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Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt.
Ehrenamt stärken – Hürden abbauen

Autorin/Autor: Kathrin Alte

Kathrin Alte überzeugt mit Ideen, erklärt, warum Hybridsitzungen und Kinderbetreuung entscheidend sind – und erzählt, weshalb sie bei der Initiative „Bavaria ruft“ ganz vorne mit dabei ist.

Kathrin Alte, 46 Jahre alt und ist seit 2020 Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Anzing. Ihre Gemeinde hat 4500 Einwohner und liegt 20 Kilometer vor den Toren der Landeshauptstadt. Beruflich war sie vor Amtsantritt Leiterin des Referats für Online-Kommunikation im Bayerischen Landtag und Persönliche Referentin von Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Sie ist verheiratet und Ihr Mann und sie haben zwei Kinder im Alter von 14 und 12 Jahren. Ein Herzensanliegen ist ihr das Rote Kreuz. Als Kreisvorsitzende des BRK im Landkreis Ebersberg kümmert sie sich um die Belange der Ehrenamtlichen.

Kathrin Alte

HSS: Wie haben Sie es geschafft, sich in einer von Männern dominierten politischen Welt durchzusetzen?

Kathrin Alte: Durchsetzen als Frau ist für mich keine Frage. Das muss jeder und jede im Beruf und in der Politik gleichermaßen. In der Politik geht es um Anliegen und Interessen: Was ist mir wichtig, was möchte ich verbessern und erreichen? Dafür braucht es in der Demokratie gleichgesinnte Verbündete und Mitstreiter. So habe ich Kommunalpolitik kennengelernt, nicht im Gegensatz von Männern und Frauen, sondern im Austausch und dem Finden von Kompromissen. Insoweit musste ich mich nicht als Frau „durchsetzen“, sondern im Wettbewerb der Ideen mit anderen. Und ja, in der Politik sind aktuell noch mehr Männer als Frauen aktiv, aber wie schon gesagt, jeder muss sich auf seinem Platz behaupten. 

HSS: Was muss sich ändern, um mehr Frauen in politische Ämter zu bringen? 

Kathrin Alte: Da haben wir zunächst die „üblichen Verdächtigen“: Die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und politischem Ehrenamt. Kernfrage bleibt: Wie machen wir das politische Ehrenamt möglich? Wie bauen wir die Hürden ab, die jetzt Frauen davon abhalten, zu kandidieren?

Das geht durch den weiteren Ausbau von unterstützenden Maßnahmen wie Kinderbetreuung rund um Sitzungen, bessere Sitzungszeiten oder Hybridsitzungen. Es muss für jeden Gemeinde- oder Stadtrat möglich sein, bei Bedarf, rechtssicher an Sitzungen teilnehmen zu können. Der „Bedarf“ ist dabei nicht nur bei Frauen hoch: Jeder, der beruflich oder ausbildungstechnisch nicht bei jeder Sitzung vor Ort sein kann, der Kinder oder Angehörige zu betreuen oder gesundheitlich ein Problem hat, sollte diese Möglichkeit haben. Und hier geht es ums Geld: Die Sitzungssäle in Bayern technisch aufzurüsten, kostet eine Menge, das sollte es uns aber mit Blick auf die Ehrenamtlichen, die sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen, wert sein. 

Zu den Rahmenbedingungen fürs Ehrenamt gehört aber auch, dass der Ton, der Umgang miteinander in den Räten stimmen muss und dass wir dort, wo es nicht funktioniert, es umgehend ändern müssen. Viele Frauen (und auch Männer) schreckt es ab, wenn nicht sachlich diskutiert wird, sondern es persönlich, ehrabschneidend oder verletzend wird. Ein klares Nein ist notwendig, auch zu Hass, Hetze und Sexismus, denen oftmals Kommunalpolitikerinnen online oder in der realen Welt ausgesetzt sind! 

