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Asylpolitik/5
Der bayerische Weg für eine gelingende Integration

Autorin/Autor: Joachim Herrmann, MdL

Migration gelingt nur, wenn die Leistungsgrenzen der Aufnahmegesellschaft berücksichtigt werden. Um Integration zu erleichtern, stellt Bayern umfassende Angebote wie Beratung, Sprachförderung, Arbeitsmarktintegration und Wertevermittlung für Geflüchtete zur Verfügung.

Copyright: Davide Angelini/AdobeStock

Migration gelingt nur bei einer erfolgreichen Integration – und das setzt ausreichende Ressourcen sowohl für die zugewanderten Menschen als auch für die Gesellschaft insgesamt voraus. Klar ist damit: Es gibt Leistungs- und Integrationsgrenzen bei Staat, Kommunen und Gesellschaft. Diese sind dabei allerdings keine festen und unveränderbaren Größen, sondern abhängig von den individuellen Voraussetzungen der Migrantinnen und Migranten, der Akzeptanz, Offenheit und Unterstützung der Aufnahmegesellschaft sowie den strukturellen Rahmenbedingungen. Dieser Beitrag setzt sich deshalb auch intensiv mit dem Integrationsverständnis und den Integrationsmaßnahmen der Bayerischen Staatsregierung auseinander, damit Integration bewältigt werden kann. 

Begrenzte Ressourcen bei Migration und Integration

Wie ein Staat und seine Gesellschaft mit Geflüchteten umgeht, ist ein Gradmesser dafür, wie human sie ist. Gleichwohl darf verantwortlich handelnde Politik bei der Auseinandersetzung mit den Themen Migration und Integration die Realität nicht ausblenden: Die Vorstellung, gesellschaftliche Mittel stünden unbegrenzt zur Verfügung, ist ein Trugschluss. Unsere Ressourcen sind begrenzt – personell, infrastrukturell, finanziell und in der Bereitschaft zur gesellschaftlichen Solidarität. Deshalb ist ein verantwortungsbewusster und vorausschauender Umgang mit diesen Ressourcen unerlässlich.

Eine vorausschauende Migrations- und Integrationspolitik muss daher die Begrenztheit vorhandener Ressourcen berücksichtigen. Nur so lassen sich Überlastungen vermeiden, die Handlungsfähigkeit sichern und nachhaltige Integrationsperspektiven schaffen. 

Prägnant zusammengefasst hat diese Tatsache der damalige Bundespräsident Dr. Joachim Gauck bereits im September 2015, als er sagte: „Unser Herz ist weit. Doch unsere Möglichkeiten, sie sind endlich.“

Konkret zeigt sich die Endlichkeit der Möglichkeiten bei Migration und Integration etwa in folgenden Bereichen: Ausländerbehörden, Träger von Integrationskursen und Beratungsstellen benötigen ausreichend Personal. Migration wirkt sich auch auf die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur aus, beispielsweise auf Wohnraum, Kindertagesstätten und Schulen. Nicht zu vergessen sind außerdem die finanziellen Auswirkungen: Allein die Unterbringung und Versorgung von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern belastete den bayerischen Staatshaushalt im Jahr 2025 mit über 2,3 Milliarden Euro – die Kosten für Integrationsmaßnahmen und die allgemeine Infrastruktur, zum Beispiel für Kitaplätze und Beschulung – sind darin noch nicht enthalten.

Hinzu kommt, dass viele Ehrenamtliche aufgrund des hohen Zugangs zugewanderter Menschen der letzten Jahre erschöpft sind. Einige von ihnen haben deshalb trotz großem Idealismus und mit schwerem Herzen ihr Engagement der letzten Jahre beenden müssen. Diese Entwicklung bereitet mir Sorge, denn die Bewältigung der Herausforderungen bei der Integration, insbesondere vor Ort in den Kommunen, ist nur im engen Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamtlichen möglich.

Auch eine gesamtgesellschaftliche Bereitschaft zur Unterstützung von Integration ist eine unverzichtbare Ressource für das Gelingen von Integrationsprozessen, die wir stets im Auge behalten müssen. Denn nach dem bei uns verankerten Grundsatz des Förderns und Forderns erwarten wir nicht nur, dass zugewanderte Menschen unsere Werte und Gesetze respektieren, sich aktiv einbringen und ihren Teil zu einer erfolgreichen Integration beitragen. Es ist wichtig, sie dabei auch mitzunehmen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich einzubringen. Das umfasst die Akzeptanz, die Offenheit und das Bemühen der Bevölkerung gegenüber Zugewanderten und deren Integration in die Gesellschaft. Diese Ressourcen sind jedoch ebenfalls begrenzt und dürfen nicht überstrapaziert werden. Denn wenn der gesellschaftliche Rückhalt nachlässt oder gar in Ablehnung und Vorurteile umschlägt, erschwert das alle Integrationsbemühungen erheblich.

