Heiliges Jahr 2025
Auf den Spuren des Glaubens
Rom ist in diesem Jahr aufgrund des "Heiligen Jahres" ein großer touristischer Anziehungspunkt. Papst Franziskus hatte das "Heilige Jahr" unter das Motto "Pilger der Hoffnung" gestellt.
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Heilige Orte und heilige Zeiten hat es für religiös ausgerichtete Menschen immer schon gegeben. Und selbst in der säkularen Gesellschaft werden besondere zeitliche Anlässe begangen, wie zum Beispiel der Jahrestag der Gründung einer bedeutenden Institution oder im persönlichen Leben der eigene Geburtstag. Dabei geht es immer um den Rückblick auf die guten Ursprünge und die gute Entwicklung von den Anfangstagen bis zum Zeitpunkt des Jubiläums. Wenn nun die katholische Kirche für das Jahr 2025 ein „Heiliges Jahr“ ausgerufen hat, so geht es letztlich um das Gleiche, nämlich um die guten Ursprünge des Christentums, wenn man sich auf die Wiederkehr der Geburt Jesu Christi bezieht.
Einen gewissen Anhaltspunkt hat das „Heilige Jahr“ schon im Alten Testament, wenn in Lev 25,8-55 von einem biblischen Erlassjahr (genannt „Jobeljahr“) alle 50 Jahre die Rede ist, dem Jahr eines gebotenen Schuldenerlasses und des Besitzausgleichs an Land. Innerhalb der katholischen Kirche aber bekommt dieses Jubeljahr unter Papst Bonifatius VIII. ab dem Jahr 1300 eine andere, eine spirituelle Ausrichtung: Es geht darum, der Geburt Christi zu gedenken. Mit ihm beginnt eine neue Ära, die Gott selbst eingeleitet hat, um den Menschen in eine neue Wirklichkeit zu führen, ihn von Sünde und Tod zu befreien und ihm die Himmelstür zum ewigen Leben aufzustoßen. Bis sich der Rhythmus herausgebildet hatte, alle 25 Jahre ein „Heiliges Jahr“ auszurufen, verging eine gewisse Zeit, denn erst Papst Paul II. setzte das entsprechend im Jahr 1470 fest.
Die "Heilige Pforte" im Petersdom ziert Tafeln mit biblischen Motiven, die die Geschichte der Menschheit erzählen. Papst Franziskus eröffnete das „Heilige Jahr“ mit der Öffnung der „Heiligen Pforte“ des Petersdoms am Heiligen Abend 2024.
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Startschuss an Heiligabend
Offiziell eröffnete Papst Franziskus das „Heilige Jahr“ mit der Öffnung der „Heiligen Pforte“ des Petersdoms am Heiligen Abend 2024. Dieser Ritus wurde erstmals im Jahr 1500 eingeführt, und gilt bis heute als Startpunkt des „Heiligen Jahres“, das dann ein Jahr später mit der Schließung dieser Pforte wieder beendet wird. In Rom gibt es weitere „Heilige Pforten“ in drei weiteren Patriarchalbasiliken, nämlich in Santa Maria Maggiore, San Giovanni in Laterano und in San Paolo fuori le Mura.
Wenn nun während des „Heiligen Jahres“ Pilgergruppen aus allen möglichen Ländern nach Rom kommen, ziehen sie, ausgehend von der Nähe der Engelsburg, betend und singend hinter einem Kreuz her in Richtung Eingang des Petersdomes, wo sie die „Heilige Pforte“ durchschreiten. Den Gläubigen wird dann die Möglichkeit gegeben, zu beichten und an einer „Heiligen Messe“ teilzunehmen. Insofern sollen Wallfahrten nach Rom im „Heiligen Jahr“ den Glauben der Gläubigen stärken, ihnen die Möglichkeit geben, betend ihre Anliegen und Bitten vorzutragen, um so gestärkt die Rückreise in ihren Alltag anzutreten. Pilgern heißt, sich aufmachen, den Lebensweg „glaubend unter die Füße“ zu nehmen, um dann an einem heiligen Ort einzutreten, wo die Gegenwart Gottes greifbarer wird als im gewöhnlichen Alltag. Die Füße lernen beim Pilgern gleichsam das Beten, sie bringen einen voran bis zum Heiligtum, um dort auf neue Weise Gott im Gebet zu begegnen. Gebet ist letztlich eine Beziehungswirklichkeit zwischen Gott und dem Menschen, das Vertiefen und Intensivieren eines Austausches zwischen der irdischen und der himmlischen Sphäre. Und im Gebet erfährt der Mensch die Geborgenheit in Gott, die ihn mit neuer Gelassenheit für den Alltag ausrüstet.
Das „Heilige Jahr“ bietet eine Gelegenheit, den Glauben zu vertiefen. Gleichzeitig ist es für Christen eine Möglichkeit, durch das Pilgern ihren Glauben zu bezeugen. Dabei soll das Pilgern zeigen, was das „wahre Leben“ ist – also ein Leben im Glauben an Gott. Außerdem verweist es auf Jesus Christus, der den Menschen das ewige Leben versprochen hat. Das Pilgern wird hier also als eine symbolische Reise in Richtung Himmel verstanden.
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Sekretär der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum.