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Karwoche
Ostern bedeutet: Gott sagt „ja“ zum Leben

Autorin/Autor: Pater Alfons Friedrich

Die Karwoche führt mitten durch Leid, Scheitern und Tod. Doch Ostern erzählt eine andere Geschichte: Das Leben ist stärker als die Dunkelheit – und diese Hoffnung verändert, wie wir die Welt sehen und gestalten. Wie kann die Osterbotschaft Menschen Hoffnung machen in einer verwundbaren Welt?

 

Zum vollständigen Artikel: Ostern in Krisenzeiten: Warum die Auferstehung Hoffnung gibt

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Palmbuschen, wie sie der Junge auf dem Bild in den Händen hält, symbolisieren den Einzug von Jesus in Jerusalem.

Copyright: Lisa und Wilfried Bahnm/AdobeStock

Die Karwoche spiegelt die Verletzlichkeit unserer Zeit

Wenn Christinnen und Christen in diesen Tagen durch die Karwoche gehen, betreten sie keinen idyllischen Raum religiöser Gefühle. Die Liturgie dieser Woche führt uns mitten hinein in die dramatische Wirklichkeit des Lebens. Wir hören von Verrat und Angst, von Gewalt und politischer Macht, von Einsamkeit und Tod. Der Weg Jesu führt durch Dunkelheit – nicht an ihr vorbei. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum uns diese Tage bis heute so berühren. Die Geschichte der Passion wirkt erschreckend vertraut. Menschen erleben Scheitern, verlieren Halt, geraten in Situationen, in denen scheinbar alles zerbricht. Auch unsere Zeit kennt solche Erfahrungen: Krieg in Europa, gesellschaftliche Spannungen, Unsicherheit über die Zukunft. Viele Menschen spüren, dass unsere Welt verletzlich geworden ist. Die biblische Erzählung beschönigt diese Wirklichkeit nicht. Am Karfreitag steht ein Mensch am Kreuz – öffentlich gedemütigt, von der Macht verurteilt und scheinbar endgültig gescheitert. Für die Jünger Jesu bricht eine Welt zusammen. Alles, worauf sie gehofft hatten, scheint verloren.
Genau hier beginnt die Osterbotschaft.
 

Ostern beginnt mit Verlust

Ostern erzählt keine Geschichte der Verdrängung, sondern der Verwandlung. Es beginnt nicht im Triumph, sondern am Grab. Mit einer Frau, die weint. Maria von Magdalena geht in der Morgendämmerung zum Grab Jesu. Sie sucht Nähe zu dem, der gestorben ist. Sie erwartet nichts mehr. Ihre Hoffnung ist begraben worden. Doch das Grab ist leer.


Was zunächst wie eine weitere Erschütterung wirkt, wird zum Beginn einer neuen Wirklichkeit. Maria begegnet einem Mann, den sie zunächst für den Gärtner hält. Erst als er sie bei ihrem Namen anspricht – „Maria!“ – erkennt sie, wer vor ihr steht: der Auferstandene. Dieser Moment verändert alles. Nicht, weil plötzlich alle Fragen beantwortet wären. Nicht, weil Leid und Tod aus der Welt verschwunden wären. Sondern weil deutlich wird: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott bestätigt das Leben. Die Geschichte Jesu endet nicht im Grab. 
 

Die Auferstehung als Antwort Gottes

Damit berührt Ostern den Kern des christlichen Glaubens. Die Auferstehung ist mehr als ein tröstlicher Gedanke. Sie ist Gottes Antwort auf das, was Menschen Jesus angetan haben. Am Kreuz zeigt sich die ganze Härte menschlicher Gewalt: Ein Unschuldiger wird verurteilt, verspottet und getötet. Doch Gott bestätigt nicht die Macht der Gewalt – er bestätigt den Gekreuzigten. Ostern ist Gottes Widerspruch gegen eine Welt, in der Macht über Wahrheit entscheidet. Es ist Gottes Ja zum Leben, zur Liebe und zur Würde des Menschen.
Die Evangelien erzählen zugleich etwas Bemerkenswertes: Auch der Auferstandene trägt noch seine Wundmale. Die Auferstehung löscht das Leiden nicht aus. Die Wunden sind noch sichtbar – aber sie bestimmen nicht mehr die Zukunft. Sie sind verwandelt. Gerade darin liegt eine tiefe Hoffnung für unser eigenes Leben. Auch unsere Wunden, unsere Verluste und unsere Erfahrungen des Scheiterns müssen nicht das letzte Wort behalten. Gott kann selbst aus den Brüchen unseres Lebens neues Leben entstehen lassen.
Darum ist Ostern mehr als Erinnerung.
 

Ostern als Verheißung . . .

Es ist eine Verheißung. Mit der Auferstehung beginnt eine neue Wirklichkeit, die größer ist als unsere Geschichte. Die Zukunft Gottes bricht in unsere Gegenwart ein. Sie zeigt: Das Leben ist stärker als der Tod. Die Wahrheit ist stärker als die Lüge. Die Liebe ist stärker als Hass und Gewalt. Diese Hoffnung bleibt nicht folgenlos. Wer an die Auferstehung glaubt, sieht die Welt anders. Das Gute, das ein Mensch tut, ist niemals vergeblich. Jede Geste der Solidarität, jedes Wort der Versöhnung, jeder Einsatz für Gerechtigkeit hat Gewicht – weil Gott selbst auf der Seite des Lebens steht.
Gerade deshalb hat Ostern auch eine gesellschaftliche Bedeutung.
 

. . . und als Symbol für Neubeginn

Gesellschaften leben nicht nur von Institutionen, Regeln und wirtschaftlicher Stärke. Sie leben von Vertrauen und Hoffnung. Von der Überzeugung, dass Engagement Sinn hat und Verantwortung sich lohnt. Wo diese Hoffnung verloren geht, wächst Zynismus – und mit ihm die Versuchung, sich nur noch um sich selbst zu kümmern. Ostern widerspricht dieser Resignation. Die Auferstehung Jesu ist ein Protest gegen die Vorstellung, dass Gewalt, Angst oder Macht das letzte Wort über das Leben haben. Sie erinnert daran, dass unsere Welt nicht nur vom Zufall bestimmt ist, sondern unter einer größeren Verheißung steht.
Vielleicht braucht unsere Zeit genau das: Menschen, die aus einer tieferen Hoffnung leben. Menschen, die sich nicht von Angst bestimmen lassen, sondern von Vertrauen. Menschen, die daran glauben, dass Zukunft möglich ist. Denn wer an die Auferstehung glaubt, kann freier leben. Freier lieben. Freier Verantwortung übernehmen.


Die Botschaft von Ostern lautet deshalb nicht nur: Christus ist auferstanden. Sie lautet auch: Das Leben kann neu beginnen. Hoffnung ist stärker als Angst. Und unsere Welt ist größer, als wir manchmal denken.
Ostern erinnert uns: Zukunft entsteht dort, wo Menschen dem Leben mehr trauen als der Angst.
 

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