Print logo
Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Isabel Schmiedel

Wir empfehlen, die Falschmeldung aufzudecken

Falschmeldungen und Verschwörungsideologien verbreiten sich insbesondere anlässlich größerer gesellschaftlicher Ereignisse wie Lauffeuer. Sie werden über Social Media tausendfach geteilt und beeinflussen unser Bild der jeweils aktuellen Ereignisse. Während das Thema lange nicht ernst genommen wurde und als „ein paar Spinner im Internet“ abgetan wurde, wurde spätestens während der Coronapandemie 2020 für alle sichtbar, welches Gefahrenpotenzial in der massenhaften Verbreitung von Desinformation steckt.
Wenn beispielsweise Menschen notwendige medizinische Schutzmaßnahmen nicht einhalten und deshalb sich und andere in Gefahr bringen, sollte endgültig klar sein, dass wir Falschinformationen nicht einfach ignorieren können.

Das aktive Aufdecken von solchen Inhalten nennt man „Debunking“ (engl.: Entlarven). Dabei versuchen Sie, den Beitrag Ihres Gegenübers als Falschinformation aufzudecken.

Das können Sie tun
 

Falschinformation erkennen

Bei der Menge an Falschinformationen, die im Umlauf sind, kann nicht jede und jeder zu jedem Zeitpunkt jedes Gerücht und die tatsächliche Wahrheit dazu kennen. Dahingegen haben Verbreiter und Verbreiterinnen solcher Informationen oft viele detailreiche Argumente parat, die einen Laien im Thema erstmal argumentativ überfordern können. Finden Sie also erst einmal heraus, worum es im vorliegenden Fall geht und wie die Sachlage ist:

  1. Recherchieren Sie die Information
    Geben Sie betreffende Schlagworte in die Suchmaschine ein und prüfen Sie, ob und welche Medien ebenfalls darüber berichtet haben. Wenn Sie nichts dazu finden, dann können Sie sich relativ sichr sein, dass die Meldung frei erfunden ist. Wenn Sie Informationen auf einer externen Website finden: Machen Sie sich auf die Suche nach einem Impressum. Jede Seite in Deutschland ist verpflichtet, ein Impressum vorzeigen zu können. Finden Sie keines, dann ist die Website wahrscheinlich nicht seriös.
     
  2. Wenn Falschmeldungen mit Bildern hinterlegt sind
    Benutzen Sie die Rückwärtssuche von Google (Bild via Kamera-Icon hochladen) oder TinEye. Dort kann man Bilder hochladen und sich anzeigen lassen, wo und wann diese anderweitig im Netz aufgetaucht sind. So können Sie rasch herausfinden, ob das Bild aus dem Kontext gerissen wurde. Da grafische Inhalte sehr stark wirken, sind diese Art von Fake News sehr häufig.
     
  3. Nutzen Sie Dienste, die Falschmeldungen widerlegen und Fakten anbieten
    Beim Faktenfinder der Tagesschau wird man rasch fündig. Zu fast jedem aktuellen Thema werden sorgfältig recherchierte Informationen zur Verfügung gestellt.

    Eine weitere hilfreiche Informationsquelle ist der Faktencheck von CORRECTIV. CORRECTIV ist das erste gemeinnützige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum. Es recherchiert zu Themen, die für die Entwicklung unserer Gesellschaft wichtig sind.

    Eine weitere Website, die wir Ihnen ans Herz legen können, ist mimikama.at. Mimikama setzt sich zum Ziel, Internetmissbrauch, Internetbetrug und Falschmeldungen bzw. Fakes entgegenzuwirken. Über die Suchfunktion finden man zu fast jedem Thema rasch und Sie können den Beitrag mit wenigen Klicks bei der Meldestelle REspect! einreichen. Hier wird geprüft, ob möglicherweise ein Straftatbestand erfüllt wurde. Wenn das der Fall ist, können Sie über die Plattform einen Strafantrag stellen. Während die Nutzung von hassmelden.de bei Offizialdelikten1 anonym ist, ist bei einem solchen Antragsdelikt zu beachten, dass Ihre Daten als Betroffene oder Betroffener an die Ermittlungsbehörden übermittelt werden müssen, damit diese tätig werden können. Hier kann also die Gegenseite Akteneinsicht nehmen und ihre Daten einsehen.

Falschinformationen widerlegen

Kommentarspalten auf Social Media sind der klassische Ort, an dem man mit Falschinformation konfrontiert wird. Mit Gegenrede können Sie Hass, Hetze und Desinformation Ihre Stimme entgegensetzen. Eine spezielle Unterkategorie ist dabei das Widerlegen von Falschinformationen.

Einer der wichtigsten Punkte bei Gegenrede, der auch für das Widerlegen von Falschmeldungen gilt: Sie werden Ihr Gegenüber in den meisten Fällen nicht überzeugen können – aber Sie erreichen mit Ihrer Reaktion /Kommentar viele unsichtbare Mitleser und Mitleserinnen,  denen Sie einen Gedankenanstoß geben können. Im Mindesten sehen diese, dass die gepostete Information nicht direkt für bare Münze genommen werden kann, und dass Widerspruch erfolgt.

  1. Einstieg ins Gespräch
    Finden Sie Informationen, von denen Sie wissen, dass sie falsch sind, beginnen Sie ein Gespräch darüber und stellen Sie Ihre Meinung der des Gegenübers entgegen.
     
