Wassermanagement in Südasien und Europa
Wasser kennt keine Grenzen
In Brüssel diskutierten südasiatische Experten für Wassermanagement mit europäischen Fachleuten
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Insofern wurde die Sicherung der Wasserversorgung auf regionaler und globaler Ebene in den vergangenen Jahren zu einer Priorität der internationalen Entwicklungs- und Sicherheitspolitik. Da das Wasser von Flüssen und Seen nicht an Staatsgrenzen Halt macht, erfordert ein effizientes und nachhaltiges Wassermanagement regionale Kooperation und birgt auch Konfliktpotenzial. Das Europäische Jahr für Entwicklung 2015 bietet einen Rahmen, um die Strategien der EU mit denen anderer Regionen zu verknüpfen, etwa mit Südasien. Dort hat die regionale Wasserkooperation ebenfalls eine große Bedeutung.
Die Hanns-Seidel-Stiftung unterstützt Politikdialoge in dieser Region zu nichttraditionellen Sicherheitsherausforderungen – Wasser ist eine solche.
Daher lud die Hanns-Seidel-Stiftung Wasserexperten aus Indien, Nepal und Bangladesch vom 9. bis 13. März 2015 nach Brüssel und München ein.
Diskussion der europäischen und asiatischen Experten über die Bedeutung von Wasser
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Wasser und Klimawandel
In Brüssel fand ein inspirierender Austausch mit Experten für Wasserdiplomatie und Beauftragten für Südasien aus EU-Institutionen und europäischen Think Tanks statt. Bei einem Runden Tisch diskutierten die südasiatischen Gäste mit europäischen Fachleuten Strategien, Maßnahmen und Herausforderungen.
Nach Aussage der indischen Sprecher habe die indische Regierung den Dialog und die Kooperation in Bezug auf Wasser und Klimawandel zu einer ihrer Prioritäten gemacht, wie es die Clean Ganga-Kampagne zeige. Aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels werde die regionale Kooperation in Südasien bei den Ressourcen Nahrung, Energie und Wasser verstärkt werden müssen.
Zudem sei Bildung ein wichtiger Faktor, da sie die Bevölkerung und Entscheidungsträger in die Lage versetze, globale Herausforderungen zu begreifen und sich infolgedessen ökologisch nachhaltig zu verhalten. Die EU-Vertreter erläuterten internationale Strategien und Verträge der Wasserdiplomatie in Europa, wie die Donau-Strategie von 2011 – oder in Kooperation mit Drittstaaten, wie die UN-Konvention zu grenzübergreifendem Wasser von 1997.
Mitarbeiter des Umweltministeriums und des Wasserwirtschaftsamtes München erlätern die Renaturierung der Isar
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Behutsamer Umgang mit der Ressource Wasser
Um sich einen Überblick über Best Practices auf den Gebieten der Wasserversorgung, -reinigung und -kraft zu verschaffen, reiste die Delegation nach Bayern. Von den Fortschritten, die der Freistaat in diesen Bereichen in den vergangenen Jahrzehnten erzielt hat, konnte sich die Delegation im Austausch mit dem Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz überzeugen.
Dabei traten auch die unterschiedlichen Voraussetzungen zwischen Bayern und Südasien zu Tage: Hierzulande wurden bereits vor 130 Jahren durch einen behutsamen Umgang mit dem Rohstoff die Weichen für eine nachhaltige Wassernutzung gestellt.
In Nepal und Indien befindet sich das Bewusstsein für Umwelt in der Bevölkerung noch in der Entwicklung – umso größer ist dafür die Bereitschaft der Politik, den globalen Paradigmenwechsel zu Wasser- und Umweltschutz und regenerativen Energien zu unterstützen. Während Bayern auf zahlreiche Bergquellen zurückgreifen kann, sind in Bangladesch und Indien viele Wasservorkommen so hoch belastet, dass eine Förderung nur mit aufwändiger und kostenintensiver Aufbereitung möglich ist. Besondere Symbolkraft hat der renaturierte Isarverlauf in München. Mitarbeiter des Umweltministeriums und des Wasserwirtschaftsamtes München erklärten Entstehung und Ablauf der Renaturierung, die heute als Vorbild gilt.
Die internationalen Fachleute interessierten sich für Schaltanlage eines bayerischen Wasserklärwerks
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Möglichkeiten der Wiederaufbereitung
Des Weiteren informierten sich die Delegierten über moderne und wirtschaftliche Methoden der Wasseraufbereitung wie die Ringkanalisationsanlage des Abwasserzweckverbands des Tegernsees. Dieser See befand sich 1955 in einem Zustand, der heute vielen Seen in Südasien gleicht.
Auf großes Interesse stießen das Pumpspeicherwerk Leitzach, das durch die Energiewende eine neue Bedeutung erhalten hat, und die Wasserversorgung für die Stadt München.
Zum Abschluss ihres Besuches tauschten sich Sarfaraz Wahed und Uttam Sinha bei einer Konferenz in der Hanns-Seidel-Stiftung mit Experten aus Deutschland über die Wassersituation in ihren Ländern und Verbesserungsmöglichkeiten aus. Die Delegationsreise zeigte deutlich, dass sich Südasien aktuell viel stärker darum bemühe, die Diskrepanz zwischen dem Wert des lebensnotwendigen Kulturgutes Wasser und seinem gegenwärtigen Zustand zu überwinden.