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Gedanken zum Jahreswechsel
Was wirklich zählt

Autorin/Autor: Susanne Breit-Keßler

Das alte Jahr geht vorüber. Das neue steht vor der Tür. Die Tage „zwischen den Jahren“ regen zum Nachdenken an, findet unsere stv. HSS-Vorsitzende Susanne Breit-Keßler.

Manche räumen auf, um die vergangenen zwölf Monate äußerlich und manchmal innerlich, soweit wie möglich, in Ordnung zu bringen. Was ist gewesen an Schönem und Erfreulichem? Wofür bin ich dankbar? Da gibt es sicher Vieles: Freundschaft, Liebe, Gesundheit oder Genesung, überhaupt alle Schritte, die einen vorangebracht haben. 

Was war noch? Streit, Konflikte, die nicht gelöst wurden. Nicht jede Missstimmung verzischt im Feuerwerk. Trauer und Leid schon gar nicht. Krankheiten sind ausgebrochen, die besorgt auf die nächsten Monate schauen lassen. Menschen sind von uns gegangen. Wer einen seiner Lieben verloren hat, ist sensibel in der Zeit, in der das eine Jahr mit seinen Tränen vergeht und ein neues beginnt, ohne dass das Weh im Herzen gewichen wäre. 

Gut, wenn man sich Zeit nimmt, um sich vom vergehenden Jahr zu verabschieden. Manches kann man getrost zurück und hinter sich lassen. Anderes wird man mit hineinnehmen in die kommende Zeit. Bitte nicht von denen bedrängen lassen, die meinen, man müsste endlich mal etwas abschließen können mit Kummer, der einen plagt! Leben ist bestimmt von unseren Gedanken und Gefühlen. Und die brauchen eben Zeit! 

Wenn man über das vergangene Jahr nachdenkt, spürt man, wie vergänglich, manchmal vergeblich Leben ist. Ganz banal: Die Zahl der Möglichkeiten, die einem offenstehen, nimmt mit der Zeit ab. Vieles ist nicht mehr machbar, was früher noch denkbar schien. Nichts lässt sich wirklich rückgängig machen. Sehnsucht nach Verlässlichkeit aber bleibt. Je ungewisser das Leben ist, desto mehr verlangt es einen nach Sicherheit, nach Orientierung und Wahrheit.

Schneebedeckte Bäume werden durch die Sonne angestrahlt und werfen lange Schatten

Stimmungsvolles Zusammenspiel von Licht und Schatten

Artem; Adobe Stock

Zwischen Feuerwerk und Besinnung

Das ist verständlich und vernünftig. Wo sich vieles ändert, braucht man zum Beispiel heilige Orte und heilige Zeiten. Orte wie Kirchen, an denen man zur Ruhe kommen, an denen man mit Leib und Seele feiern, fröhlich sein und genau so auch trauern, weinen und klagen kann. Es braucht Zeiten für Besinnung, Zeiten, in denen man Gedanken und Gefühle wahrnehmen, Träume und Visionen für die Zukunft aufsteigen lassen kann. 

Das alles hat nicht viel zu tun mit den Events, die an Silvester über die Bühne gehen. Klar: Wenn schon alles zerrinnt, dann möchte man sich wenigstens für einige Stunden Genuss gönnen. Das Leben feiern! Und dabei wissen: Der Hunger und Durst nach erfülltem Leben reicht tiefer als bis auf den Boden des Sektglases und weiter als bis zu den Resten teurer Menüs oder preiswerterer Speisen.

Das „Brot des Lebens“ und die „Ströme lebendigen Wassers“, von denen die Bibel schreibt, sind nicht als Glitzer-Party zu buchen. Sinn für den Geschmack des ganzen Lebens zu bekommen, die Kraft, mit vitaler Energie das eigene Leben zu gestalten und mitzuhelfen, dass die Existenz anderer menschenwürdiger wird – das sind die eigentlichen „guten Vorsätze“. Man sichtet, was man versäumt hat – mit der Absicht, besser zu leben. 

Das Feuerwerk vertreibt alte böse Geister, schießt Freude über das neue Jahr in den Himmel. Viele Menschen fragen, was echte Lebensqualität ist. Wer auf dem Balkon Sonnenräder beobachtet, die nach Sekunden verglühen; wer beim Orgelkonzert andächtig wird; wer nach der rauschenden Party in den frühen Morgenstunden Gläser und Aschenbecher spült, der spürt die Frage: Was bleibt und wonach wird die Zeit gezählt? Was zählt am Ende? 

Vieles, das man sich vorgenommen hat, ist in diesem Jahr nicht gelungen. Man kann schon wehmütig werden, wenn man immer wieder in alte Verhaltensmuster verfällt. Misserfolge im Beruf, Ärger mit den Kindern, Scheitern von Beziehungen, Verlust von geliebten Menschen – das bleibt auch denen nicht erspart, die im Glauben verankert sind. Auch sie können nur das, was sie erlebt haben und erleben werden, in Gottes Hände legen. 

Andere bemühen am Jahreswechsel Astrologen und Horoskope. Man gießt Blei – zum Spaß, aber auch ein bisschen mit dem Gefühl: Wenn ich weiß oder erahne, was kommt, kann ich mich darauf einstellen und Problemen vorbeugen. Aber letztlich kriegt man mit alledem, mit Voraussagen für das Liebesleben des Sternzeichens Fisch oder gesundheitlichen Warnungen an den Löwen, mit kleinen Bleifiguren gar nichts an und in die Hand.

Nehmen wir lieber einen Menschen in den Arm, persönlich, durch ein paar Zeilen, durch einen Anruf – um mit ihm, mit ihr das Jahr liebevoll abzuschließen und das neue hoffnungsvoll zu beginnen. Mit denen, die uns anvertraut sind, die uns trauen und auf die wir selber bauen, können wir ein Herz und eine Seele, ein Ganzes sein. Dazu der Dritte im Bunde und sein Segen: Gott segnet und behütet uns, er lässt sein Angesicht leuchten über uns und ist uns gnädig. Er erhebt sein Angesicht auf uns und gibt uns seinen Frieden. Darauf darf man setzen, jeden Tag aufs Neue. 

Kontakt

Stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung: Susanne Breit-Keßler
Vorstand
Stellvertretende Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung