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Interview mit Stefan von Kempis
Über Benedikt XVI. bei Radio Vatikan, die Totenmesse und Erzbischof Gänswein

Autorin/Autor: Silke Schmitt

Papst Benedikt XVI. ist verstorben. Wie geht es nun weiter? Die Vorbereitungen für die Totenmesse des kürzlich verstobenen emeritierten Papstes Benedikt XVI. laufen auf Hochtouren. Am kommenden Donnerstag, den 5. Januar, verabschieden sich die Gläubigen im Petersdom in Rom. Die Totenmesse leitet Papst Franziskus. Unsere Repräsentantin in Rom, Silke Schmitt, spricht vor Ort mit Stefan von Kempis, dem Redaktionsleiter der deutschen Abteilung bei Radio Vatikan, über Benedikt.

Im Petersdom: Gläubige verabschieden sich vom verstorbenen Benedikt XVI.

Petersdom: Gläubige verabschieden sich vom verstorbenen Benedikt XVI.

S. Schmitt, ©HSS

HSS: Stefan, Rom bereitet sich auf die Totenmesse am Donnerstag vor. Wer wird erwartet?

Also wir wissen bisher, dass aus Deutschland Bundespräsident Walter Steinmeier kommt und aus Bayern Ministerpräsident Markus Söder. Außerdem haben sich mehrere deutsche Bischöfe angekündigt. Das ist zum einen Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Die beiden deutschen Kardinäle Rainer Woelki von Köln, Reinhard Marx von München. Marx ist ja in diesem Amt als Erzbischof von München und Freising auch Nachfolger von Joseph Ratzinger, der fünf Jahre in München Erzbischof war. Und soweit ich weiß, kommen auch Bischof Oster von Passau und Bischof Voderholzer von Regensburg.

HSS: Und internationale Gäste?

International ist das Bild schwer überschaubar, denn es wurden nur offiziell eingeladen die Länder Italien und Deutschland. Und welche Hochkaräter jetzt aus dem internationalen Bereich kommen, weiß man noch gar nicht so genau. Ich habe gehört, der polnische Präsident Andrzej Duda komme, und zwar privat, so wie das belgische Königspaar. Die Liste wird sicher noch länger.

HSS: Es handelt sich ja um einen liturgischen Präzedenzfall. Man weiß, das Protokoll wird gerade erst geschrieben für diese Totenmesse. Ändert sich dadurch etwas in deinen Arbeitsprozessen oder ist es eigentlich der gleiche Ablauf wie bei einem amtierenden Papst?

Wir haben hier den direkten Vergleich mit 2005, als Johannes Paul II. starb. Das war der zuletzt verstorbene Papst. Und natürlich ist das jetzt ganz anders. Der Papa emeritus stirbt nicht in seinem Bett im Apostolischen Palast, sondern in einem früheren Kloster in den Vatikanischen Gärten. Und das Protokoll muss sich noch vollständig zusammenfügen.

Benedikt ist früherer Diözesanbischof von Rom. Es gibt Riten für die Diözesanbischöfe, auch für emeritierte Diözesanbischöfe. Und er ist früherer Papst. Auch dafür gibt es Riten. Und jetzt versucht man, den Mittelweg zu finden, ohne ihn zu sehr herauszuheben. Das wollte Benedikt selber nicht. Er wollte eine bescheidene Beerdigung und ohne Herabwürdigung, nur weil er vor knapp zehn Jahren zurückgetreten ist. 

 

HSS: Erzbischof Georg Gänswein hat den Papst in den letzten 20 Jahren treu begleitet. Was passiert jetzt eigentlich mit Gänswein? Was können wir erwarten? Wird er zurück nach Deutschland gehen? Wird er hierbleiben? Wird er wieder Präfekt des Päpstlichen Hauses werden?

Lächelnder Erzbischof Georg Gänswein frontal und zwei Gläubige

Erzbischof Georg Gänswein im Gespräch mit Gläubigen.

S. Schmitt, ©HSS

Er ist ja als Präfekt des Päpstlichen Hauses nur beurlaubt worden von Papst Franziskus. Und er steht im Päpstlichen Jahrbuch, im Annuario, weiterhin mit diesem Amt. Ich gehe also am ehesten davon aus, wenn das Erzbischof Gänswein selber recht ist, dass er wieder in Amt und Würden als Präfekt des Päpstlichen Hauses hier im Vatikan amtieren wird. Daneben ist noch eine Reihe anderer Varianten spekulativ im Gespräch. Die kann ich nicht bewerten.

Per se ist Georg Gänswein, sobald er sich nicht mehr um den emeritierten Papst zu kümmern hat, das war der Grund für die Beurlaubung gewesen, wieder in Amt und Würden als Präfekt. Das heißt, er organisiert wichtige Audienzen und Begegnungen des Papstes mit Gästen und Besuchern. Das ist ein ausfüllender Job, den der polyglotte Gänswein auch sehr gut geleistet hat.

HSS: Nun wird ja vor allen Dingen in den deutschen Medien immer so eine Kluft heraufbeschworen zwischen Papst Franziskus und Papst Benedikt. So ist jetzt schon teilweise die Sprache in den Medien davon, der Streit um das Erbe habe begonnen. Wie siehst du das? Wie schätzt du das ein?

Also, je nachdem, mit wem man redet, sagt einem der eine, zwischen die beiden passte kein Blatt Papier, und der andere sagt, ganz großer Abgrund, ganz großer Unterschied. Mein Eindruck persönlich ist: Die beiden sind sind zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten, bei Benedikt muss man jetzt sagen gewesen. Beide haben doch große Berührungspunkte in der Theologie und in ihrem Denken, aber eine sehr unterschiedliche Art gehabt, was Benedikt betrifft. Also, das ist nicht einfach so oder so, sondern das waren zwei sehr differenzierte Persönlichkeiten, die aber fest entschlossen waren, gut miteinander auszukommen.

HSS: Du hast den Papst begleitet, den Papst auch oft interviewt, du hast Bücher über Papst Benedikt geschrieben. Was ist denn so dein persönliches Highlight gewesen?

Bestuhlung vor dem Petersdom auf dem Petersplatz

Petersplatz: Die Vorbereitungen für die Trauerfeier laufen.

S. Schmitt, ©HSS

Das ist jetzt eine ganz blöde Erinnerung. Aber als Kardinal kam er sehr oft zu uns in die Redaktion Radio Vatikan, um Aufzeichnungen zu machen, große Reden, große Vorträge, die auf CD kommen sollten. Und meine Aufgabe als kleines Rädchen bei Radio Vatikan bestand darin, ihm stundenlang im Studio gegenüberzusitzen, und die Seiten umzublättern, damit das am Mikro keinen Krach macht. Er saß da und redete große Theologie.

Es war spannend, ihm zuzuhören. Immer kurz vor Ende der Seite klappte er mit den Augen und ich nahm dann das Papier aus seiner Hand und ließ es geräuschlos auf einen Stapel mit anderen Papieren fallen, so dass er binnen 40 Minuten eine Aufnahme, die für 40 Minuten gedacht war, auch durchbekam. Oder anderthalb Stunden wurden in genau anderthalb Stunden aufgezeichnet.

Es gab keine Pausen, keine Nebengeräusche, kein Moment, wo er neu ansetzen musste. Und diese langen Momente, die ich mit ihm im Studio gesessen habe und einfach nur zuhören konnte, denke ich, im Rückblick: Das war schon ein Privileg.

HSS: Vielen herzlichen Dank für das Interview.

 

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