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Landtagswahl in Rheinland-Pfalz
CDU glückt nach 35 Jahren Regierungswechsel

Autorin/Autor: Dr. Gerhard Hirscher

Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz markiert eine politische Zäsur: Nach 35 Jahren kann die CDU wieder den Regierungschef stellen. Trotz deutlicher Verluste bleibt die SPD voraussichtlich Teil der neuen Regierung. Eine Analyse unseres Wahlexperten Dr. Gerhard Hirscher.

Zum vollständigen Artikel: Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2026: CDU siegt, SPD bleibt in Regierung

Der designierte Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, CDU, (links) mit Kanzler Friedrich Merz, CDU, vor der Pressekonferenz nach der Landtagswahl am vergangenen Sonntag.

Copyright: Chris Emil Janßen/Imago

Wie in der Landtagswahl in Baden-Württemberg zwei Wochen zuvor lag die CDU mit Spitzenkandidat Gordon Schnieder in den Umfragen lange vor dem amtierenden Regierungschef Alexander Schweitzer. Auch in Rheinland-Pfalz ist dieser Vorsprung kurz vor dem Wahltag geschmolzen. Damit war nicht klar, ob es der CDU nach langen Jahren der Opposition gelingen würde, die Regierung zu übernehmen oder zumindest Regierungspartei zu werden.

Die politische Lage nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz

Für die SPD musste Alexander Schweitzer, langjähriger Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, die Mehrheit verteidigen. Er war erst seit anderthalb Jahren als Nachfolger der populären Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Amt, weshalb sein Amtsbonus nicht besonders groß war. Herausforderer für die CDU war Gordon Schnieder (seit 2023 Fraktionsvorsitzender der CDU, seit 2024 Landesvorsitzender der CDU in Rheinland-Pfalz), der hoffte, nach 35 Jahren SPD-Regierung wieder eine CDU-Landesregierung anführen zu können. Der CDU im Land war es nicht mehr gelungen, seit den erfolgreichen Jahren von CDU-Ministerpräsidenten wie Peter Altmeier, Helmut Kohl und Bernhard Vogel eine aussichtsreiche Regierungsperspektive aufzubauen, obwohl die CDU bei den meisten Kommunal- und Bundestagswahlen stärkste Partei war. Im Vorfeld war in jedem Fall klar, dass die seit zehn Jahren regierende Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP keine Mehrheit mehr bekommen würde – für die FDP war sogar der Einzug in den Landtag gefährdet. Die CDU lag in allen Umfragen vor der Wahl knapp vor der SPD. Die AfD konnte sich Hoffnung auf Verbesserung ihres letzten Ergebnisses machen, wurde aber von den Demoskopen klar hinter CDU und SPD gesehen. Die Linke und die Freien Wähler hatten laut Umfragen ebenfalls Chancen, knapp über die 5%-Hürde zu kommen.


Die Wahl zur fünfjährigen Legislaturperiode fand in 52 Wahlkreisen statt, landesweit traten zwölf Listen an. Wahlberechtigt waren deutsche Staatsbürger ab 18 Jahren, die seit mindestens drei Monaten im Land lebten. Angesichts der demoskopischen Lage war eine Koalition aus CDU und SPD die wahrscheinlichste Perspektive, aber der Spitzenkandidat der SPD wollte auch eine rot-rot-grüne Koalition nicht ausschließen (FAZ, 12.3.2026, S. 5), auch wenn eine Koalition der beiden großen Parteien laut Forschungsgruppe Wahlen die am meisten präferierte Variante war. 


Anders als in Baden-Württemberg zwei Wochen zuvor war in Rheinland-Pfalz nicht die Wirtschaft das am häufigsten genannte Problem, sondern laut Forschungsgruppe Wahlen die Themen Bildung/Schule mit 25% Nennungen, Infrastruktur 20%, Wirtschaft mit 15% und Kosten/Preise/Löhne mit 14%. Eine Umfrage von Civey (mit Online-Panel, veröffentlicht am 17.3.2026)) ergab ein etwas anderes Bild: Dort waren für 38% das Thema Innere Sicherheit am wichtigsten, gefolgt von Wirtschaft/Arbeit sowie Migration/Integration mit jeweils 34% und Gesundheitsversorgung mit 32%; das Thema Bildung landete auf einem hinteren Platz , es wurde lediglich von 22% genannt. 


