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HSS-Filmseminar „Lamorte“
Leben, Liebe und Tod

Autorin/Autor: Anne Wildermann, M.A.

Wenn man schon nicht selbst darüber entscheiden kann, wann und wo man geboren wird, so sollte man zumindest frei entscheiden können, wann man sterben will. Oder nicht? Über einen selbstbestimmten Tod und die Liebe zum Leben geht es in dem TV-Klassiker „Lamorte“ von Regisseur Xaver Schwarzenberger, der in der HSS gezeigt wurde. Und natürlich durfte die Grand Dame des deutsch-österreichischen Films nicht fehlen: Senta Berger. Sie und Schauspielkollege Friedrich von Thun drehten den Film gemeinsam 1997 in Wien und Umgebung.

Juliane Gröger (links), Susanne Breit-Keßler (Mitte) und Senta Berger.

© Irmak Kalac/HSS

Es liegt ein pudriger Duft Parfüm in der Luft, als Senta Berger (84) den Raum betritt. Während sie Dankesworte kaum hörbar flüstert, zieht sie ihre schwarze Blouson-Jacke aus und zum Vorschein kommen rote, aufgestickte Mohnblumen auf dem Rücken ihrer Bluse zum Vorschein.

Die Grand Dame des deutsch-österreichischen Films ist am Freitag in die Hanns-Seidel-Stiftung gekommen, um sich den TV-Film „Lamorte“ mit Schauspielkollege Friedrich von Thun (83) und Regisseur Xaver Schwarzenberger (80) anzusehen im Rahmen der „Filmseminare“-Reihe der HSS, die es seit 2000 gibt.
 

Schwarzenberger drehte den Klassiker 1997 in Wien und Umgebung mit Berger als Susa und von Thun als Georg sen.
„Lamorte“ zeigt, wie eng Liebe und Tod mit einander verbunden sind. Bewusst hat Schwarzenberger sich für diesen Titel entschieden: zusammengesetzt aus den zwei italienischen Wörtern „Amore“ (die Liebe) und „La morte“ (der Tod).

Vor 30 Jahren Abi gemacht

Grand Dame des deutsch-österreichischen Films nicht fehlen: Senta Berger.

© Irmak Kalac/HSS

Susa, eine Alkoholkranke auf Entzug im toughen Biker-Look, trifft nach 30 Jahren ihre damalige Schulfreundin Iris (Nicole Heesters, 89) wieder, welche das Treffen arrangiert und elf weitere ehemalige Schulfreundinnen dazu eingeladen hatte. Grund des Wiedersehens: Vor drei Jahrzehnten hatte die Frauengruppe gemeinsam Abitur (Matura) gemacht. 

Zunächst scheint alles perfekt und idyllisch: Die Gruppe macht einen gemeinsamen Ausflug, genießt gutes Essen, tauscht sich über die einzelnen Lebensentwürfe und Erlebnisse aus. Kurz: Man spricht über das Leben.

Nicht nur Schauspielkollegen, sondern auch alte Freunde: Friedrich von Thun und Senta Berger.

© Irmak Kalac/HSS

Doch das idyllische Bild dieses Wiedersehens bekommt plötzlich Risse, als Iris ihren Freundinnen offenbart, dass sie todkrank sei und im Kreise ihrer einstigen Freundinnen sterbe wolle. Begleiteter Suizid.

„Bin keine Verfechterin des assistierten Suizides“

Und plötzlich ist er da: der Tod. Er klopft an und will das Leben verdrängen. Aber es geht um viel mehr als nur um Leben und Tod, Tod und Leben. Es geht um Freundschaften, Menschlichkeit, Krankheit, Leiden und vor allem um ein selbstbestimmtes und selbstgewähltes Ende. Über diese Aspekte wurde im Anschluss an den Film während einer Podiumsdiskussion gesprochen, die Juliane Gröger Referatsleiterin für Politische Grundlagen, Demokratie und Extremismus der HSS, moderierte. Susanne Breit-Keßler, stellvertretende HSS-Vorsitzende und Vorsitzende des Bayerischen Ethikrates, betonte, dass ein „assistierter Suizid keine Selbstverständlichkeit“ sein sollte. „Obwohl ich keine Verfechterin des assistierten Suizides bin, muss er raus aus der Moralisierung. Man darf auch niemanden dafür anprangern, der dafür ist, und der das tut.“ Dann gibt sie einen kurzen privaten Einblick: „Ich war dabei, als meine Eltern ihren letzten Atemzug getan haben.“ 

Susanne Breit-Keßler, stellvertretende HSS-Vorsitzende, hielt als Gastgeberin für den Film „Lamorte“. „Natürlich ist Senta Berger hollywoodschön in jedem Alter – das liegt vor Augen. Aber Schönheit allein ist es nicht, so wahrlich berückend sie in diesem Fall auch ist.“

© Irmak Kalac/HSS

Filmregisseur Schwarzenberger wollte mit seinem Film auch „die Poesie des Todes“ rüberbringen und betont, dass es kein Dokumentarfilm sei, sondern ein Spielfilm. „Es ist eine zu tiefst menschliche Angelegenheit zu sterben. Es sollte möglich sein, es selbst zu tun.“
Breit-Keßler, die studierte Theologin ist, stellte klar, dass der Tod selten poetisch sein. „Er ist traurig, er ist schmerzvoll – und vor allem ist er nicht absolut. Er bezieht immer andere Menschen mit ein.“ Sie plädierte dafür, dass niemand alleine sterben solle – „das soll nirgendwo sein und diesbezüglich haben wir noch viel zu tun.“

Schauspielerei ist ein komplizierter Beruf

Für Berger, die in „Lamorte“ selbst Motorrad gefahren ist, und zig starke Frauenfiguren verkörpert hat, ist vor allem eine Frau dann stark, wenn sie sich ihre Verletzlichkeit bewahre und dadurch noch mehr Stärke erlange. „Und den Mut zu haben, ihre Stärke mit jemanden zu teilen.“ Und wie sieht Kollege Friedrich von Thun das, der sich seines Alters durchaus bewusst ist? „Man trägt schon einen großen Rucksack mit sich, versucht mit viel Erfahrung auszugleichen. Natürlich kommen Probleme wie Konzentrationsschwäche dazu, dass man sich den Text nicht mehr merken kann. Aber bei mir klappt’s immer noch“, sagt er lachend. Für von Thun ist die Schauspielerei ein „komplizierter Beruf“, den man lieben müsse.

Da ist sie wieder: die Liebe, die ebenfalls nicht absolut ist – sondern ebenso viele andere Menschen wie auch Berufe und Tätigkeiten miteinbezieht.

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Redakteurin: Anne Wildermann, M.A.
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