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Symbol der Versöhnung
Weihnachten in Jerusalem

Autorin/Autor: Dr. Steffen Kudella

Hoffnung auf Frieden – für Menschen lebenswichtig in Zeiten von Krieg. Denn ohne Hoffnung sind Kriege unerträglich. Auch inmitten des anhaltenden Israel-Hamas-Kriegs brauchen Menschen Zeichen der Hoffnung auf Frieden.

Weihnachtliche Straßenszene in Jerusalem

Weihnachtliche Straßenszene in Jerusalem

svarshik; HSS; AdobeStock

Im vergangenen Jahr haben sich die Kirchen Jerusalems mit den Opfern des damals neu ausgebrochenen Kriegs solidarisch erklärt: indem sie auf öffentliche Weihnachtsdekoration und -festlichkeiten verzichtet haben. Dies wurde weltweit als „Absage von Weihnachten“ im Heiligen Land kritisiert. 

Rückblickend stellen die Jerusalemer Kirchen in ihrer diesjährigen Erklärung zum Advent fest: 

„Unser einzigartiges Zeugnis der Weihnachtsbotschaft vom Licht, das aus der Dunkelheit hervorgeht (Johannes 1,9), wurde nicht nur auf der ganzen Welt, sondern auch unter unserem eigenen Volk geschwächt.“ 

Daher rufen sie dieses Jahr sowohl zur öffentlichen Freude über Weihnachten als Zeichen der Hoffnung auf als auch dazu, dies so zu tun, dass dem Leid von Millionen Menschen in der Region gedacht wird. Dieses Weihnachtsfest in Jerusalem soll geprägt sein von Besinnung, Verbundenheit und Widerstandskraft.

Weihnachten und Jerusalem

Die alte Stadt zwischen Mittelmeer und Totem Meer beherbergt bedeutende heilige Orte des Judentums, Islams und Christentums. Gemäß christlichem Glauben ist sie insbesondere der Ort des Leidens, der Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Jerusalem liegt nur wenige Kilometer entfernt von Bethlehem, dem Geburtsort Jesu. „Friede auf Erden“ (Lukas 2, 14) verkünden die Engel den Hirten an Heiligabend. Bis heute erinnern die Hirtenfelder in Bait Sahur, östlich von Bethlehem, daran. Auch als Jesus kurz vor seinem Tod am Kreuz auf Golgatha in Jerusalem einzieht, loben die Jünger Gott und den „Friede im Himmel“ (Lukas 19, 38). Das antike Golgatha befindet sich der christlichen Tradition zufolge in der heutigen Grabeskirche in der Jerusalemer Altstadt. Kein anderer Ort ist dem Wirken Jesu und der Weihnachtsgeschichte so nahe. Zugleich ist kaum ein anderer Ort dem Weihnachtsfrieden so fern. 

Jerusalem und Friede

Jerusalem bildet das politische Zentrum des Nahostkonflikts. Der Nahostkonflikt ist einer der komplexesten Konflikte von weltweiter Bedeutung. Der Status Jerusalems gilt als ungelöstes Schlüsselthema davon: Israelis und Palästinenserinnen und Palästinenser beanspruchen Jerusalem gleichermaßen als ihre Hauptstadt; Israel hat das arabisch geprägte Ostjerusalem 1980 annektiert. Die geteilte Stadt mit ihren zahlreichen Chancen und Herausforderungen spiegelt die Vielschichtigkeit des gesamten Konflikts wider. Sie ist deshalb auch von herausragender symbolischer Bedeutung für Frieden in der Region. Daher arbeitet die Hanns-Seidel-Stiftung in Jerusalem zusammen mit Israelis und Palästinenserinnen und Palästinensern. Ihre Arbeit konzentriert sich auf friedliche Koexistenz, politisches Verständnis und nachhaltige Entwicklung. Die aktuelle politische Entwicklung im Nahen Osten hat solche Friedensarbeit bedeutsamer und dringlicher gemacht denn je.

Friede und Weihnachten

Die besagte christliche Verheißung „Friede auf Erden“ gilt allen Menschen zu allen Zeiten. Sie gilt für jede und jeden, gleich welcher Religion, Ethnie oder Nationalität, und sie gilt auch in Kriegen, Krisen und Konflikten. Gemäß dem christlichen Glauben ist sie der Wunsch Gottes für die Menschen. Das wehrlose Christkind in der Krippe soll als Zeichen dafür dienen. Christen in Jerusalem solidarisieren sich dieses Jahr im Angesicht des Krieges mit allen Leidtragenden – und sie setzen zugleich Hoffnungslichter in dunklen Zeiten. 

Wie die Engel den Hirten bei finsterer Nacht die frohe Botschaft von Weihnachten überbringen, leuchtet das Licht der Friedenshoffnung auch heute in Jerusalem, im Nahen Osten und weltweit: 

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lukas 2, 14).

Zum Autor: Dr. Steffen Kudella hat Theologie und Philosophie studiert und lebt und arbeitet mit Jüdinnen und Juden, Musliminnen und Muslimen und Christinnen und Christen in Jerusalem.

Kontakt

Projektleitung: Dr. Steffen Kudella
Israel/Palästinensische Gebiete
Projektleitung