Leistungs- und Integrationsgrenzen frühzeitig erkennen und entsprechend reagieren

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, Leistungs- und Integrationsgrenzen frühzeitig zu erkennen. Nur wer das durch die verfügbaren Ressourcen abgesteckte Handlungsfeld kennt, kann Überlastung und Überforderung wirksam verhindern. Dazu gehört es, alle Bereiche und die dort jeweils vorhandenen Ressourcen systematisch in den Blick zu nehmen: Unterbringung, Versorgung, Wohnraum, Kindertageseinrichtungen und Schulen, Arbeit, Gesundheit sowie das ehrenamtliche Engagement. 

Für mich ist der beste Weg, Integrationsgrenzen und drohende Überlastung frühzeitig zu erkennen, der fortlaufende Dialog mit den Praktikerinnen und Praktikern vor Ort. Besonders wertvoll für mich ist daher der regelmäßige Austausch mit Landrätinnen und Landräten, Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeistern. Diesen Dialog zum Thema Migration pflege ich kontinuierlich. Auch die regelmäßigen Vernetzungstreffen der Integrationslotsen geben mir Aufschlüsse, welche konkreten Probleme bei den vielen ehrenamtlich Tätigen anbranden.

Den Hilferuf der Kommunen, aber auch der Wohlfahrtsverbände und Ehrenamtlichen haben wir in Bayern daher schon sehr frühzeitig vernommen und uns mit zahlreichen Initiativen bei der Bundesregierung für eine grundlegende Kurskorrektur eingesetzt.

Asyl- und Migrationswende als Voraussetzung für Integration

Dabei galt und gilt stets: Bayern ist ein weltoffenes Land und das Asylrecht ist ein Eckpfeiler unserer freiheitlichen Demokratie. Wer als individuell politisch Verfolgter Schutz und Hilfe wirklich braucht, wird bei uns Humanität und Solidarität erfahren. Gleichzeitig tragen wir eine doppelte Verantwortung: Für die einheimische Bevölkerung ebenso wie für die Schutzbedürftigen. Deshalb gilt es, eine Überlastung von Staat, Kommunen und Gesellschaft zu verhindern. Deutschland kann – wie bereits dargestellt – nicht unbegrenzt Menschen aus aller Welt aufnehmen. Um die Funktionsfähigkeit des Asylverfahrens dauerhaft zu sichern, muss klar zwischen jenen unterschieden werden, die Anspruch auf Schutz in Deutschland haben, und jenen, die diesen Anspruch nicht besitzen und daher keine Bleibeperspektive erhalten und unser Land wieder verlassen müssen.

Damit die Integration der vielen bleibeberechtigten Menschen in unsere Gesellschaft gelingt, sind eine Steuerung und Begrenzung der irregulären Zuwanderung unerlässlich. Nach Jahren hoher Zugänge hat die neue Bundesregierung deshalb die längst überfällige Asylwende eingeleitet. Diese ist auf Landes- und Bundesebene bereits in vollem Gange. So konnte der Zugang von Asylbewerberinnen und -bewerbern nach Bayern bereits um rund 57 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig wurde die Zahl der Abschiebungen in Bayern im Jahr 2025 um rund 21 Prozent erhöht. Konkret bedeutet das: Es wurden 3.649 Rückführungen durchgeführt. Hinzu kommen 15.764 freiwillige Ausreisen. Insgesamt stehen diesen rund 19.400 Aufenthaltsbeendigungen im Freistaat etwa 13.850 Neuzugänge von Asylbewerbern gegenüber. Damit ist es gelungen, dass mehr ausreisepflichtige Ausländer Bayern verlassen haben, als Asylbewerber neu angekommen sind.

Maßgeblich für diese positive Entwicklung ist das von der Bayerischen Staatsregierung gemeinsam mit der neuen Bundesregierung auf den Weg gebrachte Maßnahmenpaket. Es umfasst unter anderem verstärkte Grenzkontrollen und die Anordnung von Zurückweisungen, vermehrte Abschiebungen, die Beendigung aller humanitären Aufnahmeprogramme sowie die Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten.

Auch wenn die durch diese Maßnahmen bewirkte Entlastung vor Ort bereits spürbar ist, bleiben die Kommunen aufgrund der hohen Zugänge der vergangenen Jahre weiterhin stark belastet. So sind die Auswirkungen der Flüchtlingskrise 2015/2016 bis heute spürbar, als innerhalb kurzer Zeit hunderttausende Geflüchtete nach Deutschland kamen. Damals war es ein großer Kraftakt, diese Rekordzahl an Menschen angemessen unterzubringen und zu versorgen. Seit 2022 kommen zusätzliche Herausforderungen durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hinzu. Bayern hat sich diesen Herausforderungen stets gestellt und starke sowie effektive Strukturen aufgebaut, um sie erfolgreich zu bewältigen.

Verlässliche und leistungsstarke Strukturen

Um den durch die Endlichkeit an Ressourcen gesetzten Rahmen bestmöglich zu nutzen, haben wir im Freistaat Bayern verlässliche und leistungsstarke Strukturen im Bereich der Integration aufgebaut. 

