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Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Indiens Balanceakt im weltweiten Machtgefüge

Autorin/Autor: Judith Weinberger-Singh

Indien setzt in einem zunehmend fragmentierten geopolitischen Umfeld auf Multialignment, um strategische Autonomie zu wahren und internationale Handlungsspielräume zu sichern. Welche Chancen und Grenzen diese außenpolitische Mehrfachausrichtung für Indiens Rolle als zentraler Partner Europas und Deutschlands mit sich bringt, steht im Mittelpunkt eines Side-Events im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz.

Straßenszene in Indien auf einem Markt

Indien verfolgt in einem zunehmend fragmentierten geopolitischen Umfeld eine Politik des Multialignment, um strategische Autonomie und internationale Handlungsspielräume zu sichern. Welche Chancen und Grenzen diese Mehrfachausrichtung für Indien als Partner Europas und Deutschlands bietet, diskutieren Experten bei einem Side-Event der Münchner Sicherheitskonferenz.

© Superstock/AdobeStock

Indien, die weltweit größte Demokratie und engagierter Befürworter einer regelbasierten internationalen Ordnung, ist ein zentraler strategischer Partner für Europa und Deutschland. Wie andere Staaten steht auch Indien vor der Herausforderung, seine Sicherheitsinteressen in einem zunehmend komplexen geopolitischen Umfeld auszubalancieren. Dafür verfolgt das Land eine sogenannte Multialignment-Politik und pflegt gezielt Beziehungen zu unterschiedlichen Staaten –  auch über rivalisierende Lager hinweg. Neu-Delhi sieht diese Mehrfachausrichtung als Grundlage einer unabhängigen Außenpolitik. Gleichzeitig stößt dieser Ansatz an Grenzen, da widersprüchliche Interessen Indien dazu zwingen können, Kompromisse bei einer strategischen Autonomie. Was Indien einzigartig macht, ist nicht seine Strategie an sich, sondern sein Gewicht als aufstrebende Macht – in einer Welt mit fragmentierenden Machtverhältnissen und zerbröckelnden Allianzen.

Auf der globalen Bühne gewinnt Indien zunehmend an Bedeutung: als wichtiger Sicherheitsakteur im Indopazifik, als Partner in den humanitären Missionen und Friedenssicherungseinsätzen der Vereinten Nationen sowie als Befürworter einer Reform des multilateralen Ordnungssystems. Das wachsende sicherheitspolitische Interesse Europas an der Region schafft neue Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit mit Indien. Dies betrifft u.a. die maritime Sicherheit, die Bekämpfung von Terrorismus, die Cybersicherheit sowie stabile Lieferketten. Vor diesem Hintergrund gewinnt Indiens Netzwerk aus interessensgeleiteten und strategischen Partnerschaften, insbesondere mit Russland, China und den USA, zunehmend an Bedeutung und ist auch für Partner wie die Europäische Union relevant.

Die Teilnehmenden der indischen Delegation debattierten im Rahmen des MSC-Events über eine vertiefte sicherheitspolitische Zusammenarbeit und die strategische Partnerschaft mit Europa und Deutschland.

Die Teilnehmenden der indischen Delegation debattierten im Rahmen des MSC-Events über eine vertiefte sicherheitspolitische Zusammenarbeit und die strategische Partnerschaft mit Europa und Deutschland.

© HSS

Das Side-Event der HSS

In Kooperation mit dem Institute of Peace and Conflict Studies (IPCS) lädt die HSS zur Podiumsdiskussion „Rising in a Storm: The Possibilities and Limits of India’s Multi-alignment“ hochrangige politische Entscheidungsträger aus der EU, Deutschland, Südostasien, Lateinamerika und Indien ein.

Im Zentrum der Debatte stehen Indiens außen- und sicherheitspolitische Strategien im Kontext seiner Multi-Alignment-Politik, seine Rolle in Südasien sowie seine globalen Ambitionen gegenüber unterschiedlichen internationalen Partnern. Besonderes Augenmerk gilt der Frage, welchen Beitrag Indien zur Stabilisierung der internationalen Ordnung leisten kann und wie sich die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Europa und Indien vertiefen lässt. Darüber hinaus erörtern die Experten gemeinsame Handlungsfelder und Perspektiven für die strategische Partnerschaft zwischen Europa, Deutschland und Indien.

Seit 30 Jahren ist die HSS in Indien vertreten und stärkt den politischen Dialog und den strategischen Austausch zwischen politischen Entscheidungsträgern, Regierungsvertretern, Think Tanks und Multiplikatoren aus Europa, Deutschland und Indien. In diesem Rahmen adressiert das 2024 ins Leben gerufene „India-Europe Resilience Forum“ zentrale sicherheitspolitische Fragen im Kontext geopolitischer und geostrategischer Herausforderungen. 

Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung

“Brüssel muss anerkennen, dass Indiens Multi-Alignment nicht automatisch eine Übereinstimmung mit europäischen Positionen bedeutet – weder bei geopolitischen Krisen noch bei Sanktionen oder bei normativen Ordnungsrahmen.”

 

Ruhee Neog, Direkor Institute of Peace and Conflict Studies (ICPS) 

“Multi-Alignment bedeutet letztlich, Wahlmöglichkeiten zu schaffen, um nationale Interessen zu wahren und zu verfolgen – und unabhängig davon, welchen Namen wir ihm geben, praktiziert nahezu jeder Akteur im internationalen System bereits eine Form dieses Ansatzes.”

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