Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt.
Ein Dorf geht seinen Weg
Renate Schön ist seit 2008 in der Kommunalpolitik aktiv, zunächst im Oberallgäuer Kreistag und bis 2023 im schwäbischen Bezirkstag. Zudem engagierte sie sich viele Jahre ehrenamtlich im Kindergarten, in der Schule, in der Pfarrei, in der JU und in der CSU und gewann viel Lebenserfahrung bei der Erziehungsarbeit ihrer drei Kinder. Beruflich war sie als Industriefachwirtin in verschiedenen Unternehmen sowie als Büroleiterin im Wahlkreisbüro von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller, MdB, tätig. Seit 2020 ist sie Erste Bürgermeisterin von Wildpoldsried und engagiert sich mit Leidenschaft für das Gemeinwohl in ihrer Heimatgemeinde. Das Bild entstand beim Jubilare-Fest im Juni, zu dem sie alle Bürger von Wildpoldsried eingeladen hatte, die heuer ihren 80., 85. Geburtstag oder ihre Goldene Hochzeit feierten.
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HSS: Frau Schön, Wildpoldried ist als „Energiedorf“ berühmt geworden – was steckt konkret hinter diesem Titel?
Renate Schön: Die ersten beiden Windräder sind vor 25 Jahren ans Netz gegangen. Seitdem sind noch sieben Anlagen dazugekommen und bis 2028 erweitern wir den Windpark durch Repowering und Neubau nochmals erheblich. Alle Windkraftanlagen sind in Bürgerhand, das schafft Akzeptanz! Bei uns sind Bürger und Kommune gemeinsame Gestalter der Energiewende. Insgesamt wurden bisher mehr als 50 Mio. € in erneuerbare Energie aus Sonne, Wind und Biomasse bei uns in der Gemeinde investiert und 7 Mio. € Rendite erzielt. Die Gemeinde profitiert mit jährlichen Gewerbesteuereinnahmen von rd. 150.000 €. Wildpoldsried erzeugt mehr als acht Mal soviel Strom aus regenerativer Energie als wir selbst verbrauchen. Den Kommunalen Wärmeplan setzten wir bereits durch die Erweiterung unseres gemeindlichen Nahwärmenetzes (Biomasse/Pellets/Holzhackschnitzel) um.
HSS: Windräder und Biogasanlagen sorgen vielerorts für Proteste. Wie ist es Wildpoldsried gelungen, solche Projekte im Einvernehmen mit den Bürgerinnen und Bürgern umzusetzen – damals wie heute?
Renate Schön: Gute und transparente Kommunikation sind das A und O. Öffentliche Informationsveranstaltungen klären auf und laden zur Beteiligung ein. Wir schaffen jeweils Nutzen für alle Beteiligten. Ein Beispiel dafür sind die PV-Anlagen auf allen gemeindlichen Gebäuden. Die Gewinne von rund 50.000 € werden jährlich an die Vereine ausgeschüttet. Damit profitieren auch die Bürger, die weder eine eigene PV-Anlage auf dem Dach haben, an einem Windrad beteiligt sind oder nicht die Möglichkeit haben ans Wärmenetz angeschlossen zu sein.
Wildpoldsried wurde auch als Heimatdorf ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie persönlich und für die Dorfgemeinschaft?
Die Auszeichnung haben wir 2019 erhalten. 2022 haben wir unseren Claim der Gemeinde Wildpoldsried erweitert vom Energie- zum Energie- und Heimatdorf. Das ist mir persönlich außerordentlich wichtig. Unter dem Dach „Heimatdorf“ sind bestehende und neu geschaffene Angebote im Bereich Soziales und Kultur gebündelt.
Wir haben sehr viele Angebote, die das Leben „ein Leben lang lebenswert machen“. Zum Beispiel haben wir in unserem 2500-Einwohner-Dorf wöchentlich eine Pflegeberatung sowie alle 14 Tage ein Demenzcafé vor Ort. Die monatlichen Seniorennachmittage gehören zu den wichtigen Terminen. Kürzlich fand eine Jungbürgerversammlung statt. In direktem Austausch werden Themen und Wünsche besprochen.
HSS: Wie ist es für Sie als Bürgermeisterin, ein Dorf mit so viel Innovationskraft und Gemeinschaftssinn zu führen?
Renate Schön: Die bereits im Bereich der Energiewende bewiesene Innovationskraft ermutigte mich zusammen mit dem Gemeinderat einen ähnlich großen Tranformationsprozess im Bereich Wohnen anzustoßen.
Mit umfangreicher Bürgerbeteiligung haben wir als „LandStadt Bayern“ Modellkommune den Rahmenplan „Wohnoffensive Wildpoldsried“ erstellt. Dieses Konzept beinhaltet ein Potenzial 178 Wohnungen im Innenort. Damit wollen wir u.a. dem Thema Flächensparen und der demographischen Veränderung Rechnung tragen.
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