Im Gespräch mit . . . Manuel Landerer
Künstliche Intelligenz im Handwerk: Wie Betriebe KI im Alltag einsetzen können
Im Rahmen der Diskussionsveranstaltung „Künstliche Intelligenz im Handwerk“, die die HSS in Kooperation mit der Handwerkskammer München und Oberbayern durchführt, steht dabei auch die Frage, wie weit Handwerksbetriebe auf dem Weg der KI-Nutzung bereits sind und wie sie die vielfältigen neuen Möglichkeiten bestmöglich für ihren Alltag nutzen können. Zugleich rückt die Veranstaltung die politischen Rahmenbedingungen in den Blick – von Datenschutz und Qualifizierung bis zur digitalen Infrastruktur –, damit die Transformation im Handwerk gelingen kann.
Manuel Landerer, Geschäftsführer der Landerer Energie GmbH, spricht in der Veranstaltung "KI im Handwerk" darüber, wie er Künstliche Intelligenz bereits in seinem betrieblichen Alltag einsetzt.
Bild: privat
HSS: Herr Landerer, Ihr Unternehmen plant und baut für Unternehmen Photovoltaikanlagen, Stromspeicher, Ladeinfrastruktur, Wärmetechnik und Energiemanagement-Systeme. Wo begegnet Ihnen Künstliche Intelligenz im handwerklichen Betriebsalltag bereits konkret — und wo sehen Sie das größte praktische Potenzial für Betriebe wie Ihren?
Manuel Landerer: Künstliche Intelligenz ist bei uns längst kein Zukunftsthema mehr, sondern konkretes Arbeitswerkzeug im Handwerk. Auf der Baustelle klären unsere Monteure technische und normative Rückfragen heute unmittelbar selbst — etwa zu schutztechnischen Anforderungen bei Erzeugungsanlagen oder zur einschlägigen Norm —, statt auf den Rückruf aus dem Büro zu warten. Das schafft nicht nur mehr Eigenständigkeit, sondern auch höhere Qualität: Entscheidungen werden auf gesicherter Grundlage getroffen und zugleich sauber dokumentiert. So entstehen Montageberichte und Aufmaße schneller, einheitlicher und nachvollziehbarer, sodass auch Mitarbeitende ohne tiefe Spezialausbildung gegenüber Büro und Kunde professionell liefern. Das größte Potenzial sehe ich bei der Verkürzung von Angebots- und Planungszeiten: Aus einem strukturiert erfassten Aufmaß entstehen Auslegungen und Angebote in einem Bruchteil der früher nötigen Zeit — bei zugleich höherer Verlässlichkeit und besserer digitaler Prozessqualität.
HSS: Das Handwerk gilt als besonders praxisnah, lösungsorientiert und kundennah. Was muss KI leisten, damit sie für Handwerksbetriebe nicht als zusätzliche Belastung, sondern als echte Unterstützung bei Fachkräftemangel, Planung, Dokumentation oder Kunden wahrgenommen wird?
Manuel Landerer: KI kann durchaus zur Belastung werden — nämlich dann, wenn man sie auf unklare, ungeordnete Abläufe aufsetzt. Entscheidend ist deshalb die richtige Reihenfolge: Struktur vor Technik. Ein Betrieb sollte seine Prozesse zunächst von A bis Z selbst durchdenken, schriftlich festhalten und in klare Checklisten und definierte Verantwortungsbausteine überführen. Erst auf diesem Fundament lassen sich spezialisierte KI-Anwendungen für Handwerksbetriebe sinnvoll einsetzen — gespeist mit strukturierten Projektdaten und eingebunden in die nachgelagerte Prozesskette von der technischen und normativen Datenauswertung bis zur Angebotserstellung. Der Effekt ist erheblich: Auch Kräfte ohne langjährige Spezialausbildung übernehmen große Aufgabenanteile eigenständig, Planungszeiten verkürzen sich deutlich, und neue Kompetenzfelder erschließen sich in kurzer Zeit — gerade dort, wo erfahrene Fachkräfte heute knapp sind und digitale Unterstützung im Betriebsalltag besonders wirksam werden kann.
HSS: Wo muss Ihrer Meinung nach die Politik die Transformation unterstützen, und welche Rahmenbedingungen brauchen Handwerksbetriebe, damit der Einsatz von KI im Alltag gelingt — gerade mit Blick auf Qualifizierung, Datenschutz, Investitionen und digitale Infrastruktur?
Manuel Landerer: Die Politik kann an mehreren Stellen wirksam begleiten — beginnend mit einer offenen, realistischen Kommunikation über das vielfach noch unterschätzte Potenzial von Künstlicher Intelligenz im Handwerk. Bei der Qualifizierung braucht es gezielte Schulungsangebote sowie klare Guidelines und Rechtssicherheit beim KI-Einsatz; besonders wirkungsvoll wäre die Überführung von Normenbibliotheken, TAB- und DGUV-Vorschriften in zugelassene, geprüfte Experten-Bots für das Handwerk — sofern die Lizenz- und Zulassungsfragen rechtlich geklärt werden. Beim Datenschutz brauchen wir praxistaugliche, branchenspezifische Leitplanken statt pauschaler Unsicherheit — klare Vorgaben, an denen sich auch ein kleiner Betrieb ohne eigene Rechtsabteilung orientieren kann. Bei den Investitionen sind verlässliche, unbürokratische Anreize entscheidend, die einfach zu beantragen sind und den Betrieben Planungssicherheit geben. Und schließlich bildet eine leistungsfähige digitale Infrastruktur die Grundlage, auf der all das im Betriebsalltag überhaupt erst tragfähig wird – von der Baustelle bis zur digitalen Angebotserstellung.
Anmeldung zur Veranstaltung “Künstliche Intelligenz im Handwerk”Themenportal “Wirtschaft und Finanzen”
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