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COP28 in Dubai
UN-Klimagipfel startet mit der nächsten Verhandlungsrunde

Autorin/Autor: Silke Franke

Wie jedes Jahr wird dieses Großereignis mit Spannung erwartet, denn es gilt, die Verantwortung gerecht aufzuteilen. Nachfolgend ein kurzer Einblick in die „heißen Themen“, die auf der Agenda stehen.

  • Globale Bestandsaufnahme“ zur Begrenzung der Erderwärmung

  • „Globales Anpassungsziel“ an den Klimawandel konkretisieren

  • Dauerstreitpunkt um die Finanzierung

  • Partnerschaften für eine gerechte Energiewende

  • Die Tücken eines Energiesystemumbaus betreffen alle

  • Partnerschaft auf Augenhöhe notwendig


Der Klimawandel schreitet voran, bisherige Temperaturrekorde werden immer öfter gebrochen. 2023 wird wohl das wärmste Jahr seit der Industrialisierung. Vor acht Jahren hatte sich die internationale Staatengemeinschaft in Paris geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad - möglichst 1,5 Grad – zu halten, um damit gravierende Folgen abzuwenden.

Auch eine Delegation der HSS ist im Rahmen unseres „globalen Klima- und Umweltprojekts“ vor Ort.

Acht Jahre nach dem 'Paris Agreement' wird auf der Klimakonferenz in Dubai überprüft, wie man sich den selbst gesteckten Klimazielen genähert hat.

Acht Jahre nach dem 'Paris Agreement' wird auf der Klimakonferenz in Dubai überprüft, wie man sich den selbst gesteckten Klimazielen genähert hat.

DOERS; HSS; Adobestock

„Globale Bestandsaufnahme“ zur Begrenzung der Erderwärmung. Es reicht noch nicht.

In Dubai wird nun also offiziell Bilanz gezogen. Bisher ist klar: die selbst gesetzten Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen werden zu oft verfehlt. Wir sind weit entfernt von einem Pfad zum 1,5 Grad-Ziel -  derzeit schaut es eher nach 2,5 bis 2,9 Grad aus, wie der „Emissions Gap Report“ des UN-Umweltprogramms warnt.

Viele Staaten haben signalisiert, einen Beschluss über Ziele für den weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien (z.B. bis 2030 verdreifachen) und die Verbesserung der Energieeffizienz (verdoppeln) zu unterstützen. Auf der anderen Seite wäre aber auch ein Beschluss notwendig, wie mit Kohle, Öl und Gas umgegangen werden soll. Bislang konnten sich die Vertragsstaaten nämlich lediglich auf das schrittweise Herunterfahren von Kohle einigen. Heiß gerungen wird zwischen den Positionen von „phasing down“ (Ausstieg) und „phasing out“ (schrittweises Herunterfahren) sowie dem etwas unklaren Begriff „unabated fossiles“, mit wem wohl für fossile Brennstoffe eine Tür offengehalten werden soll, deren klimaschädliche Emissionen nicht in die Atmosphäre gelangen, sondern abgeschieden und z.B. im Boden gespeichert werden.

„Globales Anpassungsziel“ an den Klimawandel konkretisieren

Mit dem Fortschreiten der Klimakrise werden Anpassungsmaßnahmen immer wichtiger. Gerade das Jahr 2023 hat vor Augen geführt, wie verheerend die direkten und indirekten Folgen sind, wie Hitzewellen, Dürren, Brände und Überschwemmungen und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen für die Wassergewinnung, die Landwirtschaft oder die Gesundheit.

Das Globale Anpassungsziel (GGA - Global Goal on Adaptation), ebenfalls Teil des Pariser Abkommens, soll bei der Bewältigung helfen. Dabei geht es um eine Stärkung der Anpassungsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit (Resilienz) und die Verringerung der Verletzlichkeit (Vulnerabilität) gegenüber dem Klimawandel. Bislang ist das Arbeitsprogramm dazu nach Expertenmeinung allerdings noch ziemlich schwammig.

