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Im Gespräch mit . . . Prof. Dr. Ute Schmid
Künstliche Intelligenz im Handwerk: Wie KI Betriebe konkret entlasten kann

Autorin/Autor: Katja Zirkel

Künstliche Intelligenz kann Handwerksbetriebe bei Planung, Verwaltung und komplexen Arbeitsabläufen unterstützen – ohne Erfahrung, Können und persönliche Beratung zu ersetzen. Im Interview erklärt KI-Expertin Prof. Dr. Ute Schmid von der Universität Bamberg anhand konkreter Praxisbeispiele, welche Chancen KI bietet, wo Betriebe sinnvoll beginnen sollten und warum zunächst die eigenen Prozesse in den Blick genommen werden müssen.

Im Rahmen der Diskussionsveranstaltung „Künstliche Intelligenz im Handwerk“ am 17. Juli 2026, die die HSS gemeinsam mit der Handwerkskammer München und Oberbayern ausrichtet, wird unter anderem diskutiert, wie weit Handwerksbetriebe bereits auf dem Weg zur Nutzung von KI sind und wie sie die vielfältigen Möglichkeiten in ihren Arbeitsalltag integrieren können. Gleichzeitig nimmt die Veranstaltung auch die politischen Rahmenbedingungen in den Fokus, von Datenschutz und Qualifizierung bis hin zur digitalen Infrastruktur –, um die erfolgreiche Transformation im Handwerk zu unterstützen.

Prof. Dr. Ute Schmid ist Teilnehmerin der Veranstaltung „KI im Handwerk“ und verbindet praktische Beispiele mit wissenschaftlicher Expertise. Sie leitet das „Bamberger Zentrum für Künstliche Intelligenz (BaCAI)“ und den „Lehrstuhl für Kognitive Systeme“ an der Universität Bamberg.

Prof. Dr. Ute Schmid ist Teilnehmerin der Veranstaltung „KI im Handwerk“ und verbindet praktische Beispiele mit wissenschaftlicher Expertise. Sie leitet das „Bamberger Zentrum für Künstliche Intelligenz (BaCAI)“ und den „Lehrstuhl für Kognitive Systeme“ an der Universität Bamberg.

© Jürgen Schnabel

HSS: Frau Prof. Dr. Schmid, viele Menschen verbinden Künstliche Intelligenz zunächst mit großen Technologieunternehmen. Warum ist KI gerade auch für das Handwerk ein wichtiges Zukunftsthema?

Prof. Dr. Schmid: KI-gestützte Werkzeuge haben, denke ich, für alle Bereiche der Arbeitswelt Potential und können auch im Handwerk helfen. Handwerk ist allerdings ja sehr heterogen, von der kleinen Goldschmiede über die Großbäckerei, vom Schreinerbetrieb bis zum Bau. Entsprechend braucht es hier passgenaue Lösungen, die mal vor allem in der Verwaltung und Planung entlasten, mal auch beim handwerklichen Prozess selbst unterstützen können. Bevor man über KI-Lösungen nachdenkt, wäre aber immer der erste Schritt, über die Digitalisierung von Prozessen nachzudenken und dabei genau zu überlegen, wo Digitalisierung Entlastung bringen könnte und wie so digitalisiert werden kann, dass nicht mehr Aufwand entsteht.

HSS: Wo kann Künstliche Intelligenz Handwerksbetriebe ganz konkret im Alltag unterstützen – zum Beispiel bei Planung, Kundenkommunikation, Verwaltung oder Arbeitsabläufen?

Prof. Dr. Schmid: Mein Lieblingsbeispiel ist der Semmeldetektor 3.0, der vom Technologietransferzentrum Oberfranken mit einer Kronacher Bäckerei entwickelt wurde. Hier werden mit Videokamera und einem Bildklassifikator die Art und Zahl der Brötchen ermittelt, die bis zum Abend nicht verkauft wurden. Für das Zählen haben die Angestellten wenig Zeit. Die automatische Zählung entlastet Mitarbeitende und ermöglicht eine deutlich bessere Planung und damit weniger Verluste. 

HSS: Das Handwerk lebt von Erfahrung, Können und persönlicher Beratung. Wie kann KI diese Stärken ergänzen, ohne das Menschliche im Handwerk zu ersetzen?

Prof. Dr. Schmid: Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Genau diese Kernmerkmale von Handwerk sollten erhalten bleiben. Entsprechend sollte man den KI-Einsatz nicht aus der Industrieperspektive planen, sondern es braucht gezielte Lösungen für konkrete Bereiche, bei denen der Schuh drückt. Beispielsweise ist häufig die Angebotserstellung ein hoher Aufwandsposten. Hier können agentische KI-Methoden unterstützen. Genau das haben wir in einem von Bayern geförderten Verbundprogramm mit der Firma Hundt Elektrosysteme umgesetzt. Bei der Konfiguration komplexer Schaltschränke steckt jede Menge Aufwand in der Zusammenstellung von unzähligen Komponenten passend zu einer Kundenanforderung. Der Aufwand konnte durch ein agentisches KI-System deutlich reduziert werden.

HSS: Viele Betriebe fragen sich, wie sie überhaupt anfangen sollen. Was wäre aus Ihrer Sicht ein realistischer erster Schritt für Handwerkerinnen und Handwerker, die KI nutzen möchten?

Prof. Dr. Schmid: Ich würde empfehlen, sich erstmal einen Einblick zu verschaffen, was KI-Methoden sind und wie sie eingesetzt werden können. Meistens denkt man bei KI ja direkt an KI-Chatbots und entsprechend an die Nutzung von KI für die Kundenkommunikation. Genau die persönliche Kommunikation mit Kunden ist aber ja ein Merkmal des Handwerks. Das Potential von KI-Methoden liegt oft in ganz anderen Bereichen, wie die Beispiele oben zeigen. An unserem vom Bayerischen Wirtschaftsministerium geförderten KMU-KI-Erfahrungszentrum bieten wir niedrigschwellige und konkrete Einblicke in KI-Methoden. Fokus ist dort das produzierende Gewerbe, aber wir kooperieren auch gerne mit Handwerksbetrieben. Für unser Zentrum sind wir 2025 als Innovationsort des Jahres ausgezeichnet worden.

HSS: Was möchten Sie den Handwerksbetrieben mitgeben, die beim Thema Künstliche Intelligenz noch zurückhaltend sind oder nicht genau wissen, welchen Nutzen KI für sie konkret haben kann?

Prof. Dr. Schmid: Im ersten Schritt gilt es, sich zu informieren, was KI-Systeme leisten können und den Blick nicht gleich zu eng auf KI-Chatbots zu richten. Das Wichtigste ist aber aus meiner Sicht, zuerst zu identifizieren, wo im Betrieb Dinge aufwendig sind oder wo Probleme liegen. Wenn man weiß, wo der Schuh drückt, kann man überlegen, ob das Problem mit KI-Methoden angegangen werden kann.

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Redakteurin: Katja Zirkel
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