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Gelebtes Brauchtum
Zeit der Perchten und Raunächte

Autorin/Autor: Dr. Birgit Strobl

Die Tage sind dunkel, der Winter ist da und das Jahr neigt sich dem Ende zu. Es beginnt eine mystische Zeit. Alte Bräuche werden zum Leben erweckt, wie etwa die Perchtenläufe in Fürstenfeldbruck.

Früher fürchteten sich die Menschen in den langen, dunklen Winternächten vor bösen Geistern und versuchten sie zu vertreiben. Dazu kleideten sie sich in Fellgewänder oder wickelten sich in Stroh, setzten Tierköpfe, Hirschgeweihe oder Ochsenhörner auf und verwandelten sich in finstere Gesellen. Mit dem Lärm von Glocken und dem Gerassel von Ketten streiften sie durch die Gegend. Auch durch die Christianisierung konnte die Furcht vor Geistern nicht überwunden werden. Viele dieser Bräuche blieben so lange erhalten. 

Das Brauchtum des Perchtenlaufs ist in Fürstenfeldbruck sehr lebendig und wird gepflegt.

Das Brauchtum des Perchtenlaufs ist in Fürstenfeldbruck sehr lebendig und wird gepflegt.

Robert Hoiss

Krampus und Perchten

Lange Winternächte mit Kälte und Schnee spielen auch beim Perchtenbrauchtum eine Rolle. Die Menschen sehnten sich nach der Wärme der Sonne, die wieder neues Leben bringen würde. Für die kalte Jahreszeit machten sie böse Mächte verantwortlich, die ihren Alltag und ihr Leben erschwerten und Existenznöte brachten. Ihnen sagen die Perchten den Kampf an, die Böses fernhalten und verjagen sollen. Sie stehen also für das Gute. Das Auftreten von Perchten, grausig anzusehenden Gestalten, zählt zu den Raunachtsbräuchen. Diese waren ursprünglich heidnischer Herkunft und wurden erst allmählich christianisiert. 
Die Perchten stampfen auf den gefrorenen Boden, um die Natur wieder aufzuwecken. Sie läuten mit den Schellen, um die bösen Geister und die Kreaturen der Unterwelt zu vertreiben.

Bernhard Weiske von den AmperPerchten e.V. äußert sich so: 

“Wir können mit Stolz behaupten dieses Brauchtum zu leben und uns ein Stück weit damit zu identifizieren.” 

Beim Perchtenlauf streichen auch Hexen an den Menschen vorbei und kehren ihnen über die Schuhe. Damit kehren sie das Pech des vergangenen Jahres aus dem Weg und machen Platz für künftiges Glück.

Die Perchten unterscheiden sich vom Krampus, der den gefallenen Engel Luzifer symbolisiert. Der gemeinsame Auftritt von Nikolaus und Krampus bezeichnet den Gegensatz von Gut und Böse. Beide sind nur am 5. und 6. Dezember zu sehen. Der Krampus ist in einen schweren Mantel gehüllt. Mit sich trägt er eine Kette, durch die er zeigt, dass er an die Hölle gekettet ist. Außerdem hat er eine Rute, mit der er schlagen kann. Auch einen Korb trägt er mit sich, um gefallene Seelen einzusammeln.

Raunächte

Die Raunächte sind voller Mystik. Sie gelten als Losnächte, das heißt, an diesen Tagen kann man sein Glück oder Unglück in der Zukunft vorhersehen. So können ledige Mädchen beispielsweise durch das Werfen ihrer Pantoffeln feststellen, ob sie im nächsten Jahr heiraten werden, je nachdem, in welche Richtung der geworfenen Pantoffel zeigt. Auch das Ausräuchern von Haus und Stall mit Weihrauch wird in diesen Tagen durchgeführt. Insgesamt gibt es 12 Raunächte. Bedeutend sind vor allem fünf, die Thomasnacht am 21. Dezember, also die Zeit der Wintersonnenwende, die Christnacht am 24. sowie die Nacht der unschuldigen Kinder am 28., die Nacht zum Jahreswechsel am 31. und die Perchtnacht am 5. Januar, der Nacht auf Heilig Drei König.

Die Perchta wird in Fürstenfeldbruck auch Luzia genannt. Das hängt dort mit dem besonderen Brauch am 13. Dezember zusammen, dem Luzientag. Sie hat eine attraktive Gesichtshälfte und eine fruchterregende.

Die Perchta wird in Fürstenfeldbruck auch Luzia genannt. Das hängt dort mit dem besonderen Brauch am 13. Dezember zusammen, dem Luzientag. Sie hat eine attraktive Gesichtshälfte und eine fruchterregende.

Robert Hoiss

Besonderheiten in Fürstenfeldbruck

Um dem Frühling eine Chance zu geben, wurde eine besondere Gestalt erfunden: Frau Percht!
Sie ist die Anführerin der wilden Horde, die aus gehörnten Gestalten und Hexen besteht. Frau Percht ist auch unter dem Namen Frau Holle, Freya und Perchta bekannt. 
In Fürstenfeldbruck wird sie Luzia genannt. Der Perchtenlauf der AmperPerchten, wie sich die Perchten in Fürstenfeldbruck nennen, wird deshalb auch von Luzia angeführt. Sie wird mit zwei Gesichtern dargestellt. Auf der einen Seite sieht man ein grausiges Weib, das Schrecken und Chaos befürchten lässt. Die andere Seite zeigt eine wunderschöne junge Frau, die Licht, Glück und Fruchtbarkeit bringt. 

Luzia ist in Fürstenfeldbruck noch aus einem anderen Grund von Bedeutung: hier basteln Kinder kleine Häuser, die sie im Inneren mit Kerzen beleuchten und am 13. Dezember in der Amper schwimmen lassen. Dieser Tag war bis zur Einführung des Gregorianischen Kalenders der dunkelste Tag des Jahres. Nach dem Heiligenkalender ist dieser Tag der Heiligen Lucia geweiht. Sie wird in Schweden besonders verehrt. Hier setzen sich weiß gekleidete Mädchen einen Kranz mit Kerzen auf den Kopf und veranstalten Lichterumzüge. 

In Fürstenfeldbruck hat der „Lichterschwemmen“ genannte Brauch einen speziellen Hintergrund: 1785 gab es eine Hochwasserkatastrophe. Die Bürger flehten die heilige Lucia um Hilfe an und gelobten, diesen Tag jedes Jahr mit einem besonderen Gedenken zu begehen. 

Immaterielles Kulturerbe

Im Jahr 2022 wurde der Kirchseeoner Perchtenlauf zum Immateriellen Kulturerbe des Freistaates Bayern ernannt. Diese Auszeichnung zeigt, welche Bedeutung diese lebendige Tradition für das kulturelle Leben in Bayern besitzt. Die Kirchseeoner Perchten werden auch dabei sein, wenn die AmperPerchten ihr 10-jähriges Jubiläum feiern. Am 20. Dezember 2024 um 18.00 Uhr wird ihr Jubiläumslauf auf dem Aumühlenplatz in Fürstenfeldbruck beginnen. 

Kontakt

Leiterin: Dr. Birgit Strobl
Recht, Geschichte, Kultur
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