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Auch der junge Dr. h.c. Franz Josef Strauß (rechts) gehörte zu den Gründern der CSU,
hier mit seinem politischen „Ziehvater“ Josef Müller auf der Landesversammlung im
Mai 1949.

Auch der junge Dr. h.c. Franz Josef Strauß (rechts) gehörte zu den Gründern der CSU, hier mit seinem politischen „Ziehvater“ Josef Müller auf der Landesversammlung im Mai 1949.; ACSP/NL Müller Josef : Ph 9/2

Gründung der CSU

Viele Geburtsstunden und Geburtsorte "der" CSU

Ein Flugblatt von 1946 erklärt den Namen der neu gegründeten Partei und wirbt um Mitglieder.

Ein Flugblatt von 1946 erklärt den Namen der neu gegründeten Partei und wirbt um Mitglieder.

ACSP/Fl 1945-1948 : 3-1

Die Münchner CSU-Gründung ging aus einer Gruppe um den Rechtsanwalt Dr. Josef „Ochsensepp“ Müller hervor, die sich bald nach Kriegsende zu dem sogenannten Mittwochskreis zusammenfand. Zu den Mitgliedern zählten u.a. Prof. Dr. Joseph Baumgartner, Dr. Michael Horlacher, Heinrich Krehle, Dr. Walther von Miller, Prof. Dr. Emil Muhler, Dr. Friedrich Wilhelm von Prittwitz und Gaffron, Dr. h.c. Karl Scharnagl und auch Dr. h.c. Franz Josef Strauß. Nach einer ersten programmatischen Grundsatzschrift
im August 1945 beschlossen die Mitglieder dieses Zirkels am 12. September 1945 den Namen „Bayerische Christlich-Soziale Union“ und legten mit der Bildung eines zehnköpfigen „Ausschusses zur Vorbereitung der Gründung einer Christlich-Sozialen Union“ den organisatorischen Grundstein für die neue Volkspartei.

Als sich am 11. Oktober 1945 die Gründung des Münchner Bezirksverbands vollzog, musste der Zusatz „Bayerisch“ jedoch auf Verlangen der amerikanischen Militärregierung aus dem Namen gestrichen werden, da es sich nur um eine lokale Gründung handelte. Letztendlich sollte es bei dem Namen „Christlich-Soziale Union“ bleiben. Christlich, um der „Gottlosigkeit“ der Zeit des Nationalsozialismus wieder die Grundsätze christlicher Ethik entgegenzusetzen. Sozial, um die Not der Menschen in der Nachkriegszeit zu lindern. Union, um die Menschen aller sozialen Schichten, Berufe und Konfessionen in einer Sammlungspartei zu vereinen. 
Am 12. Oktober 1945 wurde die Parteigründung in Coburg und tags darauf in Würzburg vollzogen. Am 25. November 1945 trat der vorläufige Vorstand der CSU München mit einem Rundschreiben an die Öffentlichkeit, das zur Gründung einer großen Sammlungspartei auf Basis der christlichen Kultur aufrief. Am 8. Januar 1946 erteilte auch die amerikanische Militärregierung in Bayern ihre Zustimmung zur Zulassung der CSU auf Landesebene.

Zwei erbitterte Widersacher: Der Landesvorsitzende Dr. Josef Müller und der Bayerische
Kultusminister und Fraktionsvorsitzende Dr. Dr. Alois Hundhammer, wohl 1948.

Zwei erbitterte Widersacher: Der Landesvorsitzende Dr. Josef Müller und der Bayerische Kultusminister und Fraktionsvorsitzende Dr. Dr. Alois Hundhammer, wohl 1948.

ACSP/NL Müller Josef : Ph 63/1

Bei der Frage um die programmatische Ausrichtung der Partei standen sich zwei Gruppen gegenüber: zum einen der liberal, gesamtdeutsche und christlich-interkonfessionell ausgerichtete Flügel um Josef Müller und zum anderen das Lager der katholisch-konservativeren Mitglieder um Dr. Fritz Schäffer, Dr. Dr. Alois Hundhammer und Dr. Anton Pfeiffer. Dazwischen stand der um Michael Horlacher gruppierte „Bauern(verbands)flügel“. Durch das Erstarken der Bayernpartei seit 1948 verschärften sich die innerparteilichen Konflikte, die darin gipfelten, dass die Landesversammlung Ende Mai 1949 Josef Müller die Wiederwahl zum Landesvorsitzenden
versagte. Abgelöst wurde er vom amtierenden Ministerpräsidenten Dr. Hans Ehard, der sich um einen Ausgleich zwischen den zerstrittenen Parteiflügeln bemühte, was letztendlich jedoch erst Dr. Hanns Seidel gelingen sollte, der den Parteivorsitz 1955 übernahm. Das Ringen zwischen den unterschiedlichen Lagern dauerte somit bis in die 1950er- Jahre, bis sich die CSU zu der unangefochtenen Partei Bayerns entwickelte, die seit 1957 ununterbrochen den Freistaat regiert und den bayerischen Ministerpräsidenten stellt.

 

 

 

Dr. Stephanie Günther
Stv. Leiterin des ACSP