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Klimawandel und Wasser
Weinbau im Wandel

Autorin/Autor: Silke Franke

Kaum ein anderer Wirtschaftszweig ist so abhängig von Klima und Wetter wie die Landwirtschaft. Ändern sich diese Rahmenbedingungen, müssen andere Anbautechniken und Sorten in Erwägung gezogen werden. Experten geben Einblicke zum aktuellen Sachstand zum Thema Weinbau in Franken und zu den Folgen des Klimawandels.

Die Mainschleife bei Escherndorf mit Vogelsburg, ein beliebtes Ziel unter Weinliebhabern und Touristen

Die Mainschleife bei Escherndorf mit Vogelsburg, ein beliebtes Ziel unter Weinliebhabern und Touristen

Hildenbrand©LWG

Temperaturverhältnisse, Sonnenstunden, Wasserverfügbarkeit, Lage, Geologie und Bodenbeschaffenheit – all diese Faktoren beeinflussen maßgeblich, welche Kulturen gedeihen und wie ertragreich der Anbau ausfällt. Am deutlichsten wird dies beim Rebenanbau: Nicht ohne Grund unterscheidet man verschiedene Anbaugebiete, denn jedes bringt Weine mit ganz eigenen, charakteristischen Merkmalen hervor.

Die Rebsorte Silvaner profitiert vom Temperaturanstieg.

Die Rebsorte Silvaner profitiert vom Temperaturanstieg.

Daniel Heßdörfer©LWG

Klimawandel im Weinbau: Reifere Weine, neue Sorten

Seit Beginn der flächendeckenden Messungen im Jahr 1881 ist die durchschnittliche Temperatur in Deutschland um 1,6 °C angestiegen (siehe Deutscher Wetterdienst). Als Hotspot gelten dabei die fränkischen Regionen in Nordbayern. Und genau hier konzentriert sich der bayerische Weinanbau, wie Andreas Maier, bis Oktober 2025 Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, im Rahmen einer Expertenrunde der HSS erläuterte. Für den „Frankenwein“ (g.u. Franken) arbeiten ca. 2.800 Winzer auf rund 6.280 ha Rebfläche. Über 200 Wein- und Winzerdörfer tragen zur Stärkung des ländlichen Raums bei – der Weintourismus ist in der Region ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.

Diese Reben leiden unter der Trockenheit.

Diese Reben leiden unter der Trockenheit.

Daniel Heßdörfer©LWG

Der bisherige Temperaturanstieg wirkt sich im Weinbau bislang sogar positiv aus: Die Weinqualität hat sich laut Maier zu reiferen Weinen entwickelt. Besonders profitieren wärmeliebende Rotweinsorten sowie spätreifende Rebsorten wie der Silvaner. Die zusätzliche Wärme fördert die Zuckerbildung in den Trauben – was zu einem höheren Alkoholgehalt im fertigen Wein führt – während gleichzeitig der Säuregehalt sinkt. Letzteres könne jedoch, so Maier, bei Weißweinsorten auch nachteilig sein.

„80 bis 90 Prozent unserer Forschung hängen mit dem Klimawandel zusammen.“ 

Andreas Maier, bis 2025 Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau

Der Klimawandel beeinflusst nicht nur die Qualität bereits etablierter Rebsorten: Durch die gestiegenen Temperaturen treiben die Reben im Frühjahr inzwischen rund drei Wochen früher aus. Gleichzeitig reifen die Trauben im Herbst besser aus– ein Vorteil, der mittlerweile auch den Anbau mediterraner Rebsorten in Nordbayern erlaubt.

Allerdings steigt mit dem früheren Austrieb auch die Gefahr für Spätfröste, was im Extremfall zu Ernteausfällen führen kann. Durch die Änderungen der Witterungsbedingungen finden Schädlinge und Krankheitserreger, die bislang in Franken nicht vorkamen, nun günstigere Bedingungen vor. So breiten sich derzeit verschiedene Zikadenarten stark aus – einige davon könnten auch Krankheiten übertragen.

Tropfen für Tropfen: Detail der Schläuche der Tröpfchenbewässerungsanlage.

Tropfen für Tropfen: Detail der Schläuche der Tröpfchenbewässerungsanlage.