  2. Quelle, bitte!
    Wenn Sie Falschinformationen widerlegen, dann fügen Sie Ihren Fakten die jeweiligen Quellen hinzu. So kann jeder und jede nachlesen, wo Sie diese Informationen gefunden haben – und informiert sich im besten Falle auch weiter zur Thematik.
     
  3. Der Ton macht die Musik
    Formulieren Sie freundlich und empathisch und vermeiden Sie einen herablassenden Ton, auch wenn Sie die Falschinformationen für offensichtlichen Quatsch halten. Durch einen höflichen und vernünftigen Kommentar können Sie den Diskurs auf eine sachliche Ebene bringen. Und selbst wenn Sie bei Ihrem Gegenüber nichts erreichen – denken Sie an die unsichtbaren Mitleserinnen und Mitleser!
     
  4. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
    Benutzen Sie wo möglich Grafiken, um Ihre Fakten zu unterlegen. Bildmaterial sticht in der Kommentarspalte hervor und bleibt den Leser und Leserinnen im Gedächtnis.

Ansonsten gelten dieselben Punkte wie bei Gegenrede. Mehr Informationen dazu finden Sie in der Anleitung zur Gegenrede.

Vorsicht, Fallstricke!

Leider gibt es im Bereich Debunking auch Fallstricke, die es zu vermeiden gilt. Hier eine kleine Übersicht der Dinge, die Sie nicht tun sollten:

  1. Wiederholen der falschen Aussage
    Vermeiden Sie ein Wiederholen der Aussage, die Sie entkräften wollen. Dadurch wird diese in der Wahrnehmung Ihrer Leserinnen und Leser zusätzlich gefestigt und was vertraut ist, wird positiver bewertet. Beginnen Sie ein Gegenargument daher lieber gleich mit Ihrer eigenen Kernaussage.
     
  2. Too much information
    Auch wenn Sie vielleicht viel Material zu einem Gerücht gefunden haben, sollten Sie Ihr Gegenüber nicht damit zuschütten. Die Attraktivität an Fake News ist oft ihre Einfachheit. So machen Verschwörungsideologien die Welt einfach und leicht begreifbar, während die echte Welt komplex und zuweilen überfordernd ist. Knüpfen Sie daher lieber an einem Kernargument an und liefern Sie darauf eine Antwort, als auf alle vorhandenen Argumente eine Reaktion finden zu wollen.
     
  3. Vom Hölzchen aufs Stöckchen
    Wessen Aussagen widerlegt wurden, wechselt oft lieber das Thema zu einer weiteren Behauptung, als die „Niederlage“ zuzugeben. Wenn es um Falschinformationen geht, entsteht dann gerne ein Gespräch, das von Unterthema zu Unterthema springt, ohne jemals irgendwo anzukommen. Der Verfasser der Falschinformation platziert dabei immer mehr Elemente der irreführenden Aussage und erreicht immer mehr Leute damit. Machen Sie solche Themenwechsel nicht mit. Wenn Thema A besprochen wird, sollte das erst abgeschlossen werden, bevor man zu Thema B übergeht.
     
  4. Abwerten des Gegenübers
    Gerade bei der Verbreitung von Verschwörungsideologie ist man schnell geneigt, das Gegenüber als Idiot abzutun. Diese Haltung kann sich dann auch im Gespräch zeigen – insbesondere, wenn man nicht den erhofften Überzeugungserfolg hat. Seien Sie sich bewusst, dass in einem solchen Fall Ihr Gegenüber kaum geneigt sein wird, sich von Ihnen überzeugen zu lassen und das zuzugeben, da damit ein Gesichtsverlust einhergehen würde. Sie kennen die Motive Ihres Gegenübers nicht. Viele Menschen teilen solche Informationen z. B., weil sie ihnen Halt und Orientierung geben. Diskutieren Sie stets so, dass Ihr Gesprächspartner und ihre Gesprächspartnerinnen die Möglichkeit haben, auf Ihre Argumente einzugehen, ohne sich selbst als Idiot fühlen zu müssen.

Melden

Zusätzlich zum Gespräch empfehlen wir, Falschinformationen auf der jeweiligen Plattform zu melden – sofern diese einen eigenen Meldeweg für Fehlinformation eingerichtet hat. Denn selbst wenn Sie Ihr Gegenüber überzeugen können, muss dieses die Aussage nicht löschen. Es bleibt in diesem Fall weiter online verfügbar und erreicht weitere Menschen, deren Meinung – bewusst oder unbewusst – davon beeinflusst wird.

Einige Social Media Plattformen bieten einen eigenen Meldeweg für Falschinformationen an. Die Anleitungen dazu finden Sie hier:
 

  1. Facebook (Beiträge)
     
  2. Instagram (Beiträge, Storys und Reels)
     
  3. TikTok (Videos und Kommentare)
     
  4. Pinterest (Beiträge und Kommentare)
     

Twitter und YouTube bieten leider noch keine eigene Meldemöglichkeit für Falschinformationen an. In diesem Fall können Sie den Beitrag bei Correctiv einreichen. Dort findet Ihre Meldung sinnvollen Einsatz zum Ausbau der Aufklärungstätigkeit zu Falschmeldungen.

Eine Zusammenarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung mit Reconquista Internet / Hassmelden

Die Meldestelle Hassmelden wurde eingestellt. Grund dafür ist die Menge an täglichen Meldungen, welche von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen nicht mehr bearbeitet werden kann.