HSS NEXUS: Exkursion nach Brüssel
Europas Sicherheitsordnung im Umbruch: Young Leaders diskutieren die verteidigungspolitische Zeitenwende
Die Nexus-Young-Leaders vor dem Brüsseler Rathaus
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Die europäische Sicherheitspolitik steht vor einer Zeitwende und die nächste Generation gestaltet diese mit. Das HSS NEXUS Young Leaders Programm der Hanns-Seidel-Stiftung für Außen- und Sicherheitspolitik bringt Nachwuchsführungskräfte bei einer Exkursion in Brüssel zusammen, um NATO, EU-Institutionen und zentrale Akteure der Sicherheits- und Verteidigungspolitik aus erster Hand zu erleben und aktuelle Herausforderungen zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen Europas Sicherheitsordnung, die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit und Deutschlands Verantwortung im euro-atlantischen Bündnis sowie die Frage, wie Europa seine sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit ausbauen kann.
HSS NEXUS Young Leaders Programm: Nachwuchs für europäische Sicherheitspolitik
Seit September 2025 fördert die Hanns-Seidel-Stiftung mit HSS NEXUS ein Young Leaders Programm, das engagierte Nachwuchsführungskräfte aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Think Tanks und Industrie zusammenbringt. Ziel ist es, den sicherheitspolitischen Austausch in der Außen- und Sicherheitspolitik zu stärken. Nach virtuellen Hintergrundgesprächen mit dem HSS-Vorsitzenden Markus Ferber, MdEP, oder Thomas Erndl, MdB, verteidigungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und politischer Schirmherr von HSS NEXUS, inhaltlichen Diskussionsrunden mit sicherheits- und verteidigungspolitischen Experten sowie einigen Arbeitsworkshops bildete die Exkursion nach Brüssel den zentralen Höhepunkt des Programms.
Im NATO-Hauptquartier (hier vor dem NATO-Stern) diskutierten die Teilnehmenden des HSS-Nexus-Programms mit Botschafter Dr. Detlef Wächter über Europas Sicherheit und die künftige Rolle Deutschlands im Bündnis.
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Europäische Sicherheitsarchitektur im Wandel: Deutschlands Rolle zwischen NATO und EU-Verteidigungsfähigkeit
Unter dem Titel „Euro-atlantische Sicherheitspolitik und verteidigungspolitische Zeitenwende“ widmete sich die Exkursion des Young Leaders-Programms zentralen Fragen der aktuellen europäischen und transatlantischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie der Rolle Deutschlands in der europäischen Sicherheitsarchitektur. Thematisch standen die Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, die Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeit, Fragen der Rüstungskooperation, die Zukunft der transatlantischen Partnerschaft im Zentrum und zentrale sicherheitspolitische Herausforderungen für Europa in einer veränderten internationalen Ordnung. Damit verband die Brüssel-Exkursion institutionelle Einblicke mit der Diskussion konkreter Handlungsoptionen für deutsche und europäische Sicherheitspolitik.
EU-Verteidigungsfähigkeit und Krisenvorsorge: Einblicke in Europas sicherheitspolitische Agenda
Die Teilnehmenden besuchten in Brüssel auch das HSS-Europabüro vor Ort. HSS-Büroleiter Christian Forstner und sein Team gaben Einblicke in die Projekte und Schwerpunkte zu den aktuellen Entwicklungen in der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Vertiefende Insights erhielten die Teilnehmenden bei einem Gespräch mit einem Vertreter der AeroSpace and Defence Industries Association of Europe (ASD). Dabei standen sowohl die Arbeit des Verbands als auch die aktuelle Lage der europäischen Rüstungsindustrie im Fokus – von zentralen Herausforderungen über Kooperationsansätze bis hin zu strategischen Partnerschaften. Gleichzeitig hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, eigene Lösungsansätze und Perspektiven einzubringen.
Im Europäischen Parlament erhielten die Teilnehmenden Einblicke in unterschiedliche regionale Perspektiven auf europäische Sicherheits- und Außenpolitik.
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EU-Kommission: Katastrophenschutz, Verteidigungsindustrie und europäische Krisenvorsorge
Katastrophenschutz und humanitäre Hilfe (DG ECHO) sowie Verteidigungsindustrie und Weltraum (DG DEFIS) standen bei einem Besuch der EU-Kommission auf der Agenda. Die NEXUS-Mitglieder konnten sich einen Überblick verschaffen zu den Themen EU-Katastrophenschutzmechanismus, zur Europäischen Strategie für eine Union der Krisenvorsorge und zu den nächsten Schritten im Zivil- und Katastrophenschutz. Auch die verteidigungsindustriellen Programme der EU wurden den Teilnehmenden nahegebracht, insbesondere der Europäische Verteidigungsfonds, das neu aufgesetzte Europäische Verteidigungsprogramm (EDIP), das Instrument SAFE zur Finanzierung gemeinsamer Beschaffungsprojekte sowie aktuelle Diskussionen zum EU-Haushalt 2028-34. Diese Themen verdeutlichten, wie eng zivile Krisenvorsorge, industrielle Kapazitäten und europäische Verteidigungsfähigkeit miteinander verbunden sind.
Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU im Fokus
Im Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) stand die Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) der Europäischen Union im Mittelpunkt. Thematisiert wurden unter anderem das Weißbuch zur europäischen Verteidigung „Bereitschaft 2030“, das Omnibus-Vereinfachungspaket zur Stärkung der Verteidigungsbereitschaft, die EU-NATO-Kooperation und die Zukunft der Unterstützung für die Ukraine. Damit rückten auch zentrale Fragen der strategischen Souveränität Europas und der Zusammenarbeit zwischen EU und NATO in den Blick.