Dauerstreitpunkt um die Finanzierung

Durch den Klimawandel entstehen schon jetzt hohe Verluste und Schäden (Loss and Damages). Insbesondere die Entwicklungsländer und kleinen Inselstaaten drängen bei Verhandlungen darauf, dass sich Industrieländer als Hauptverursacher der Erderwärmung in Verantwortung sehen und finanzielle Unterstützung leisten. Die Etablierung des Fonds zum Umgang mit Schäden und Verlusten auf der Klimakonferenz 2022 in Sharm-el-Sheik galt daher als ein historischer Durchbruch. Doch es galt noch die genauen Modalitäten zu klären, etwa: Wer soll einzahlen und wie verpflichtend? Wer erhält das Geld („Entwicklungsländer“ oder „am wenigsten entwickelte Länder“)? Tatsächlich wurden nun gleich zu Beginn der COP in Dubai einige der heiß umkämpften Punkte zu glätten - alle Staaten sind eingeladen, in den Fonds einzuzahlen, ein Mindestanteil ist für die ärmsten Länder und kleine Inselstaaten reserviert.

JETP Just Energy Transition Partnerships: Partnerschaften für eine gerechte Energiewende

Ein viel versprechender Weg sind Partnerschaften mit Schwellenländern, um diesen insbesondere bei dem Ausstieg aus der Kohle und dem Ausbau erneuerbarer Energien zu Seite zu stehen.

Die erste derartige Finanzierungs-Kooperation wurde auf dem Klimagipfel 2021 in Glasgow präsentiert: Die Partnerschaft von Südafrika mit Deutschland, Frankreich, England, der EU und den USA. Es folgte eine zweite Tranche von Ländern, die Indien, Indonesien, Vietnam und Senegal umfasst, aktuell gibt es auch Gespräche mit den Philippinen. Länder, die ein sehr gutes Wind- und und Sonnenpotenzial aufweisen. Der Geberpool wurde inzwischen um multinationale und nationale Entwicklungsbanken sowie Entwicklungsfinanzierungsagenturen erweitert.

Neben der Mobilisierung von Kapital auch aus dem Privatsektor ist ein weiteres Ziel von JETPS, der Bevölkerung einen „gerechten Übergang“ zu ermöglichen. Denn in Südafrika beispielsweise wären zahlreiche Arbeitnehmer durch die Stilllegung von Kohlekraftwerken betroffen, was die wirtschaftliche und soziale Ungleichheit in dem Land weiter verschärfen würde.

Für viele Partnerländer ist es zudem besonders wichtig, den Energiebedarf im eigenen Land decken zu können. Daten der Weltbank zeigen, dass etwa in Ruanda und Senegal weite der Teile der Bevölkerung, v.a. in ländlichen Gebieten, keinen Zugang zu Stromversorgung haben. „Senegal“, erläutert Botschafter a.D. Prof. Dr. Heinrich Kreft in einem Online-Briefing zu dem Thema „ist außerdem sehr stark von Importen fossiler Energieträger abhängig und hat dadurch einen der höchsten Strompreise in Afrika“. In Südafrika gehört „Loadshedding“ - geplante, stundenweise Stromabschaltungen aufgrund massiver Energieengpässe - zum Alltag, wie auch unser in Johannesburg sitzende Projektleiter Südafrika, Hanns Bühler täglich erlebt.

Die Erschließung erneuerbarer Energien, so die Hoffnung, kann nicht nur ein Beitrag zur Dekarbonisierung leisten, sondern auch Menschen dezentral mit Energie versorgen und Arbeitsplätze schaffen.  

Die Tücken eines Energiesystemumbaus betreffen alle

Südafrika setzt dabei auch auf Wasserstoff und hat 2022 einen Strategieplan zur Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft vorgelegt („Hydrogen Society Roadmap“). Einen Einsatzschwerpunkt sieht das Land in der Industrie und in der Luftfahrt, aber auch im Export von Wasserstoff (H2) und Ammoniak – eine Option, die für Deutschland interessant ist: Grüner, also mithilfe erneuerbarer Energien erzeugter Wasserstoff, gilt als ein Baustein für die Energiewende. Deutschland wird einen Großteil des Bedarfs allerdings über Importe decken müssen.

