Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt.
Frauen, traut euch!
Sie ist gelernte Kauffrau und entschied sich 1991, nach der Geburt ihrer Tochter Franziska, als eine der „letzten Exotinnen“, bewusst dafür, zuhause zu bleiben. Bereits ein Jahr zuvor, 1990, wurde sie in den Gemeinderat von Wielenbach gewählt. 1993 folgte das Amt der Dritten Bürgermeisterin, 1998 wurde sie zur Zweiten Bürgermeisterin ernannt. Bei den Kommunalwahlen 2002 zog sie in den Kreistag ein und wurde 2008 zur stellvertretenden Landrätin gewählt. 2014 kandidierte sie schließlich selbst für das Amt der Landrätin – und gewann die Stichwahl gegen acht Mitbewerber.
Andrea Jochner-Weiß
HSS: Was ist das Besondere am Amt einer Landrätin?
Andrea Jochner-Weiß: Landräte und Landrätinnen haben eine Doppelfunktion und somit eine besondere Position in der kommunalen Selbstverwaltung. Zum einen bin ich die gewählte politische Vertreterin des Landkreises und leite das Landratsamt als Kreisbehörde. Zum anderen führe ich die untere staatliche Behörde, die die Gesetze und Vorgaben des Freistaates Bayern und des Bundes vollzieht. Das Amt der Landrätin ist praktisch eine Mischung aus gewählter politischer Führung und staatlicher Verwaltung auf Kreisebene. So stehe ich an der Spitze des Landkreises und übernehme sowohl politische als auch administrative Aufgaben.
Ich bin also an Weisungen von Landes- und Bundesbehörden gebunden und muss die Beschlüsse des Kreistages vollziehen, habe aber auch einen großen Gestaltungsspielraum – und das ist das ganz Besondere an diesem Amt! Man kann nicht nur verwalten, sondern vor allem auch gestalten.
Bayern hat 71 Landkreise, aber nur 7 Landrätinnen! Das heißt, dass nur 10 % aller Landräte weiblich sind. Im Bezirksverband Oberbayern bin ich von 20 Landkreisen die einzige Frau. Und ich glaube, sagen zu dürfen, dass das schon etwas Besonderes ist und vor allem auch zeigt, dass wir dringend mehr Frauen in dieser Verantwortung brauchen.
HSS: Sie haben 2014 bei acht Mitbewerbern die Stichwahl gewonnen. Was war ihr Erfolgsrezept im Wahlkampf?
Andrea Jochner-Weiß: Es ist sehr schwer, sich selbst zu reflektieren, aber ich habe einen sehr intensiven Wahlkampf geführt, bei dem mir vor allem die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger am Herzen lagen. Meine langjährigen kommunalen Erfahrungen als zweite Bürgermeisterin und stellvertretende Landrätin sowie meine starke Verwurzelung in der Region haben mit Sicherheit auch eine große Rolle gespielt.
sunnychicka; istock
HSS: Was würden Sie anderen Frauen empfehlen, die in die Kommunalpolitik einsteigen wollen?
Andrea Jochner-Weiß: In der öffentlichen Wahrnehmung sind politische Strukturen meist von Männern geprägt. Dies erschwert Frauen oft den Zugang zur Politik. Deshalb stehen Frauen häufig auch unter besonderer Beobachtung und müssen sich besser beweisen. Ich persönlich habe aber die Erfahrung gemacht, dass viele männliche politische Mandatsträger geradezu auf weibliche Verstärkung warten. Denn Frauen tragen durch ihre unterschiedlichen Erfahrungen dazu bei, dass politische Entscheidungen die Perspektive der gesamten Gesellschaft besser berücksichtigen und damit ausgewogener und qualitativ hochwertiger werden. Deshalb ist es dringend nötig, dass Frauen auch gezielt angesprochen und ermutigt werden, politische Mandate anzunehmen. Frauen haben dasselbe Potential wie Männer, nur vielleicht andere Sichtweisen. Also traut euch, hinterfragt euch nicht – es gibt auch genügend Unterstützung durch Vernetzung und Monitoring-Programme! Ihr könnt das und wir brauchen euch, damit ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in der Politik dafür sorgt, dass unterschiedliche Perspektiven und Bedürfnisse berücksichtigt werden! Und ein letzter Appell an alle Frauen! „Frauen unterstützt und wählt Frauen!“
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