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CLEANTECH für Bayern
Flugdrachen für Windenergie - Kitekraft GmbH

Autor: Maria Geyer

Die Kitekraft GmbH mit Sitz in Hohenbrunn entwickelt fliegende Windkraftanlagen und will so zur Eindämmung des Klimawandels beitragen. Wir haben mit Maximilian Isensee, einem der Gründer und CEO des Unternehmens, gesprochen und ihn gefragt, wie das bayerische Start-up – das im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinauswill – uns in Zukunft mit nachhaltiger Windenergie versorgen will.

Porträt von Maximilian Isensee, CEO der kitekraft GmbH. Zu sehen ist ein lächelnder jüngerer Mann mit dunklen Haaren, der eine dunkle Jacke.in weißes Hemd trägt und darüber

Maximilian Isensee ist einer der Gründer von Kitekraft, einem Spin-off der TU München im Bereich erneuerbare Energien. Kitekraft entwickelt innovative, fliegende Windturbinen zur kostengünstigen Stromerzeugung. Vorher gründete und leitete er das deutsche Chapter von „Protect Our Winters“, einer Klima-NGO, die im Kampf gegen den Klimawandel die Winter- und Outdoor-Community mobilisiert. Zuvor hat er als Start-up-Berater am Karlsruher Institut für Technologie gearbeitet. Sein Hintergrund liegt im Maschinenbau mit Schwerpunkt erneuerbare Energien.

Kitekraft GmbH

Kitekraft baut fliegende Windturbinen, eine neue Art von Windkraftanlage, eine Kombination aus Drohne und Kite. Dies ermöglicht Windenergie mit einer Materialreduzierung von über 90 Prozent, was die Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Windkraftanlagen halbiert. Kitekraft ist ein Spin-off der Technischen Universität München und Y Combinator Alumni. Mehr Informationen finden Sie hier.

HSS: Herr Isensee, fliegende Windkraft – was genau ist darunter zu verstehen?

Maximilian Isensee: Unsere fliegende Windturbine ist eine Mischung aus Drohne und Kite. Das System besteht aus drei Komponenten: Kite, Seil und Bodenstation. Der Kite ist ein Doppeldecker-Flügel aus Aluminium mit acht Rotoren. Dieser ist mit einem Seil an einer Bodenstation befestigt. Im Betrieb fliegt der Kite auf der Bahn einer liegenden Acht und produziert Strom mit den Onboard-Rotoren. Dieser wird durch das Seil zur Bodenstation geleitet und dort ins Netz oder in Batterien eingespeist. Wenn kein Wind weht, landet der Kite an der Bodenstation und wartet bis wieder bessere Bedingungen herrschen. Für den Start- und Landevorgang nutzen wir ebenfalls die Rotoren am Kite, in diesen Fällen aber als Propeller, sodass der Kite senkrecht wie eine Drohne fliegt. Ein Video macht das ganze anschaulich: https://www.youtube.com/watch?v=oVB5skG4I4s.

HSS: Was war Ihre Motivation, Windkraft in diese Richtung zu orientieren?

Maximilian Isensee: Wir haben Kitekraft mit dem Ziel gegründet, mehr erneuerbare Energien nutzbar zu machen und die weltweite Energiewende zu beschleunigen. Wir sind eine Ausgründung der Technischen Universität München, an der die Mitgründer Florian Bauer, Christoph Drexler und André Frirdich in ihren Doktor- und Masterarbeiten grundlegende Vorarbeit geleistet haben. Das vielversprechende Potential der Technologie hat uns dazu bewegt, Kitekraft zu gründen und auf den Markt zu bringen.

Das Führungsteam der Kitekraft GmbH: Maximilian Isensee (CEO), Christoph Drexler (Head of Mechanics), André Frirdich (Head of Aerodynamics) und Florian Bauer (CTO).

Kitekraft GmbH

HSS: Welche Vorteile hat Ihre Technologie gegenüber herkömmlichen Windkraftanlagen?

Maximilian Isensee: Unsere Windturbinen sind deutlich kleiner als klassische Modelle. Bei gleicher Leistung brauchen wir nur 5-10 Prozent des Materials, da wir uns das große Fundament, den riesigen Turm und die großen Flügel sparen. Stattdessen haben wir nur eine kleine Bodenstation mit einem Seil und einem Kite, der in größeren Höhen fliegt, wobei das System landet, wenn kein Wind weht. Das macht unsere Technologie im Betrieb fast unsichtbar. Durch die große Materialreduktion sowie einfachere Herstellung, Logistik, Aufbau und Betrieb schaffen wir so Windkraft zur Hälfte der Kosten herkömmlicher Anlagen.

