Zum Tod von Papst Franziskus
Der Pontifex baut jetzt Brücken im Himmel
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„Buona sera“ sagte Papst Franziskus am Abend seiner Wahl auf der Loggia von St. Peter in Rom am 13. März 2013. „Buona pasqua“ waren nahezu die letzten Worte des Papstes an die Öffentlichkeit am vergangenen Sonntag. Nun ist er tot, der Papst der – wie er selbst sagte – „vom anderen Ende der Erde“ kam. Franziskus hat in den Jahren seines Pontifikats eine heilsame Unruhe gestiftet. Als „Wirbelwind im Vatikan“ wurde er vielfach bezeichnet, als jemand, der mit der höfischen Konvention brach, um nahe bei den Menschen zu sein. Barrieren und andere Formen der Abgrenzung, Gitter und Mauern waren ihm ein besonders Übel, dass er in den zwölf Jahren seiner Amtszeit zu überwinden versuchte. Gräben des Hasses – nicht selten von anderen gegen ihn selbst gerichtet – wollte er ebenso überwinden wie die Abgründe von Krieg und Gewalt. So wird über dem ganzen Pontifikat ein Begriff gleichsam einem roten Faden stehen, das alles Handeln, alle Reden und allen globalen Einsatz – auch innerkirchlich – geprägt hat: Barmherzigkeit. Darum ging es ihm und danach lebte er, denn Franziskus wollte eine barmherzige Kirche nach innen und nach außen.
Papst Franziskus wird – bei den vielfältigen Themen und Initiativen, die sein Pontifikat prägten – als Friedens-Papst in die Geschichte eingehen, um eine Facette hervorzuheben. Vier Wochen nach seinem historischen Besuch im Heiligen Land waren es an Pfingsten 2014 Mahmoud Abbas von den Palästinensern und Israels Staatspräsident Shimon Peres, die gemeinsam mit Franziskus und dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, einen Olivenbaum des Friedens und der Verständigung in den vatikanischen Gärten pflanzten. Es waren die ungezählten Friedensappelle von Papst Franziskus für die Bürgerkriegsländer des afrikanischen Kontinents, gegen die Gewaltausbrüche in Lateinamerika, für den von Terror und Krieg gemarterten Nahen Osten. Und es waren die Bemühungen, Gesprächsfäden aufrechtzuerhalten, gerade auch mit Blick auf die Begegnungen von Franziskus mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und anderen Staatsoberhäuptern, denen der Papst – nicht vor laufenden Kameras – ins Gewissen redete. Frieden und Versöhnung, vor allem Vergebung, waren die entscheidenden Botschaften beim unvergessenen Besuch des Papstes im Irak. Dabei ging es ihm – wie bei vielen Reisen zuvor – um ein Verständnis zwischen den Religionen. Was Johannes Paul II. ab 1986 im Dialog der Religionen grundgelegt hatte, führte auch Franziskus fort. Hier ist an das Abu-Dhabi-Dokument mit dem sunnitischen Islam von 2019 zu denken, hinter das kein Religionsdialog mehr zurücktreten kann ebenso wie bei der Begegnung mit dem Oberhaupt des schiitischen Islam im irakischen Nadjaf. Aber auch der Einsatz für die Armen und Schwachen, vor allem die Flüchtlinge, ist in Erinnerung zu rufen, denn es war Franziskus, der noch vor der Flüchtlingskrise in Europa nach Lampedusa reiste und an die vielen Toten im Mittelmeer erinnerte. Die Kirche der Armen war seine Option, und die Kirche der Solidarität mit den Armen.
Franziskus und die Öffnung der Kirche
Gleichzeitig wird Franziskus mit der Weite seiner theologischen Prägung in die Geschichtsbücher eingehen. Programmatisch legte er seine Ideen im Schreiben „Evangelii gaudium“ bereits im November 2014 dar, mit dem er deutlich machte, die Enge des eigenen Kirchturms zu überwinden. Die verbeulte Kirche war ihm wichtiger als die Hochglanzkirche, das Füßewaschen an Gründonnerstag war ihm bedeutender in einem römischen Gefängnis als in einer prächtigen Kirche, eine synodale Kirche „mit Petrus und unter Petrus“ (also im Gemeinsamen mit dem Papst und auch in der Anerkennung der Hierarchie unter dem Papst) prägte ihn so intensiv, wie es die eigene Erfahrung der argentinischen Kirche unmittelbar in den Aufbrüchen des Zweiten Vatikanischen Konzils tat, als sich Bergoglio noch mitten im Studium befand und 1969 zum Priester geweiht wurde. Die historische Rede des Papstes zum 50. Jahrestag der Einsetzung der Weltsynoden am 17. Oktober 2015 war programmatisch: Die Kirche von morgen müsse – so die Überzeugung des Papstes – synodal sein und zwar so, wie es das Zweite Vatikanische Konzil eingeleitet hat. Diese synodale Kirche konnte die Welt erleben, 2023 und 2024 mit den Weltsynoden im Vatikan, Kardinäle, Bischöfe, Priester, Frauen, Ordensleute, Laiinnen und Laien saßen buntgemischt an runden Tischen, sich gegenseitig in die Augen schauend.
Das war Papst Franziskus: Nicht nur ein „Mann seines Wortes“ (Wim Wenders) sondern jemand, der dem anderen in die Augen schaute, der berührte, der sich wirklich für das Gegenüber interessierte. Der Pontifex maximus, der oberste Brückenbauer wie der altehrwürdige Titel heißt, baut jetzt Brücken im Himmel – und hoffentlich zwischen Himmel und Erde.
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