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Zu Ende gedacht?
AfD-Brandmauer-Diskussion beschäftigt Wirtschaft

Autorin/Autor: Dr. Claudia Schlembach

Die NGO "Campact" und ihr Thinktank TTRex analysieren Methoden aus dem Bereich des Rechtsextremismus. Beobachtet man das Vorgehen bei ihren Kampagnen, hat man den Eindruck, sie setzen diese Erkenntnisse selbst ein. Deutlich wurde das in der Art und Weise, wie mit dem dm-Geschäftsführer Christoph Werner umgegangen wurde.

Christoph Werner, Geschäftsführer der Drogeriemarktkette dm: „Ich lasse mich nicht unter Druck setzen.“

Christoph Werner, Geschäftsführer der Drogeriemarktkette dm: „Ich lasse mich nicht unter Druck setzen.“

© Martin Debus/Adobe Stock

„Campact“ ist eine der größten und schlagkräftigsten Kampagnen-Organisationen in Deutschland. Mit E-Mail-Kontakten zu rund 4,25 Millionen Menschen hat diese NGO (Non-Governmental-Organisation) einen werthaltigen und schnell aktivierbaren Verteiler: Damit erreicht sie 7,1 Prozent der rund 60 Millionen Wahlberechtigte. Bekannt wurde ihr Einsatz 2014 im Kontext des Transatlantischen Handels- und Partnerschaftsabkommen TTIP, als „Campact“ das Chlorhuhn zum Wappentier der Gegner stilisierte. Die Handelspolitik ist heute abgelöst durch Kampagnen zu Klimaschutz, Energiepolitik und Rechtsextremismus. Eine kleine, feine Auswahl mit hohem Mobilisierungspotential. 

TTRex, der Thinktank von „Campact“, soll aus der Analyse rechtsextremer Aktivitäten heraus wissenschaftlich fundierte Ideen für “Campact”-Kampagnen liefern. “Das Verbreiten von Desinformationen”, so fand das Team heraus, erfülle zwei Funktionen: "Einerseits sollen politische Gegner gelähmt und die eigene Klientel mobilisiert werden, andererseits dient sie als Nebelkerze, um Machtmissbrauch oder gar eine Machtübernahme zu kaschieren. Um effektiv mit Desinformationen zu arbeiten, sind eigene Kommunikationskanäle zentral.“ Was wird aus dieser Erkenntnis im Lauf einer Campact-Kampagne? 

Brandmauer-Diskussion in der Wirtschaft

Ein Beispiel: Der Verband der Familienunternehmen hatte kürzlich angekündigt, mit Abgeordneten der AfD ins Gespräch kommen zu wollen (von einer Zusammenarbeit war übrugens nicht die Rede). Rossmann erkärte daraufhin seinen Austritt aus dem Verband. “Campact” forderte die Drogeriemarktkette dm auf, sich zur Brandmauer zu bekennen und schrieb auf Facebook: „dm bleibt Mitglied und verteidigt den Verband“. Tatsächlich aber hatte dm bereits vor der Ankündigung seine Mitgliedschaft gekündigt Die Aktivierung von potentiell 4,25 Millionen Menschen lief damit ins Leere. Klar wurde jedoch: Die Brandmauer-Diskussion ist in der Wirtschaft angekommen. 

Wer hat die Macht über den Diskurs?

Und die Diskussion wird dort geführt, manche zeigen unternehmerischen Pragmatismus und folgen dem Wettbewerbsgedanken, einfach besser sein zu wollen. Andere sind skeptisch und wollen sich nicht in diese Debatte begeben. Dabei ist sie auf dieser Ebene lehrreich für uns alle. Hier werden keine Mandate und Regierungsaufträge vergeben. Unternehmer können sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen und trotzdem den Dialog – auch mit Vertretern der AfD – nicht ausschlagen. 

Christoph Werner sagt in der TV-Talksendung Markus Lanz am 4. Dezember: „Ich glaube grundsätzlich, dass Entwicklung nur möglich ist, wenn wir einen Diskurs haben. Wenn wir jetzt anfangen zu sagen, mit gewissen Parteien diskutieren wir grundsätzlich nicht, wenn wir anfangen, Sprechverbote zu erteilen, dass man gewisse Begriffe nicht mehr sagen darf - dann geben wir denen, die wir ausschließen wollen, eine unglaubliche Macht über unseren eigenen Diskurs. Und das ist nicht klug“.

Darauf eine Drohkulisse aufzubauen, dass man dann eben „in eine andere Drogerie gehe“, das steht auf einem weiteren Plakat, ist zutiefst autoritär. „Campact“ – mit TTRex im Hintergrund – sollte es besser wissen, denn sie haben als weitere extreme Methode extrahiert: „Unterdrückung von Kritik und Widerspruch: Auch die kritische Zivilgesellschaft wird attackiert, indem ihr rechtlicher Status geschwächt und ihre Finanzierung erschwert wird. Angriffe erfolgen heute oftmals nicht durch unmittelbare Gewalt, sondern durch die Androhung von Klagen, Steuerprüfungen oder Shitstorms gegen Einzelpersonen.“ 

„Ich lasse mich nicht unter Druck setzen“

Christoph Werner hat zu der Aufforderung von „Campact“ ganz klar Stellung bezogen. „Ich lasse mich nicht unter Druck setzen.“ Er meinte damit eben diese „nicht legitimierte“ Organisation, ohne sie zu nennen. Zu den eigenen Werten stehen, an diesen Anforderungen zu wachsen, das eigene Unternehmen zu schützen, indem man unbeugsam bleibt – das ist ein Weg mit der Situation umzugehen. TTRex hat dieses Verhalten nicht als rechtsextremes Vorgehen analysiert. 

Ein aktuelles Zitat aus prominentem Mund genau betrachten und auf seinen ökonomischen Gehalt prüfen: Das wollen wir mit unserer Reihe „Zu Ende gedacht?“ Wir analysieren regelmäßig, welche Botschaften Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft senden – und welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen.

Ein aktuelles Zitat aus prominentem Mund genau betrachten und auf seinen ökonomischen Gehalt prüfen: Das wollen wir mit unserer Reihe „Zu Ende gedacht?“ Wir analysieren regelmäßig, welche Botschaften Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft senden – und welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen.

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Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Wirtschaft und Finanzen
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