Darüber hinaus passiert aktuell richtig viel: Vor einigen Monaten haben einige Bürgermeisterinnen und Landespolitikerinnen unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Ilse Aigner die parteiübergreifende Initiative „Bavaria ruft“ gegründet, um das Thema „Mehr Frauen in die Räte“ in Politik und Gesellschaft präsenter zu machen. Eine Demokratie ist nur so gut, wie sie die Gesellschaft repräsentiert: Nur 10 Prozent aller Bürgermeisterinnen im Freistaat sind weiblich und in den Räten haben wir oft nicht mal ein Drittel Frauen sitzen.

Wir haben bei „Bavaria ruft“ in Anlehnung an das Schweizer Vorbild „Helvetia ruft“ eine Strategie entwickelt, um bei der Kommunalwahl 2026 mehr Frauen zu ermutigen, als Gemeinderätin, Stadträtin oder Kreisrätin zu kandidieren.

  • Das geht beispielsweise über mehr Sichtbarkeit von erfolgreichen Kommunalpolitikerinnen. Wir zeigen Bürgermeisterinnen, aber auch gestandene Gemeinderätinnen in ihrer täglichen Arbeit und wir tun das beispielsweise mit einer bayernweiten „Roadshow“: Bei dieser Veranstaltung öffnen sich die Rathäuser und Landratsämter und die Verantwortlichen vor Ort zeigen wir auf, wieviel Spaß es machen kann, sich für seinen Ort, seine Heimat zu engagieren.
     
  • Weiterhin ist uns der Fokus auf die Themen in den Räten wichtig: Was wird denn da besprochen und entschieden? In keinem anderen Politikfeld kann man so viel direkt bewirken, das muss viel besser dargestellt werden.
     
  • Das „Empowerment“ von Frauen durch gezielte Ansprache und konkrete Unterstützung und ein wirklich breites Netzwerk an Mitstreiterinnen wie dem Landesfrauenrat oder dem katholischen Frauenbund zeigen in Workshops und Veranstaltungen, welche Chancen die Kommunalpolitik hat. Dazu gehört auch der Verweis auf das hervorragende Schulungsangebot der Hanns-Seidel-Stiftung speziell für angehende Kommunalpolitikerinnen. 

sunnychicka; istock

Über die Reihe: „Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt."

Die Vorbereitungen der Kommunalwahl 2026 sind im vollen Gange. In unserer neuen Reihe stellen wir engagierte Mandatsträgerinnen und Mandatsträger vor. Erfahren Sie, was sie motiviert und welche wertvollen Erfahrungen sie in ihrem Amt gesammelt haben.

Die Hanns-Seidel-Stiftung setzt sich dafür ein, dass mehr Menschen ein kommunalpolitisches Amt übernehmen. Wir unterstützen sie während des Wahlkampfs und machen das Engagement derjenigen sichtbar, die mit ihrem Einsatz Kommunalpolitik gestalten.

HSS: Was ist Ihrer Meinung nach der Schlüssel zu erfolgreicher Führung auf kommunaler Ebene?

Kathrin Alte: Authentisch bleiben, ehrlich und offen mit den Bürgerinnen und Bürgern reden, nichts versprechen, was man nicht halten kann, und Kommunalpolitik als gemeinsame Aufgabe begreifen: Es geht um den Ort, die Stadt, die Gemeinde und nicht um parteipolitische Dinge. 

Antwort als Video

Authentisch bleiben, ehrlich und offen mit den Bürgerinnen und Bürgern reden, nichts versprechen, was man nicht halten kann, und Kommunalpolitik als gemeinsame Aufgabe begreifen: Es geht um den Ort, die Stadt, die Gemeinde und nicht um parteipolitische Dinge.

Vielen Dank Frau Alte.

Kontakt

Kathrin Alte sitz an eine Schreibtisch in einem Büro und lächelt in die Kamera.
Extern
Bürgermeisterin