Flüchtlings- und Integrationsberatung in Bayern

So steht Migrantinnen und Migranten mit der von uns geförderten Flüchtlings- und Integrationsberatung ein professionelles, bedarfsabhängiges und zielgruppenspezifisches Beratungsangebot zur Verfügung. Wir fördern mit derzeit rund 700 Stellen ein bayernweites Netz an Beraterinnen und Berater in Trägerschaft der Freien Wohlfahrt und der Kommunen. Es ergänzt die bundesgeförderte Migrationsberatung. Die Unterstützungsangebote tragen nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe durch Information, Aufklärung und gegebenenfalls Vermittlung an spezialisierte Stellen zur Eigenverantwortlichkeit, Alltagsbewältigung und Erstorientierung in Deutschland bei.

Integrationslotsen stärken das Ehrenamt

Die vielen ehrenamtlich Tätigen im Bereich Asyl und Integration unterstützt der Freistaat Bayern über die Förderung hauptamtlicher Integrationslotsinnen und -lotsen auf kommunaler Ebene. Die Lotsinnen und Lotsen sind kompetente und verlässliche Ansprechpartner und Netzwerker für Ehrenamtliche und in 93 von 96 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten im Einsatz. An die Lotsin oder den Lotsen vor Ort können sich Ehrenamtliche beispielsweise bei Fragen rund um die Themen Integration, Asyl und Ehrenamt wenden. Auch wer sich im Bereich Asyl und Integration neu ehrenamtlich engagieren möchte, erhält von den Integrationslotsen Informationen, Unterstützung und Vernetzungsmöglichkeiten.

Darüber hinaus wirken die Lotsinnen und Lotsen koordinierend und als Anlaufstelle für die verschiedenen Akteure im Bereich Asyl und Integration, zum Beispiel Bürgerinnen und Bürger, Initiativen, Verbände und Behörden. Sie stellen Transparenz über vorhandene Unterstützungsangebote her und beziehen die vor Ort aktiven Strukturen entsprechend ein.

Eine solche strukturelle Integrationsförderung schafft Verlässlichkeit; zugleich ist es uns in Bayern bisher gelungen, flexibel und bedarfsgerecht auf kurzfristige Ereignisse zu reagieren. So wurde bereits kurz nach Beginn des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine die Zahl der förderfähigen Beraterstellen in der Flüchtlings- und Integrationsberatung von 575 auf 650 erhöht, um dem gestiegenen Bedarf gerecht zu werden. Zudem wurde das Ehrenamt gestärkt, indem die Förderung für hauptamtliche Integrationslotsinnen und -lotsen deutlich erhöht wurde.

Integration in den Arbeitsmarkt als Schlüssel

Niemanden aus dem Blick zu verlieren, ist auch bei der Integration in Arbeit entscheidend. Denn einer Arbeit nachzugehen, ist einer der wichtigsten Schlüssel für eine erfolgreiche Integration in unsere Gesellschaft. 

Dabei geht es um mehr, als nur den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten: Wer arbeitet, fühlt sich gebraucht und kann sich einbringen. Am Arbeitsplatz kommen Menschen zusammen, tauschen sich aus und verfolgen gemeinsame Ziele. Solche Begegnungen bauen Vorurteile ab und verbinden die Menschen.

Neben dem Regelinstrumentarium der Bundesagentur für Arbeit, die für die Beratung und Unterstützung der Vermittlung Arbeitsuchender primär zuständig ist, sind hier auch zielgruppenspezifische Fördermaßnahmen zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund notwendig.

Im Freistaat Bayern ergänzen wir daher die Maßnahmen der Bundesagentur mit dem Einsatz von aktuell rund 100 Vollzeitstellen Jobbegleiterinnen und -begleitern sowie Ausbildungsakquisiteurinnen und -akquisiteuren für Flüchtlinge. Sie beraten und unterstützen anerkannte Flüchtlinge, Asylbewerberinnen und -bewerber und Geduldete mit guter Bleibeperspektive sowie bei Bedarf Menschen mit Migrationshintergrund und Integrationshindernissen nach einem ganzheitlichen Ansatz und vermitteln sie in Ausbildung oder Arbeit. Auch den Betrieben stehen sie als Ansprechpartner zur Verfügung.

Und der Erfolg bestätigt uns: Insgesamt gelingt die Integration in den bayerischen Arbeitsmarkt sehr gut. Bayern hat die bundesweit höchste Erwerbstätigenquote von Menschen mit Migrationshintergrund (Bayern: 75,5 Prozent; Bund 69,6 Prozent; Stand 2024) und die niedrigste Ausländerarbeitslosenquote (Bayern: 9,5 Prozent; Bund 15,0 Prozent; Stand 01/2026). Besonders erfreulich ist, dass Bayern auch bei ausländischen Frauen die niedrigste Arbeitslosenquote (Bayern: 10,4 Prozent; Bund 17,2 Prozent; Stand 01/2026) aufweist und sowohl die Beschäftigungsquote der Ukrainer (42,1 Prozent) wie auch der Personen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern (57,0 Prozent) in Bayern deutschlandweit am höchsten ist (Bund 37,5 Prozent beziehungsweise 51,0 Prozent; Stand: Hochrechnung 11/2025).

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Bayerischer Staatsminister des Innern: Joachim Herrmann, MdL
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