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Sebastián Piñera und Alejandro Guillier
Stichwahl in Chile

Ersteller: Jorge Sandrock

Wie erwartet, konnte bei der Präsidentschaftswahl in der ersten Runde keiner der acht Kandidaten eine absolute Mehrheit erreichen. Eine Stichwahl am kommenden Sonntag, 17. Dezember 2017, wird entscheiden, welcher von den beiden bestplatzierten in den Regierungspalast La Moneda einziehen wird.

Am 17. Dezember 2017 entscheidet eine Stichwahl, wer als Präsident in den Regierungspalast La Moneda einziehen wird.

Am 17. Dezember 2017 entscheidet eine Stichwahl, wer als Präsident in den Regierungspalast La Moneda einziehen wird

falco;CCO;Pixabay

Der Favorit

Sebastián Piñera, Kandidat des konservativ-liberalen Bündnisses Chile Vamos, erreichte am 19. November 2017 einen Stimmanteil von 36,64 Prozent. Dennoch verfehlte er sein Ziel, bereits im ersten Wahlgang 40 Prozent der Stimmen zu erhalten. Er bekam 700.000 Stimmen weniger als beim ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl 2009, bei der er als Sieger hervorging.

Das Wahlprogramm von Sebastián Piñera sieht umfangreiche Reformen vor, welche das Renten- und Bildungssystem sowie die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt betreffen. Piñera setzt sich dafür ein, den Beitrag der Arbeitgeber zur Rentenversicherung zu erhöhen, damit die Renten steigen. Auf Studiengebühren soll teilweise verzichtet werden.
Um die Wirtschaft anzukurbeln und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen, will er eine Steuer-, Verwaltungs- und Arbeitsrechtsreform durchführen, kleine und mittelständische Unternehmen sollen gestärkt werden.

Sebastián Piñera wird bei der Stichwahl am 17. Dezember auf den zweitplatzieren Senator Alejandro Guillier treffen.
Nach den bisherigen Umfragen hat Sebastián Piñera gute Aussichten, gegen Alejandro Guillier mit 50,6 Prozent zu 49,4 Prozent zu gewinnen.

Viele Chilenen sind unzufrieden und wünschen sich Reformen

Viele Chilenen sind unzufrieden und wünschen sich Reformen

SimonSteinberger;CCO;Pixabay

Der Gegenspieler

Für den Kandidaten der Regierungskoalition, Senator Alejandro Guillier, stimmten in der ersten Wahlrunde 22,68 Prozent der Wähler. Dieses schlechte Abschneiden Guilliers ist insbesondere auf die geringe Zustimmung zur Politik der noch amtierenden Präsidentin Michelle Bachelet zurückzuführen. Beobachter verweisen darauf, dass Bachelet oft am Volk vorbei regiert habe. Das habe zu einer Wechselstimmung innerhalb der Wählerschaft geführt.

Eine neue Verfassung, die gleichgeschlechtliche Ehe und das Abtreibungsgesetz sowie die Reform des Wahlgesetzes standen ganz oben auf der Prioritätenliste von Bachelet.

Die Chilenen gaben in Umfragen jedoch immer wieder an, dass sie sich Änderungen wünschten in der Sicherheitspolitik, im Gesundheits- und Bildungswesen sowie bezüglich der Arbeitsbedingungen und -plätze.
Guiller möchte die Reformen der Regierung Bachelet fortsetzen. Auch er setzt sich dafür ein, die Verfassung zu erneuern und die gleichgeschlechtliche Ehe einzuführen. Er beabsichtigt, die Studiengebühren komplett abzuschaffen. Guiller befürwortet eine staatliche Rentenkasse als Gegengewicht zum privaten Rentensystem. Als weitere künftige Aufgabe nennt er den Ausbau der Digitalisierung. Kleine und mittelständische Unternehmen sollen gefördert werden.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl

Mehr als 14,5 Millionen Chilenen waren am 19. November aufgerufen, einen Nachfolger für Präsidentin Michelle Bachelet zu bestimmen, die nicht mehr zur Wahl stand.
Wie bei den vorangegangenen Wahlen war die Beteiligung mit 46,1 Prozent sehr gering.
Insgesamt sammelten acht Kandidaten die erforderliche Anzahl an Unterschriften für eine Kandidatur.

Viele Chilenen sind unzufrieden und wünschen sich Reformen

Soziale Ungleichheit spiegelt sich im Stadtbild von Santiago de Chile

SimonSteinberger;CCO;Pixabay

Für die beiden großen Parteibündnisse Nueva Mayoría (Regierungskoalition) und Chile Vamos (Opposition) traten Senator Alejandro Guillier bzw. der ehemalige Staatspräsident (2010 bis 2014) Sebastián Piñera an. Die Journalistin Beatriz Sánchez kandidierte für das linksgerichtete neue Bündnis Frente Amplio.
Als unabhängiger konservativer Kandidat ging der Abgeordnete José Antonio Kast ins Rennen. Die Christdemokraten stellten mit Senatorin Carolina Goic zum ersten Mal seit 1990 eine eigene Kandidatin auf, also nicht gemeinsam mit Sozialisten, Sozialdemokraten und Radikalen.

Von der Partido Progresista trat deren Vorsitzender Marco Enríquez-Ominami an. Außerdem kandidierten Senator Alejandro Navarro (Partido País) und Eduardo Artes (Unión Patriótica), deren Chancen auf einen Wahlsieg von vornherein aussichtslos waren.

Wachsende Unzufriedenheit hat einer neuen Bewegung Auftrieb gegeben, die sich Frente Amplio (Breite Front) nennt. Sie ist dem links-liberalen Lager zuzuordnen. Präsidentschaftskandidatin war Beatriz Sánchez. Sie erreichte 20,28 Prozent der Stimmen und war die große Überraschung der ersten Runde der Präsidentschaftswahl. Viele Wähler aus dem linken Lager, die mit der Politik der traditionellen Parteien unzufrieden sind, unterstützten die 46-jährige Journalistin.

Der unabhängige konservative José Antonio Kast erreichte mit 7,92 Prozent ein respektables Ergebnis.
Bemerkenswert bei dieser Wahl war die Schwäche der Kandidatin und Vorsitzenden der Partido Demócrata Cristiano, Senatorin Carolina Goic. Mit 5,88 Prozent der Stimmen erlangte sie nur den fünften Platz. Senatorin Goic, trat zwei Tage nach der Wahl vom Vorsitz der Partei zurück.

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