Die Teilnehmenden des HSS Nexus-Programms mit dem Stiftungsvorsitzenden Markus Ferber (Mitte) und Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung (rechts)
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Europas neue Sicherheitsverantwortung im Kontext globaler Umbrüche
Ein weiterer zentraler Programmpunkt der Exkursion war das Networking-Dinner zum Thema „Sicherheit der nächsten Generation: Wie wir den Kalten Krieg 2.0 überstehen“. Nach Impulsstatements von Ionela Ciolan, Research Officer beim Wilfried Martens Centre, zum Thema „Warum Europa einen eigenen Sicherheitsrat braucht“, Mihai Chihaia, Policy Analyst beim European Policy Centre (EPC), zum Thema „Förderung der militärischen Mobilität in Europa“ und Ceren Ergenc, Research Fellow beim Centre for European Policy Studies (CEPS) zum Thema „Chinas Anspruch auf eine neue Weltordnung“, hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, die Themen zu diskutieren und eigene Perspektiven einzubringen. Das Format bot dabei einen offenen Rahmen für den Austausch und Netzwerken zwischen HSS NEXUS-Mitgliedern und Experten aus unterschiedlichen institutionellen und fachlichen Umfeldern. m Mittelpunkt standen dabei sicherheitspolitische Zukunftsfragen, die für Europas Rolle in einer multipolaren Weltordnung entscheidend sind.
NATO-Hauptquartier: Deutschlands Rolle im euro-atlantischen Bündnis
Im NATO-Hauptquartier trafen sich die Teilnehmenden mit dem Ständigen Vertreter Deutschlands bei der NATO, Dr. Detlef Wächter. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Bedrohungslage in Europa infolge des russischen Angriffskrieges, der Schutz der NATO-Ostflanke, die Erhöhung der Verteidigungsausgaben, der Ausbau der Rüstungsindustrie sowie die neue Rolle Europas im Sinne einer stärkeren Verantwortung innerhalb des Bündnisses. Darüber hinaus wurden die Aufgabe Deutschlands innerhalb der NATO und seine strategischen Prioritäten besprochen. Weitere Gespräche im NATO-Hauptquartier ermöglichten den Teilnehmenden Einblicke in technologische Entwicklungen der modernen Kriegsführung – vor allem mit Blick auf KI, in hybride Aktivitäten Russlands und Chinas, aber auch in die Strategien der NATO zur Abwehr dieser Bedrohungen. Ergänzend wurden relevante Perspektiven zur zivil-militärischen Zusammenarbeit, Fragen der Gesamtverteidigung und „Lessons Learned“ aus der Ukraine thematisiert. Damit erhielten die Nachwuchsführungskräfte direkte Einblicke in zentrale sicherheitspolitische Prioritäten des Bündnisses.
Auf der Agenda der Young Leaders stand auch das Treffen mit dem HSS-Vorsitzenden Markus Ferber, MdEP, der über aktuelle politische Debatten und Entscheidungsprozesse im Europäischen Parlament berichtete.
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HSS NEXUS im Europäischen Parlament: Europäische Sicherheitsfragen und politische Handlungsempfehlungen
Im Europäischen Parlament fanden schließlich Gespräche mit Abgeordneten statt, die Einblicke in unterschiedliche regionale Perspektiven auf europäische Sicherheit und internationale Beziehungen gaben. Der Austausch trug zu einem tieferen Verständnis der vielfältigen europäischen Perspektiven auf die aktuellen sicherheits- und außenpolitischen Herausforderungen bei.
Ein besonderer Programmpunkt war zudem das Treffen mit dem HSS-Vorsitzenden Markus Ferber, MdEP, der über aktuelle politische Debatten und Entscheidungsprozesse im Europäischen Parlament berichtete. Im anschließenden Austausch stellten die Teilnehmenden die Schwerpunkte ihrer Arbeitsgruppen vor: (1) Fokus Transatlantische Beziehungen – Handlungsoptionen für mehr strategische Souveränität, (2) Fokus Hybride Bedrohungen – Hybride Kriegsführung und Deutschlands strategische Lücken und (3) Fokus Resilienzsteigerung von Wirtschaft und Privatsektor. Ziel des NEXUS Programms ist es, zu diesen relevanten Bereichen europäischer Sicherheit konkrete Handlungsempfehlungen für die deutsche Politik zu entwickeln und diese an politische Entscheidungsträger zu kommunizieren.
Fazit: Die Exkursion nach Brüssel machte deutlich: Europas Sicherheitspolitik steht vor grundlegenden Weichenstellungen, die politische Urteilskraft, internationale Vernetzung und konkrete Handlungsfähigkeit erfordern. HSS NEXUS verbindet diese Ebenen, indem das Programm Nachwuchsführungskräften direkte Einblicke in europäische und transatlantische Entscheidungsprozesse ermöglicht und sie zugleich ermutigt, eigene Beiträge zur deutschen und europäischen Sicherheitspolitik zu entwickeln.
Christian Forstner, HSS-Büroleiter in Brüssel (rechts) begrüßt zum Networking-Dinner, bei dem HSS NEXUS-Teilnehmende mit Expertinnen und Experten aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen Europas diskutierten.
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