Münchner Sicherheitskonferenz 2025
Unterschätzte Gamechanger
Swjatlana Zichanouskaja, Oppositionsführerin in Belarus, spricht im Rahmen des Women's Breakfast der Münchner Sicherheitskonferenz.
© snapshot/Imago
Die entscheidende Rolle von Frauen in Sicherheit und Verteidigung
Warum Frauen in der Sicherheitspolitik wirklich ein Gamechanger sind, können sich viele noch gar nicht richtig vorstellen. Doch gerade in modernen Bedrohungsszenarien stellen sie nachweislich einen strategischen Vorteil dar. Während traditionelle Konflikte von militärischen Auseinandersetzungen geprägt sind, verschieben sich die Bedrohungsszenarien zunehmend hin zu hybriden Gefahren wie Desinformationskampagnen, Cyberangriffen und der gezielten Destabilisierung sozialer Strukturen. In diesem Kontext wird oft übersehen, dass Frauen eine Schlüsselrolle bei der Stärkung gesellschaftlicher Resilienz spielen.
Eine Plattform, die sich genau mit diesen Herausforderungen befasst, ist das jährlich im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz stattfindende Women's Breakfast, das von der Hanns-Seidel-Stiftung und der Bayerischen Staatskanzlei organisiert wird. Hier kommen hochrangige internationale Entscheidungsträgerinnen, Expertinnen und Politikerinnen, Mitglieder nationaler Parlamente und Regierungen sowie internationaler Institutionen zusammen, um über aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen zu diskutieren. Diese Veranstaltung hebt die entscheidende Rolle von Frauen in sicherheitsrelevanten Fragen hervor – insbesondere in Zeiten hybrider Bedrohungen.
Frauen als Schlüssel zu besseren Entscheidungen und nachhaltigem Frieden
Frauen bringen neue Perspektiven, Erfahrungen und Lösungsansätze ein. Studien zeigen, dass diverse Teams fundiertere Entscheidungen treffen. In Krisenregionen, in denen Frauen oft besonders betroffen sind, können weibliche Sicherheits- und Verteidigungsexpertinnen gezielt auf die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung eingehen und nachhaltige Lösungen entwickeln. Konflikte sind komplex, und es braucht ein breites Spektrum an Sichtweisen, um tragfähige Friedenslösungen zu finden. Zudem erhöht die Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen die Wahrscheinlichkeit langfristiger Stabilität. Der UN-Sicherheitsrat erkannte dies bereits im Jahr 2000 mit der Resolution 1325 zur „Frauen, Frieden und Sicherheit“-Agenda an. Untersuchungen belegen, dass Friedensabkommen, an deren Verhandlungen Frauen beteiligt waren, eine höhere Erfolgsquote haben. Darüber hinaus sind Frauen in vielen Gesellschaften stärker in sozialen Netzwerken, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Strukturen verankert. Diese Netzwerke sind essenziell, um Desinformation zu erkennen, Vertrauen in staatliche Institutionen zu fördern und gesellschaftliche Kohärenz in Krisenzeiten zu wahren.
Zudem zeigen Studien aus der Friedens- und Konfliktforschung, dass Frauen durch ihre gesellschaftliche Rolle oft früher subtile Veränderungen im sozialen Gefüge wahrnehmen – beispielsweise die Radikalisierung von Gemeinschaften oder den schleichenden Einfluss extremistischer Narrative. Diese Fähigkeit zur Früherkennung macht sie zu wertvollen Akteurinnen in der Prävention und Bekämpfung hybrider Bedrohungen. Gleichzeitig sind in Zeiten von KI-gesteuerten Sicherheitsstrategien diverse Perspektiven gefragt, um einseitige Risikowahrnehmungen zu vermeiden. Frauen bringen oft andere Entscheidungslogiken ein, wodurch blinde Flecken in der Sicherheitsanalyse reduziert werden können. Diese kognitive Vielfalt ist essenziell, um algorithmische Risiken und die Manipulation von Informationen effektiv zu begegnen. In einer Zeit geopolitischer Spannungen ist es entscheidend, dass Frauen verstärkt in diplomatische Prozesse eingebunden werden, um friedliche und multilaterale Lösungswege zu fördern.
Fazit: Frauen als unverzichtbarer Teil der Sicherheitspolitik
Frauen sind in der Sicherheitspolitik nicht nur eine Bereicherung, sondern eine Notwendigkeit. Ihre Perspektiven und Kompetenzen tragen dazu bei, Konflikte effektiver zu lösen, Frieden langfristig zu sichern und gesellschaftliche Resilienz zu stärken. Eine sicherheits- und verteidigungspolitische Agenda, die Frauen gleichberechtigt einbezieht, stärkt zudem Menschenrechte und demokratische Prinzipien. Gesellschaften, in denen Frauen in politischen und militärischen Führungsrollen vertreten sind, sind tendenziell stabiler und weniger anfällig für Gewaltkonflikte. In einer geopolitischen Ordnung, die von neuen Herausforderungen wie dem Aufstieg autokratischer Regime, wirtschaftlicher Unsicherheit und militärischer Eskalation geprägt ist, ist es umso wichtiger, Frauen in Entscheidungsprozesse stärker einzubinden und die Rahmenbedingungen für ihre gleichberechtigte Teilhabe weiter zu verbessern.
Die HSS-Mitglieder Kerstin Schreyer, MdL, und Barbara Becker, MdL, schildern ihre Eindrücke vom Women's Breakfast der MSC 2025
Copyright: HSS
Kontakt
Stv. Referatsleitung