HSS: Windkraft ist unerlässlich für eine erfolgreiche Energiewende. Wie sehen Sie Bayern in diesem Markt aufgestellt?

Maximilian Isensee: In der Tat wird die Energiewende ohne Windkraft nicht gelingen. Leider ist der Windkraftausbau in ganz Deutschland in den letzten Jahren eingebrochen und wir müssen zur Erreichung unserer Klimaziele schleunigst mehr Fahrt beim Ausbau aufnehmen. Die neuen Änderungen bei Planungs- und Genehmigungsverfahren werden diesen Prozess hoffentlich deutlich beschleunigen. Im Gegensatz zum deutschlandweiten Trend erfolgt der Ausbau in Bayern leider auch nur sehr schleppend. Regulatorische Hürden wie die 10H-Regelung sowie Probleme mit der öffentlichen Akzeptanz waren und sind immer noch große Hürden für die Windkraft. Als flächenmäßig größtes Bundesland kann und sollte Bayern mehr zum Windkraftausbau beitragen, denn geeignete Standorte sind durchaus vorhanden.

HSS: Kann sich Bayern mit Ihrer Technologie einen Vorteil gegenüber anderen Regionen verschaffen?

Maximilian Isensee: Grundsätzlich ist unsere Technologie an vielen Standorten nutzbar und soll die Verfügbarkeit von Windkraft weltweit erhöhen. Gerade in Bayern bietet unsere Lösung allerdings entscheidende Vorteile. Da unsere Anlagen auf der doppelten Höhe konventioneller Windturbinen gleicher Leistung operieren, macht unsere Technologie so mehr Standorte nutzbar. Auch kann dies eine Lösung bei geographisch oder topographisch schwierigen Standorten sein. Darüber hinaus sorgt die geringe Sichtbarkeit unserer Turbinen für eine höhere Akzeptanz der Windkraft.
Wenn wir mit unserer Entwicklung Erfolg haben, dann bauen wir die Windturbine des 21. Jahrhunderts. Mit unseren Wurzeln in Bayern wollen wir so einen neuen Standard in der Windkraft setzen und unsere Technologie weltweit nutzbar machen. Als eines der führenden Unternehmen im Bereich der Flugwindkraft bietet sich so die Möglichkeit, viel Wertschöpfung nach Bayern zu holen.

CleanTech bedeutet für Maximilian Isensee:
„Mit den heutigen Windturbinen und Solaranlagen haben wir bereits wichtige Werkzeuge für die Energiewende, wobei der Ausbau beschleunigt und Hürden abgebaut werden müssen. Für eine weltweit erfolgreiche Energiewende brauchen wir jede Technologie, die einen sinnvollen Beitrag leisten kann, mehr erneuerbare Energie günstig zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund müssen wir verstärkt und gezielt frühphasige CleanTech-Lösungen unterstützen.“

HSS: Welche Rahmenbedingungen haben Sie in Bayern vorgefunden, um mit Ihrem Unternehmen hier erfolgreich zu sein?

Maximilian Isensee: Da wir eine Ausgründung aus der TU München sind, sind wir in Bayern verwurzelt. Das gesamte Umfeld aus Forschung und Innovationsförderung sowie die Attraktivität von München und Bayern bieten uns ideale Bedingungen beim Aufbau des Unternehmens und der Gewinnung von Talenten. Auch nach der Gründung pflegen wir eine gute Beziehung und kooperieren mit der TU München und anderen Universitäten. Unterstützung haben wir unter anderem durch Programme wie die „Initiative for Industrial Innovators“ der UnternehmerTUM oder den Inkubator von ESA BIC Bavaria bekommen. Auch bei unserer Entwicklung und bei der Suche nach Testflächen haben wir schon viel Unterstützung von Gemeinden, Landwirten und weiteren lokalen Partnern erhalten.

HSS: Welche Zukunftspläne verfolgt Ihr Unternehmen?

Maximilian Isensee: Unser langfristiges Ziel ist es, die Kosten für Windkraft zu halbieren und so den Ausbau von Windkraft deutlich zu vereinfachen und zu beschleunigen. Erste Anlagen mit einer Leistung von 100 kW sind für den Eigenbedarf von landwirtschaftlichen Betrieben oder Industriestandorten vorgesehen. Mit Skalierung der Technologie folgen Anlagen mit 500 kW, 3 MW und mehr für die Energieproduktion auf der Netzebene. Für diese Entwicklung sind wir stets auf der Suche nach geeigneten Partnern für erste Pilotanlagen, Testflächen oder die weitere Entwicklung.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt

: Maria Geyer
Akademie für Politik und Zeitgeschehen
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Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Wirtschaft und Finanzen
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