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Im Gespräch mit . . . Dr. Stefan Ebner, Generalsekretär der Hanns-Seidel-Stiftung
Hanns Seidel – Was von seinem politischen Erbe bleibt

Autorin/Autor: Katja Zirkel

Was können wir heute noch von Hanns Seidel, dem Namensgeber der HSS, lernen? Zum 125. Geburtstag des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten am 12. Oktober 2026 erklärt Dr. Stefan Ebner, Generalsekretär der Hanns-Seidel-Stiftung, welche seiner Werte und politischen Grundsätze bis heute prägend sind und welche Rolle politische Bildung bei den Herausforderungen unserer Zeit spielt.

 

Hanns Seidel, Namengeber der HSS

Der Geburtstag des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Hanns Seidel, der Namensgeber der HSS, jährt sich am 12. Oktober 2026 zum 125. Mal.

© HSS-ACSP, PhP: Seidel, Hanns: 13

1. Herr Dr. Ebner, welches geistige Erbe des bayerischen Ministerpräsidenten a.D. Hanns Seidel führt die Hanns-Seidel-Stiftung heute fort?


Dr. Stefan Ebner: Hanns Seidel stand für eine Politik, die auf Sachkenntnis, Verantwortungsbewusstsein und den Ausgleich unterschiedlicher Interessen setzte. Er war überzeugt davon, dass politische Entscheidungen gut begründet sein müssen und dass Demokratie vom offenen Austausch lebt. Dieser Anspruch prägt auch unsere Arbeit heute: Wir wollen politische Zusammenhänge verständlich machen, Debatten ermöglichen und Menschen dazu befähigen, sich fundiert eine eigene Meinung zu bilden. Gleichzeitig verstehen wir uns als Ort, an dem neue Ideen für die Zukunft unseres Landes entwickelt und diskutiert werden.

2. Hanns Seidel hat Bayern in einer Zeit großer gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche mitgestaltet. Was können wir von seinem politischen Stil für die Herausforderungen unserer Zeit lernen?


Dr. Stefan Ebner: Bemerkenswert an Hanns Seidel war seine Fähigkeit, große Herausforderungen sehr nüchtern zu analysieren und daraus konkrete Lösungen zu entwickeln. Er suchte nicht die schnelle Schlagzeile, sondern tragfähige Kompromisse. Gerade in einer Zeit, in der politische Debatten häufig zugespitzt geführt werden, ist das hochaktuell. Demokratie braucht klare Positionen, aber ebenso die Bereitschaft zuzuhören, Argumente abzuwägen und gemeinsam Lösungen zu finden. Hanns Seidel hat gezeigt, dass Sachlichkeit und Gestaltungswille kein Gegensatz sein müssen.

3. Was würde Hanns Seidel vermutlich von einer politischen Stiftung im Jahr 2026 erwarten?


Dr. Stefan Ebner: Ich glaube, er würde erwarten, dass eine politische Stiftung nicht nur zurückblickt, sondern vor allem nach vorne denkt. Hanns Seidel war selbst ein Gestalter, der Bayern modernisieren und auf neue Herausforderungen vorbereiten wollte. Genau das ist auch unser Anspruch: gesellschaftliche und politische Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen, Orientierung zu geben und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Das gilt etwa für Fragen rund um Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, die Zukunft unserer Wirtschaft, den gesellschaftlichen Zusammenhalt oder die Stärkung unserer Demokratie. Unser Namensgeber wäre vermutlich der Erste, der uns auffordern würde: nicht stehen bleiben, sondern Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten.

Hanns Seidel (1901–1961) – Wegbereiter des modernen Bayern und Namensgeber der Hanns-Seidel-Stiftung

Hanns Seidel wurde am 12. Oktober 1901 in Schweinheim bei Aschaffenburg geboren. Er arbeitete als Rechtsanwalt und engagierte sich früh gegen den Nationalsozialismus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann seine politische Karriere: 1945 wurde er Landrat, 1946 Landtagsabgeordneter und 1947 bayerischer Wirtschaftsminister. In dieser Funktion prägte er den Wiederaufbau Bayerns, förderte Mittelstand und Industrie und trieb den Wandel vom Agrar- zum Industrieland voran.
1955 übernahm er den CSU-Vorsitz und modernisierte die Partei. Als bayerischer Ministerpräsident (1957–1960) setzte er auf wirtschaftliche Stabilität, einen ausgeglichenen Staatshaushalt und politische Verständigung.
Mit Sachkompetenz, Pragmatismus und Kompromissbereitschaft prägte Seidel die Entwicklung Bayerns in der Nachkriegszeit. Er starb am 5. August 1961 im Alter von 59 Jahren. Die Hanns-Seidel-Stiftung trägt seinen Namen. 

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