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Klaus Holetschek ist neuer Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung
Brückenbauer und Impulsgeber

Autorin/Autor: Andreas von Delhaes-Guenther

Nach sechseinhalb Jahren an der Spitze der Hanns-Seidel-Stiftung gab der Europapolitiker Markus Ferber den Vorsitz ab. Wer ist sein Nachfolger Klaus Holetschek, zugleich Fraktionschef der CSU im Bayerischen Landtag? Ein Porträt.

Der neue Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Klaus Holetschek, MdL.

CSU-Landtagsfraktion

Viele halten Klaus Holetschek für einen waschechten bayerischen Schwaben. Geboren wurde er aber in Niederbayern, am 21. Oktober 1964 in Landshut, als Sohn von sudetendeutschen Eltern. Er wuchs jedoch in Bad Wörishofen im Unterallgäu auf, wo er seine schulische Laufbahn bis zum Abitur 1984 im benachbarten Türkheim verbrachte. Danach studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Augsburg. Nach dem Zweiten Juristischen Staatsexamen 1993 und der Zulassung als Rechtsanwalt arbeitete er schon einmal für die Hanns-Seidel-Stiftung: als Referent für journalistische Nachwuchsförderung und Medienpolitik von 1993 bis 1998, sowie als stellvertretender Abteilungsleiter im Förderungswerk. In dieser Zeit übernahm er außerdem Lehraufträge im Bereich Medienrecht an verschiedenen Fachhochschulen.

„Ein umfassendes Update“

Der Vorsitzende der CSU, Dr. Markus Söder, hatte Holetschek unter anderem deshalb als neuen HSS-Vorsitzenden vorgeschlagen. Holetschek sei als ehemaliger HSS-Mitarbeiter „ein echter Insider und mit allen Strukturen vertraut“. Durch ihn solle die Stiftung zudem „als intellektuelles Kraftzentrum näher an die Partei heranrücken und ihren Schwerpunkt verstärkt in München haben“, betonte Söder. „Wir wollen die Hanns-Seidel-Stiftung neu aufstellen“, erklärte der CSU-Chef. „In herausfordernden Zeiten für unsere Demokratie ist es nun an der Zeit für ein umfassendes Update“. Die Hanns-Seidel-Stiftung solle sich künftig „noch mehr um die sinnstiftenden Fragen kümmern, die unsere Gesellschaft bewegen. Dazu soll die HSS verstärkt Gesprächsplattform für Intellektuelle innerhalb und außerhalb der CSU sein.“ Die Stiftung solle „als Think Tank wertvolle Impulse setzen und den gesellschaftlichen Diskurs weit über Parteigrenzen hinaus befruchten und bereichern“. Die bisherige Akademie für Politik und Zeitgeschehen soll laut Söder in Franz-Josef-Strauß-Akademie umbenannt werden.

Der neue Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Klaus Holetschek, MdL, bei einer Podiumsdiskussion des Hauptstadtbüros der Hanns-Seidel-Stiftung in Berlin zur Finanzierbarkeit des Sozialstaates.

Copyright Henning Schacht | HSS Hauptstadtbüro Berlin

„Mit der neuen Doppelfunktion als CSU-Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender der HSS möchte ich Brücken bauen, den Dialog stärken und die Stiftung kraftvoll und zukunftsorientiert weiterentwickeln“, sagte Holetschek der Augsburger Allgemeinen. Es sei für ihn „eine große Ehre“, denn die Stiftung sei für ihn „seit Beginn meines beruflichen und politischen Wegs eine echte Herzensangelegenheit“. In diesen Zeiten tiefgreifender Veränderungen brauche „unsere freiheitliche Demokratie starke politische Bildung, Austausch und Orientierung“.