Hildenbrand©LWG

Trockenheit im Weinbau wird zum Hauptproblem

Besonders in den Steillagen und Böden mit geringer Durchwurzelungstiefe entscheidet der Niederschlag darüber, ob die Pflanzen während der Vegetationsperiode mit ausreichend Wasser versorgt werden. Bleiben diese aus, wirkt sich das auf die Qualität und Menge der Trauben aus und damit auf die Rentabilität des Weinbaus in diesen Lagen. Ohne zusätzliche Bewässerung sinkt der Ertrag um bis zu 50 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim, die das in einem „Versuchsweinberg“ anhand von Vergleichstests ermittelt hat. 

Was Maier daher am meisten beschäftigt, ist die Trockenheit. Bereits jetzt werden im Fränkischen Weinbau etwa 1.450 ha Rebfläche bewässert –  Tendenz steigend. Das geschieht vorwiegend über die Tropfbewässerung, die als besonders effizient gilt. 

1,5 Millionen Kubikmeter Wasser bräuchte es, um alle Weinberge in Franken zu bewässern. Die Zahl klingt für Laien extrem hoch, doch im Verhältnis ist die Wassermenge überschaubar. Das sei ungefähr die Menge Wasser, die eine Stadt wie Würzburg oder Schweinfurt für die Begrünung verwendet, sagt Artur Steinmann, Präsident der fränkischen Winzer. Derzeit verfügen ca. 400 von gut 6.000 ha Rebfläche über die dafür notwendige Infrastruktur mit Tröpfchenbewässerung.

Über das Jahr gesehen fällt eigentlich genügend Niederschlag, erklärt Artur Steinmann, bis Juni 2026 Präsident des Fränkischen Weinbauverbands. Problematisch sei jedoch die ungleichmäßige Verteilung. Regen tritt zunehmend unregelmäßig auf, und es muss häufiger mit Starkregenereignissen gerechnet werden. Unter solchen Bedingungen kann der trockene Boden das Wasser nicht schnell genug aufnehmen – es fließt oberflächlich ab, bleibt ungenutzt und kann im schlimmsten Fall sogar Überschwemmungen verursachen. „Wir müssen Ideen entwickeln, um Wasser dann zu speichern, wenn es uns die Natur schenkt t und dadurch blühende Landschaften schaffen sowie die Ressource Grundwasser schützen“, so Steinmann weiter. 

„Wir sind noch vor der Welle, aber der Klimawandel schreitet voran.“

Artur Steinmann, bis 2026 Präsident des Fränkischen Weinbauverbands

Eines der Speicherbecken von „VinAqua“ –  Wasser sammeln, wenn es vorhanden ist, um es in Trockenphasen den Weinreben zur Verfügung stellen zu können.

Eines der Speicherbecken von „VinAqua“ – Wasser sammeln, wenn es vorhanden ist, um es in Trockenphasen den Weinreben zur Verfügung stellen zu können.

Daniel Heßdörfer©LWG

Bewässerung im Weinbau: neue Wege beim Wassermanagement

Wie das funktionieren kann, demonstriert das Vorzeigeprojekt „Vinaqua in Volkach“ auf anschauliche Weise. Das Regen- und Schmelzwasser wird unterhalb der Weinberge aufgefangen und dann in zwei Speicherbecken gepumpt. In trockenen Sommern wird das Wasser von dort über ein Leitungssystem sparsam an die Reben getropft. Über die bloße Bewässerung der Rebflächen und die Weinqualität hinaus werden umfassendere Aspekte mitgedacht, etwa der Bodenschutz – was auch der Ökologie zugutekommt –  und die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in der Region. Artur Steinmann sieht daher Vinaqua als Vorzeigeprojekt, mit dem wichtige Erkenntnisse gewonnen wurden. 

Im Weinbau werden auch weitere Lösungsmöglichkeiten erforscht und angewendet, wie etwa die Reduzierung der Laubwand im Weinberg, damit über die Blätter nicht so viel Wasser verdunstet wird. 

Neues Denken beim Umgang mit Wasser und Boden

„Neu Denken, Innovationen vorantreiben“ – dem kann die Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Weisgerber nur zustimmen. Interessant findet sie daher auch die Forschungen der TU München zur Nutzung von Brauchwasser sowie den Einsatz von digitalen Wasserzählern, durch die der Wasserstand und die Wassernutzung transparenter werden. Als umweltpolitische Sprecherin weitet sie in diesem Kontext den Blick auf unseren Umgang mit dem Boden, denn die Flächenversiegelung sei neben dem Klimawandel ein weiterer Grund, warum das Wassermanagement heute so viele Probleme bereitet. Daher gelte es, eine weitere Versiegelung von Flächen zurückzudrängen, etwa über die „Doppelnutzung von Flächen“. 

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Leiterin: Silke Franke
Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum
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