HSS-Podiumsdiskussion
Mehr Eigeninitiative, weniger Versorgungsstaat
Walentina Dahms, CSU-Bürgermeisterin von Markt Schwaben (Landkreis Ebersberg), und Moderatorin Prof. Dr. Diane Robers (rechts).
©Samuel Gumberger/HSS
In Zeiten globaler Unsicherheit gewinnen Narrative an Kraft, die bestehende Wirtschaftssysteme und demokratische Institutionen infrage stellen. Um diesen Tendenzen entgegenzuwirken, beleuchtete die „Akademie für Politik und Zeitgeschehen“ der Hanns-Seidel-Stiftung während einer Podiumsdiskussion die Potenziale der Sozialen Marktwirtschaft als stabiles Fundament für die Zukunft.
Prof. Dr. Diane Robers, Moderatorin und Leiterin der „Akademie für Politik und Zeitgeschehen“, stieß eine lebhafte Debatte an, die das Modell systematisch aus der akademischen, ökonomischen, kulturellen, politischen und kommunalen Perspektive betrachtete.
Prinzipen der Freiheit stärken
„Soziale Marktwirtschaft war ja nicht nur ein Wirtschaftsmodell, sondern es ist auch ein Gesellschaftsmodell“, betonte Professor Dominik Wanner, Programmdirektor beim Worcester College (Universität Oxford) und Gründer des Roseninselkreis, während seines einleitenden Impulses. Er mahnte an, dass das Modell der 1950er-Jahre angesichts von Globalisierung und demografischem Wandel dringend modernisiert werden müsse. Sein Plädoyer galt einer langfristigen Strategie, die weit über kurzfristige Wahlperioden hinausdenkt, um die Prinzipien der Freiheit so zu stärken, dass die soziale Sicherung auch für kommende Generationen tragfähig bleibt.
Benjamin Morgan, Professor für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Oxford, hielt den Eröffnungsvortrag.
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Der Gedanke der Neuausrichtung ist wichtig. Er setzt eine fundierte Zukunftsplanung und eine ehrliche Bestandsaufnahme voraus – ein Weckruf, um die aktuelle Lage Deutschlands nüchtern zu bewerten und die Lust an der Gestaltung wieder positiv zu besetzen.
Anstrengung bereitet auch Freude
„Das System Deutschland muss auf Anpassungsfähigkeit umgebaut und Elemente der Eigenverantwortung müssen überall eingebaut werden“, sagte Dr. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK München und Oberbayern.
Die ökonomische Dringlichkeit dieses Weckrufs untermauerte Gößl mit einem deutlichen Vergleich: Während Nachbarstaaten wachsen, verliere Deutschland real an Wohlstand pro Kopf. Er kritisierte die Entwicklung hin „zu einem Versorgungsstaat“ und forderte, sich auf mehr Eigeninitiative zurückzubesinnen. Als zentralen Hebel nannte Gößl einen massiven Bürokratieabbau. Nach schwedischem Vorbild könnten in Deutschland jährlich rund 146 Milliarden Euro zusätzliche Wertschöpfung generiert werden. Sein Anliegen: Den Bürgern wieder zu vermitteln, dass Anstrengung auch Freude bereitet – wenn sie zu gemeinsamen gesellschaftlichen Erfolgen führt.
Dr. Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, ist der Ansicht, dass die Nachbarstaaten wachsen, während Deutschland an Wohlstand verliere.
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Unsicherheit mobilisiert autoritäre Neigungen
In seinem Vortrag stellte Benjamin Morgan, Professor für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Oxford und Fellow am Worcester College fest: „Niemand ist besser geeignet für ein Individuum zu entscheiden, als dieses Selbst.“
Sein Argument: Wirtschaftlicher Erfolg ist untrennbar mit einer Kultur verbunden, welche „die individuelle Entscheidungsfreiheit als höchsten Wert achtet“. Morgan warnte davor, dass Unsicherheit oft autoritäre Neigungen mobilisiere. „Um die Marktwirtschaft zu schützen, muss Bildung Marktprozesse wieder positiv als Mittel zur individuellen und gemeinschaftlichen Bereicherung erklären.“
Das wollte Moderatorin Robers genauer wissen und hakte nach: „Wie lässt sich dieser Gründergeist wieder als erstrebenswerter Lebensweg in den Köpfen verankern?“
Mehr Know-how ins Land bringen und halten
Einen konkreten Weg, um den Standort Deutschland wieder attraktiv zu machen, skizzierte Dr. Stefan Ebner. „Wir brauchen ein anderes Bild von Unternehmern und von Gründern. Es muss ein viel stärkerer, realistischer Lebensweg für junge Menschen sein“, sagte der CSU-Landtagsabgeordnete und Mitglied im Wirtschaftsausschuss.
Dr. Stefan Ebner, CSU-Landtagsangeordneter und Mitglied im Wirtschaftsausschuss, sagte: „Wir brauchen ein anderes Bild von Unternehmern und von Gründern.“
Der Politiker forderte eine neue Gründerkultur, die bereits in Schulen und Universitäten als „attraktive Karriereoption“ vermittelt wird, um negativen medialen Stereotypen entgegenzuwirken. Ebenso plädierte er für einen Staat, der als Auftraggeber mutiger für innovative Start-ups auftritt, um mehr technologisches Know-how ins Land zu bringen und es auch zu halten.
Wie die kommunale Realität aussieht, schilderte Walentina Dahms, Bürgermeisterin von Markt Schwaben (Landkreis Ebersberg). Denn dort betreffen politische Rahmenbedingungen unmittelbar die Bürger. „Wenn jeder vor der eigenen Tür kehrt, dann ist‘s überall sauber“, sagte sie.
Die Rathauschefin kennt die täglichen Herausforderungen und weiß – trotz bürokratischer Hürden – ihren Wirtschaftsstandort attraktiv zu halten. Ihr Appell: „Mehr positive Fehlerkultur und ein Ende des Pessimismus“. Mit Transparenz und Anpacken vor Ort müsse man das Ruder gemeinsam rumreißen, um den Wohlstand für künftige Generationen zu sichern.
Fazit:
Es braucht eine neue Gewinnermentalität, bei der Arbeit als integraler und sinnstiftender Bestandteil des Lebens begriffen wird. „Wenn es gelingt, Anstrengung und Leistung wieder als Quelle persönlicher Gestaltungskraft zu begreifen, kann unsere Gesellschaft nachhaltig gestärkt werden“, so Moderatorin Robers.
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