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Liebe und Ehe
Was ist die Beste aller Ehen?

Liebe wird von Menschen auf der ganzen Welt mit unterschiedlichen Werten und Grundsätzen definiert. Im Seminar „Liebe und Ehe im interkulturellen Vergleich – Deutschland und Indien im Fokus“ hatten unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten die Möglichkeit, sich über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten auszutauschen.

Die Romantische Liebe ist noch relativ jung. Erst um 1800 entwickelten männliche Intellektuelle das Ideal der Liebesheirat.

Die Romantische Liebe ist noch relativ jung. Erst um 1800 entwickelten männliche Intellektuelle das Ideal der Liebesheirat.

Eik Handschug; HSS

Kulturelle Konzepte von Liebe und Ehe auf dem Prüfstand

Was bedeutet Liebe? Wie sieht Liebe aus? Bereits zu Beginn wird deutlich, dass die Teilnehmer unterschiedliche Sichtweisen auf den Begriff „Liebe“ haben. Und das liegt nicht nur an den unterschiedlichen kulturellen Hintergründen der Stipendiatinnen und Stipendiaten. Sondern es wird klar, dass die Bedeutung des Wortes „Liebe“ für jeden anders ist. So viel sei hier schon verraten: Für einige wird sich die eigene Sichtweise im Laufe des Wochenendes verändern.

Schnell sorgt der erste Themenblock für einen „Themenschock“.

Denn im Gegensatz zur üblichen Vorstellung ist die romantische Liebe kein naturgegebenes Geschenk, das dem Menschen ewiges Glück verspricht. Sie ist vielmehr ein in den  vergangenen Jahrhunderten entwickeltes ideelles Konstrukt, das vor allem durch das aufstrebende Bürgertum geprägt und politisch instrumentalisiert wurde.

Erst in der Zeit der Romantik, also um 1800, entwickelten männliche Intellektuelle jenes Ideal der Liebesheirat, wie wir es heute kennen. Dem im Werden begriffenen, „menschenhungrigen“ Staat (zum Beispiel Preußen) kam dieses Ideal im Sinne einer aktiven Bevölkerungspolitik ganz gelegen, wollte man doch „das Geschäft der Zeugung“ durch „Neigungsehen“ anregen. – Das waren noch echte Romantiker.

Nachdem sich die romantische Vorstellung von Liebe zunehmend ihren Weg gebahnt hatte, folgte Ende des 20. Jahrhunderts der nächste – diskursive (in einem regelhaften Verfahren erörtert) – Sprung. In einer gleichsam „anarchistischen“ Bewegung folgte man ganz dem Motto: „Die einzige Regel – es gibt keine Regeln“. Die monogame Liebesbeziehung wurde einigen zu eng und das radikal autonome Konzept der Polyamorie geboren.

Während sich „die Anarchisten“ auf die Schulter klopften, wurde in der arabischen Welt „Polygamie“ bzw. „Polygynie“ (die Ehe eines Mannes mit mehreren Frauen) bereits seit mehreren hundert Jahren praktiziert. Ursprünglich unter anderem als Instrument zur Armutsbekämpfung von Witwen und Waisen gedacht, entwickelt sich die Vielehe in der heutigen Zeit eher zum Statussymbol. Denn viele Frauen (und Kinder) muss Man(n) sich erstmal leisten können.

Von Indien bis Deutschland – was ist die Beste aller Ehen?

Nach Vorstellung der verschiedenen Liebes- und Ehekonzepte durch die Stipendiatinnen und Stipendiaten ging es zum Kernthema des Wochenendes: Indien. Auch wenn sich in „Bollywood“-Filmen der Ausbruch aus der Tradition der arrangierten Ehe bereits als romantische Rebellion zeigt, untermalt mit einer entsprechend dramatischen Musik, sieht die gelebte Realität für viele Inderinnen und Inder anders aus. Über 90 Prozent der Ehen in Indien werden auch heute noch unter Mitwirkung der Familie arrangiert. Ehen außerhalb der eigenen Kaste oder Religion bleiben dabei die absolute Ausnahme.

Wenn man erstmal die zahlreichen Formen von Liebe und Ehe kennt, die auf dieser Welt gelebt werden, ist es zu einer intensiven und unterhaltsamen Diskussion nicht mehr weit. Ob hedonistisch (nach Sinnesgenuss strebend), moderat oder doch eher konservativ – Hauptsache glücklich und einvernehmlich.

Fazit

Eines wird an diesem Wochenende deutlich: Liebe ist vielfältig, sollte aber nie verletzen, Liebe bedeutet auch Verantwortung und – Liebe sollte immer ehrlich, freiwillig und einvernehmlich sein. Dabei ist eines wichtig: Kommunikation.
 

Autor: Eik Handschug

 

Über das Seminar

Das zweitägige Seminar zum Thema „Liebe und Ehe im interkulturellen Vergleich – Deutschland und Indien im Fokus“ fand vom 21. bis 23. Juni 2024 im Bildungszentrum Holzhausen am Ammersee statt und bot Stipendiatinnen und Stipendiaten die Möglichkeit, sich über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Bezug auf Liebe und Ehe auszutauschen. Ein besonderer Akzent lag dabei auf dem Land Indien, dessen vielfältige Traditionen und Praktiken in diesem Bereich intensiv beleuchtet wurden. Die Seminarleitung hatte Frau Dr. Dagmar Wahl inne, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Systemische Beraterin und Altstipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung.

Kontakt

Leiter: Dr. Said AlDailami
Internationale Studierende und Promovierende
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