Enger Kontakt zur kommunalen Ebene

Politisch engagierte sich Holetschek bereits 1981 in der Jungen Union und trat 1982 auch der CSU bei. Von 1985 bis 1994 war er mit einer kurzen Unterbrechung von einigen Monaten Kreisvorsitzender der JU Unterallgäu, von 1994 bis 2001 Bezirksvorsitzender der JU Schwaben. Von 2003 bis 2015 amtierte er als Ortsvorsitzender der CSU in Bad Wörishofen, von 1999 bis 2013 als Kreisvorsitzender der CSU Unterallgäu und von 2017 bis 2023 als Kreisvorsitzender der CSU Memmingen. Seit 2023 ist er Bezirksvorsitzender der CSU Schwaben, auch dort als Nachfolger von Markus Ferber.

Klaus Holetschek, MdL, Vorsitzender CSU-Landtagsfraktion

© HSS

1998 zog er über die Landesliste Bayern in den Deutschen Bundestag ein, aus dem er 2002 wieder ausschied, weil er zum Bürgermeister der Stadt Bad Wörishofen gewählt worden war. Dieses Amt hatte er bis 2013 inne. Stets hielt er den Kontakt zur kommunalen Ebene, unter anderem als stellvertretender Landrat des Unterallgäus sowie als Stadtrat in Memmingen.

Selbstbewusst mit Ansprüchen

Seit Oktober 2013 vertritt Klaus Holetschek den Stimmkreis Memmingen als Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Dort übernahm er in den folgenden Jahren verschiedene politische Aufgaben, unter anderem 2018 bis 2020 als Bürgerbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung. Im Kabinett wechselte er 2020 vom Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr zum Staatssekretär in das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege. Im Januar 2021 wurde er schließlich zum Bayerischen Staatsminister für Gesundheit und Pflege berufen. In dieser Funktion war er insbesondere während der Corona-Pandemie mitverantwortlich für die Gesundheitspolitik des Freistaates Bayern.

Der neue Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Klaus Holetschek, MdL.

CSU-Landtagsfraktion

Nach der Landtagswahl 2023 wurde Klaus Holetschek als Nachfolger von Thomas Kreuzer zum Vorsitzenden der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag gewählt. Damit übernahm er eine der wichtigsten Führungspositionen innerhalb der CSU und zählt heute zu den einflussreichsten Politikern Bayerns. „Wir werden auch selbstbewusst auftreten, es wird nicht so weitergehen wie die Jahre zuvor“, kündigte Holetschek nach seiner ersten Wahl an. Die Fraktion wolle eine „eigene DNA entwickeln, einen eigenen Impuls“. Ziel sei es, eine Politik zu machen, die „tatsächlich die Lebensqualität der Menschen weiter verbessert. Das ist mein Anspruch. An dem werde ich nach zweieinhalb Jahren wieder gemessen.“ Im Jahr 2026 wurde er mit großer Mehrheit in diesem Amt bestätigt.

Ohne Wirtschaft kein Sozialstaat

Holetschek bezeichnete sich selbst kürzlich in einem Nius-Interview als „großen Anhänger des Sozialstaats“. „Aber der Sozialstaat muss wieder im Kern funktionieren, und er funktioniert nur, wenn die Wirtschaft funktioniert. Deswegen gehört beides zusammen.“ Nach seiner Zeit als Bayerischer Gesundheitsminister liegen ihm auch die aktuellen Gesundheits- und Pflegereformen am Herzen, deren Bedeutung ihm klar ist: „Wenn der Sozialstaat im Kern nicht mehr funktioniert, dann radikalisiert sich die Gesellschaft weiter.“

Klaus Holetschek ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er lebt in Schwaben und engagiert sich neben seiner politischen Tätigkeit in verschiedenen gesellschaftlichen und ehrenamtlichen Bereichen. So prägte er seine Region und den Freistaat, unter anderem von 2006 bis 2020 als Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes, als Präsident des Kneipp-Bundes e. V. von 2017 bis 2021, als Vorsitzender des Landesgesundheitsrates Bayern (2019-2021) sowie von 2011 bis 2020 als 1. Vorsitzender des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch Schwaben. Bei der Hochschule Kempten und der TH Augsburg arbeitete er im Kuratorium mit.

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Redakteur: Andreas von Delhaes-Guenther
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