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Zwetschgenmanderl und Springerle
Zur Tradition des Weihnachtsmarktes

Autorin/Autor: Dr. Birgit Strobl

Es ist wieder soweit. Die Weihnachts- und Christkindlmärkte sind geöffnet. Der Duft von gebrannten Mandeln, Lebkuchen und anderen vorweihnachtlichen Köstlichkeiten verbreitet sich. Doch woher kommt die Tradition dieser Märkte im Advent?

Sie dürfen nicht fehlen auf dem Weihnachts- und Christkindlmarkt, die Zwetschgenmanderl oder Zwetschgenmännla.

Dr. Birgit Strobl

Der bekannte Christkindlesmarkt

Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist wohl der Bekannteste. Ursprünglich wurden dort Waren für den Haushalt und den täglichen Bedarf verkauft.

Ein Sprichwort weist auf diese Tatsache hin:

„Nürnberger Hand geht durchs ganze Land“

Mit „Hand“ waren Handwerkswaren gemeint. In Nürnberg waren dies vorwiegend Produkte aus Metall, Spielwaren und Gewürze. Erstere wurden in und um Nürnberg hergestellt, letztere weisen auf den Handelsverkehr hin, der über Nürnberg als zentrale Handelsroute verlief.

Entstanden ist daraus der „Nürnberger Tand“, der sich speziell auf Spielzeug bezog, also die Nürnberger Spielzeugfabrikation. Hier wurden vor allem Zinnfiguren und Eisenbahnen, also Spielzeug aus Blech und Metall hergestellt. Damit ist schon erklärt, warum Weihnachtsmärkte auch heute noch im Wesentlichen Christbaumschmuck verkaufen. Dieser „Tand“ hat nämlich seit dem 20. Jahrhundert eine Einschränkung seiner Bedeutung erfahren und meint nun Flitter, Lametta, Engelshaar und Ähnliches. Auch dies sind Produkte, bei deren Herstellung Blech und Metall verwendet werden.

Welcher Weihnachtsmarkt ist der älteste?

Der Dresdner Striezelmarkt gilt als ältester Weihnachtsmarkt im deutschsprachigen Raum, doch auch weitere Städte erheben Anspruch, zu den ältesten Märkten der Adventszeit zu zählen.

Geht man nach den Urkunden, so gehört auch der Weihnachtsmarkt in  München dazu . Auch hier wurden zunächst Waren des täglichen Bedarfs verkauft. Erst später wurde die Produktpalette erweitert. Dass dieser Markt „Nikolausmarkt“ genannt wurde, deutet darauf hin, dass zunehmend auch Geschenke für die Bescherung der Kinder zu erwerben waren. Im katholischen Raum war nämlich der heilige Nikolaus der Gabenbringer.

Wenn der Nikolaus kommt

Früher war es üblich, dass der Nikolaus die Weihnachtsgeschenke bringt. Bescherung fand also schon am 6., nicht am 24. Dezember statt. Wenn „der Nikolaus kommt“ ist er wie ein Bischof gekleidet, mit weißem Chorrock, Rauchmantel, Mitra und Bischofsstab. Aus seinem goldenen Buch liest er Gutes und Böses vor, ermahnt die Kinder oder lobt sie auch. Dann holt er aus seinem Sack Süßigkeiten, Lebkuchen, Äpfel und Nüsse oder auch Spielsachen heraus und verteilt sie. Wenn er nicht persönlich vorbeikommt, so findet man kleine Gaben in Schuhen, Schüsseln oder Tellern, die am Vorabend vor die Tür gestellt werden.

„Übernahme“ durch das Christkind

Martin Luther ist es zu verdanken, dass wir heute zwei Mal beschert werden. Er wandte sich gegen den katholischen Heiligenkult. Trotzdem sollten vor allem Kinder nicht auf die Weihnachtsbescherung verzichten müssen. So erfand er das Christkind, das am 24. Dezember, dem Tag der Geburt Jesu, Geschenke bringt.

Blickt man auf den Nürnberger Markt, der „Christkindlesmarkt“ genannt wird, wird folgendes klar: In katholischen Gebieten wurde der Weihnachtsmarkt nach dem Nikolaus benannt. Nürnberg war evangelisch, daher erhielt der Markt seinen Namen vom Christkind. Dies hat sich wohl aufgrund der Bekanntheit des Nürnberger Marktes für den Weihnachtsmarkt insgesamt durchgesetzt. Je nach Dialekt und Region wurde daraus ein „Christkindlesmarkt“, „Christkindlmarkt“ oder „Christkindlemarkt“. Nicht zu vergessen sind dabei allerdings besondere Bezeichnungen für den Weihnachtsmarkt, beispielsweise in Dresden, wo er „Striezelmarkt“ heißt.

Dekorative Springerle in verschiedenen Größen und Formen mit Modeln.

Dr. Birgit Strobl

Zwetschgenmanderl und Springerle

Zwei traditionelle Geschenke vom Weihnachtsmarkt seien hier kurz vorgestellt. Zwetschgenmanderl oder – männla werden schon seit dem 17. Jahrhundert verkauft und sind auch heute noch beliebt. Zu Sylvester werden sie als Schornsteinfeger verschenkt; zu Weihnachten in vielen Variationen. Sie sollen Glück und Geld im Haus halten. Hergestellt werden sie aus getrockneten Früchten, vorwiegend Pflaumen und Nüssen.

Ein Springerle ist ein Bildgebäck, das mit einer Model geformt wurde. Es besteht aus Eierzucker und kann gegessen werden, wird jedoch mit der Zeit hart und haltbar. Dadurch ist es gut als Dekorationsartikel zu verwenden, etwa als Weihnachtsschmuck für den Christbaum.

Springerle gehört zu den Lebzelten. Dieses alte Wort bedeutet „vom Leben erzählen“. Seit dem Mittelalter gibt es dieses Bildgebäck. Zum Einsatz kommt es an Festtagen, beispielsweise also auch an Ostern. Früher war es üblich, dass der Pate seinem Patenkind an diesen besonderen Tagen ein Springerle schenkt.

Heute fast nur noch „Fressstände“

Die Zunahme der Stände auf dem Weihnachtsmarkt, die sich ausschließlich auf Verzehrfertiges konzentrieren, ist sicherlich unserem Konsumverhalten geschuldet. Wer kennt den Anblick nicht: einsam hinter ihrem Stand sitzende Verkäufer künstlerischer oder handwerklicher Waren, während alle Besucher am Glühweinstand Schlange stehen. Der Attraktivität des Weihnachtsmarktes tut dies keinen Abbruch. Es ist inzwischen schon fast ein gesellschaftliches „Muss“, sich dort mindestens einmal in der Vorweihnachtszeit mit Freunden und Kollegen zu treffen. Das sonstige Warenangebot ist dabei nur noch Staffage.

Trotz allem Kommerz und Konsum kann ein Spaziergang über einen Weihnachtsmarkt uns einladen, sich vom Lichterglanz und dem Duft der Leckereien verzaubern zu lassen und wenigstens für einige Zeit, die Last des Alltags hinter sich zu lassen.

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Leiterin: Dr. Birgit Strobl
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