lebensgeschichte wurde im Jahr 2016 verfilmt. Lea van Acken (Bild) spielte in diesem Film die Titelrolle.

Anne Franks Lebensgeschichte wurde im Jahr 2016 verfilmt. Lea van Acken (Bild) spielte in diesem Film die Titelrolle.

© Everett Collection/Imago

Anne Franks Vermächtnis

Annes Vater, Otto Frank, war der einzige der acht Untergetauchten aus dem Hinterhaus, der überlebte. Nach der Befreiung von Auschwitz erfuhr er, dass seine Frau und seine beiden Töchter nicht mehr am Leben sind. Zurück in Amsterdam wandte er sich an eine der Helferinnen, die das Hinterhaus mit Fleisch und Gemüse versorgt hatte. Nach der Verhaftung der Bewohner hat sie persönliche Besitztümer der Untergetauchten aus dem Hinterhaus gerettet. Sie fand Annes Texte auf dem Fußboden und verwahrte sie in ihrem Schreibtisch, in der Hoffnung, sie Anne irgendwann zurückgeben zu können. Als sie von ihrem Tod erfuhr, übergab sie die Texte Annes Vater. Er erfuhr darin, dass seine Tochter gern Schriftstellerin oder Journalistin werden wollte. Wenig später publizierte er die erste Auflage des Tagebuchs, das bald weltberühmt wurde.

Noch heute steht Anne Franks Schicksal symbolisch für die Millionen jüdische Opfer des Holocaust. Ihre Tagebucheinträge erinnern auf über 300 Seiten nicht nur an deren tragische Schicksale, sondern mahnen auch zur Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus und jeglicher Form von Diskriminierung in der heutigen Zeit. Anne Franks Tagebuch bleibt ein zeitloses Zeugnis für die Grausamkeiten des Krieges und die ungebrochene Hoffnung einer jungen Frau glücklich zu werden.

Kontakt

Stipendiatin am Institut für Begabtenförderung der Hanns-Seidel-Stiftung: Sophia Maier
Extern
Stipendiatin am Institut für Begabtenförderung der Hanns-Seidel-Stiftung