Doch in einem Expertenbriefing der HSS im Vorfeld des Klimagipfels wurde auch deutlich, welche Hürden bei einer solchen Wasserstoff-Partner noch zu überwinden sind. Da sind etwa zunächst die infrastrukturellen Voraussetzungen zu schaffen. Auch in Europa, wie Dr. Ralf Wagner (Lead Market Analyst bei Uniper) erläuterte. Für den Transport per Schiff bzw. Pipeline wird H2 umgewandelt, etwa in Ammoniak oder Methan. In Europa braucht es dann entsprechende Schiffsanlegestellen samt Großanlagen für die Rückumwandlung sowie Gasleitungen für den Weitertransport, denn Wasserstoff (H2) und Flüssiggas (LNG) haben unterschiedliche technische Anforderungen.

Bei Wasserstoff sind auch weitere Faktoren zu berücksichtigen, die sich auf die Kosten und damit Wirtschaftlichkeit auswirken. Neben dem Energieeinsatz, der für die Produktion selbst notwendig ist, kommen hier auch relativ hohe Leitungsverluste und Verluste bei der Rückwandlung ins Spiel.

Ein weiterer Punkt ist der Wasserbedarf in den Produktionsländern: Für ein Kilogramm H2 werden etwa 9 Liter Wasser benötigt. Dabei leiden gerade sonnenreiche Länder oft besonders stark unter Wasserknappheit. Selbst Entsalzungsanlagen, die die Nutzung von Meerwasser erlauben, sind nicht unproblematisch, da die Rückleitung der Salzlauge Einflüsse auf die Umwelt mit sich bringt.

Chancen und Risiken einer internationalen Wasserstoffwirtschaft müssen ehrlich analysiert werden, wie dies etwas in einem Kooperations-Projekt am Hemholtz-Zentum Potsdam aktuell geschieht, informiert die wissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Charlotte Unger. Dies bestätigt auch Dr. Frank Umbach (u.a. Forschungsleiter European Cluster for Climate, Energy and Resource Security, King‘s College, London): „Es reicht nicht, alleine auf das Potenzial erneuerbarer Energien zu schauen, vielmehr muss das ganze Energiesystem berücksichtigt werden. Dies gilt für Europa, aber dies gilt erst recht für Afrika“. Der Experte weist auf weitere strategische Implikationen hin. So hätten viele afrikanische Staaten in den letzten Jahren noch massiv in Öl und Flüssiggas investiert und wollen diese entsprechend auch auf den Markt zu bringen. Für die  Einleitung der Energiewende hingegen fehlen Finanzmittel und Investoren.

Partnerschaft auf Augenhöhe notwendig

Auch die HSS beschäftigt sich mit dem Thema und hat mit Botschafterin Dr. Len Ishmael eine Expertin gewonnen, die sich in unsere Reihe „Aktuelle Analysen“ (Band 98) eingehend mit der Zusammenarbeit der EU und Afrika in Energiefragen befasst hat. In ihren Schlussfolgerungen stellt sie heraus: „Afrika braucht die EU, aber die EU braucht Afrika in gleichem Maße“. Sie plädiert dabei für eine Neuausrichtung der Beziehungen. Es dürfe nicht bei bloßen Ankündigungen bleiben, die EU müsse auch „bereit sein, Worten Taten folgen zu lassen“. Auch Hanns Bühler registriert in Südafrika, dass es für die Menschen dort zu lange dauert, bis bloße Interessensbekundungen für Projektpartnerschaften in konkrete, sichtbare Umsetzung mit Ergebnissen kommen: „Die Leute brauchen Lösungen - Unternehmen, die vor Ort investieren, die Arbeitsplätze schaffen. Und sie brauchen in erster Linie die Grundlagen, um zunächst den eigenen Energiebedarf decken zu können, ehe sie auch im größeren Stil an Export denken können“. Das heißt für ihn , dass das deutsche bzw. europäische Engagement - im eigenen Interesse - sensibel kommuniziert wird, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, andere Länder zur Energiewende zu drängen; im Fokus sollte die Schaffung von Arbeitsplätzen und Chancen auf beiden Seiten stehen.

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe muss auch bereit sein, die Interessen des Partners wahrzunehmen und für gleiche Wettbewerbsbedingungen zu sorgen. Vor dem Hintergrund ist auch die Brüsseler HSS-Kollegin Michelle Wiesner auf eine Überarbeitung der so genannten EU-Afrika-Strategie gespannt.

Kontakt

Leiterin: Silke Franke
Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum
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