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Heilige Zeiten - Welche religiösen Feste feiern Menschen in Deutschland?
Teil III: Das Fest Christi Himmelfahrt

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens gelingt umso besser, je mehr wir voneinander wissen. In einer kleinen Reihe wollen wir Unwissen mit Wissen begegnen und neugierig machen auf verschiedene Feste, die in Deutschland gefeiert werden. Heute: Christi Himmelfahrt.

Prozession in Tracht

Seit 370 n.Chr. wird Christi Himmelfahrt gefeiert. Bei der sogenannten „Öschprozession“, ziehen, wie hier in Rottweil, noch heute die Gläubigen hinaus in Feld und Flur und bitten um Gottes Beistand für eine gute Ernte.

Berthold-Hildebrand

Von Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., wird der Satz überliefert: „Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt.“ Ausdruck dieser vielen Wege ist eine bunte Vielfalt religiöser Feste, die Menschen auf ihren Wegen zu Gott in ihren jeweiligen religiösen Gemeinschaften feiern. Auch bei uns in Deutschland, hier in Bayern.

Nun ist das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens keine Selbstverständlichkeit. Das zeigt ein Blick in viele Länder dieser Erde. Es wird aber auch deutlich, dass das friedliche Zusammenleben besser gelingt, wenn mehr Menschen über den Glauben anderer Bescheid wissen. Denn Unwissenheit weckt Angst und schürt Vorurteile.

Dem will die Hanns-Seidel-Stiftung vorbeugen, in dem sie in loser Folge religiöse Feste vorstellt und erklärt, was und warum es gefeiert wird. Dafür haben wir Vertreter der verschiedenen Glaubensrichtungen gebeten, uns von ihren Festen zu erzählen.

Im dritten Teil unserer Reihe über religiöse Feiertage geht es um das Fest Christi Himmelfahrt. Dieser Feiertag wird auch als "Thronbesteigung Jesu" oder "Rückkehr Jesu Christi zu seinem Vater im Himmel" bezeichnet. Bekannt ist er auch als Vatertag.

„Ich bin bei euch alle Tage, an jedem Ort bis an das Ende der Welt.“

Christen in aller Welt feiern dieses Fest am 40. Tag der Osterzeit. Christi Himmelfahrt fällt deshalb immer auf einen Donnerstag. In der katholischen und evangelischen Christenheit ist das in diesem Jahr der 13. Mai. Was genau gefeiert wird und wie sich das Fest gestaltet, erklärt uns der evangelische Pfarrer Thomas Drumm:

Thomas Drumm ist evangelischer Pfarrer und Geistlicher Begleiter. Regelmäßig ist er in Sendungen des Rundfunks (zurzeit bei hr4) zu hören. Seit sechs Jahren leitet er die Akademiker-SMD. Die SMD ist ein deutschlandweites Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf.

Thomas Drumm ist evangelischer Pfarrer und Geistlicher Begleiter. Regelmäßig ist er in Sendungen des Rundfunks (zurzeit bei hr4) zu hören. Seit sechs Jahren leitet er die Akademiker-SMD. Die SMD ist ein deutschlandweites Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf.

© mitch-rue.de

"40 Tage nach seiner Auferstehung ist Jesus in den Himmel aufgefahren. Man darf sich das allerdings nicht als ein göttliches Raumfahrtprogramm vorstellen. Denn Gott wohnt weder hinterm Mond noch in den Weiten des Universums. Himmel ist hier ein anderes Wort für das Reich Gottes – eine Dimension und Wirklichkeit, die unseren Augen verborgen ist. Jesus wird, so heißt es in der Bibel, von einer Wolke aufgenommen und den erstaunten Blicken seiner Freunde entzogen (Apostelgeschichte 1,9). Er kehrt zurück zu seinem Vater im Himmel.

Das tiefe Geheimnis von Himmelfahrt ist: Jesus geht weg, um uns nahe sein. Der irdische Jesus war den Grenzen von Raum und Zeit unterworfen. Er konnte nur an einem Ort gleichzeitig sein. Mit der Himmelfahrt wurde möglich, was Jesus seinen Nachfolgern verspricht: „Ich bin bei euch alle Tage, an jedem Ort bis an das Ende der Welt.“ (Matthäus 28,20)

Die Kirche feiert an Christi Himmelfahrt die „Thronbesteigung Jesu“. Sie bekennt: Letztlich regieren nicht Menschen die Welt. Auch keine bösen Mächte oder Viren, sondern Jesus ist der Herr der Welt. Mit diesem Bekenntnis ist die Hoffnung verbunden: Gottes Reich wird sich durchsetzen – eines Tages auch für alle sichtbar und erfahrbar, wenn Jesus wiederkommt (Apostelgeschichte 1,10-11). Bis dahin beten Christen: „Vater unser im Himmel, … dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Vielerorts begehen Christen das Fest Christi Himmelfahrt mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel auf Bergen, Wiesen oder an Seen – begleitet von Posaunenchören, Bands oder Gospelchören. Die katholische Kirche feiert mit Prozessionen in der freien Natur. Aus diesem Brauch entwickelte sich vermutlich im 19. Jahrhundert die Tradition „ausgelassener Herrenpartien“, wie sie bis heute am „Vatertag“ begangen werden. In Deutschland ist der Tag seit den 1930er-Jahren arbeitsfrei."

Das Fest Christi Himmelfahrt wird weltweit von 2,3 Milliarden Menschen gefeiert.

Gesprächspartner: Thomas Drumm ist evangelischer Pfarrer und leitet die Akademiker-SMD. Die SMD ist ein deutschlandweites Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf.

Kontakt
Leiter: Dr. Philipp W. Hildmann
L3: Kompetenzzentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog
Leiter:  Dr. Philipp W. Hildmann
Telefon: 089 1258-492
E-Mail: hildmann@hss.de