Bei den Parteikompetenzen lag die CDU (FG Wahlen) auch in den wichtigsten Feldern vorn, so bei Bildung/Schule und Infrastruktur mit jeweils 27% und Wirtschaft mit 24%. Auch beim Thema Flüchtlinge/Asyl lag die CDU mit 24% vor der AfD mit 20%. Lediglich beim Klimaschutz wurden mit 42% den Grünen am meisten Kompetenz zugesprochen – dieses Thema war allerdings nur für 11% der Befragten wichtig. Zwar wurde Ministerpräsident Schweizer von 41% als Kandidat vor dem CDU-Herausforderer Schnieder mit 23% genannt, aber insgesamt sahen die Ausgangsbedingungen für einen Erfolg der CDU günstig aus. Das unterstich auch die Civey-Umfrage, wonach 31% am ehesten der CDU zutrauten, die Probleme des Landes zu lösen, 21% der SPD, 18% der AfD und 7% den Grünen.
 

Die Ergebnisse im Detail

Der in den Umfragen erkennbare positive Trend zugunsten der CDU zeigte sich auch im Wahlergebnis: Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis wurde die CDU mit 30,96% der Zweitstimmen (Landesstimmen) klar stärkste Partei und gewann fast 3,3% hinzu. Die regierende SPD verlor hingegen fast 10 Prozentpunkte und kam noch auf 25,92%. Damit war die CDU in den letzten Umfragen deutlich unter- und die SPD klar überschätzt worden – möglicherweise ein Hinweis darauf, dass sich in den vergangenen Tagen weitere Verschiebungen ergeben haben. Die AfD konnte sich – wie in Baden-Württemberg zwei Wochen zuvor und bei den Kommunalwahlen in Hessen und Bayern – mehr als verdoppeln und erreichte 19,47%. Die Grünen verloren erkennbar und kamen noch auf 7,89%. Linke und Freie Wähler blieben mit 4,39% bzw.  4,19% unter der 5%-Hürde ebenso wie die FDP, die nur noch 2,07% holte. Auch BSW, Tierschutzpartei und Volt kamen auf über 1%, hatten aber ebenfalls keine Chance auf einen Einzug in den Landtag. Die Wahlbeteiligung stieg auf 68,5% nach 64,3% bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2021.
Von 105 Sitzen insgesamt holte die CDU 39 (alles Direktmandate). Die SPD kam auf 32 Sitze, die AfD 24 und die Grünen auf zehn Sitze. Am wahrscheinlichsten ist daher eine Regierungsbildung der CDU mit der SPD unter Führung von Gordon Schnieder. Damit könnte die CDU erstmals nach 35 Jahren wieder den Regierungschef in Rheinland-Pfalz stellen.


Die CDU schnitt am stärksten ab in der Altersgruppe ab 60 Jahren; dort kam sie laut Infratest dimap auf 39%. Die Gruppe der über 70j-Jährigen war mit 45% die stärkste Bastion der CDU, dort erreichte sie auch die größten Gewinne. Auch die SPD schnitt bei den über 60-Jährigen mit 32% am stärksten ab. Bei den unter 25-Jährigen kam die CDU nur auf 15% und die SPD auf 19%. Die Linke holte dort 16%, die AfD 21%. In den ländlichen Regionen (Gemeinden unter 5.000 Einwohner) war die CDU mit 33% am stärksten vor der SPD mit 25% und der AfD mit 21%. In den Städten über 100.000 Einwohnern lag die SPD mit 29% vor der CDU mit 26%, die AfD kam dort nur auf 13%. Die Grünen waren hier mit 12% doppelt so stark wie im ländlichen Raum.
Laut Wählerwanderung von Infratest dimap verlor die regierende SPD massiv an die CDU (81.000 Stimmen), zusätzlich 31.000 Stimmen an die AfD und jeweils 7.000 an Linke und Freie Wähler. Sie konnte lediglich 14.000 Stimmen von den Grünen und 7.000 von den Nichtwählern gewinnen. Die CDU verlor lediglich 36.000 Stimmen an die AfD, gewann aber von der SPD 81.000 Stimmen, von den Nichtwählern 32.000, von der FDP 30.000, den Freien Wählern 11.000, den Grünen 8.000 und den Linken 3.000. Die Grünen verloren in alle Richtungen: 14.000 Stimme an die SPD, jeweils 8.000 an Linke und CDU und 5.000 an die AfD. Die AfD gewann hingegen von den Nichtwählern 83.000 Stimmen, der CDU 36.000, der SPD 31.000, den Freien Wählern 10.000, der FDP 8.000 und den Grünen 5.000. Die FDP verlor die meisten Stimmen an die CDU (30.000) sowie 8.000 an die AfD und 4.000 an die Freien Wähler. Diese konnten zwar zusätzlich 7.000 Stimmen von der SPD holen, verloren aber 11.000 an die CDU und 10.000 an die AfD.


Die CDU holte bei den Männern mit 31% etwas mehr Stimmen als bei den Frauen mit 30%. Die SPD schnitt bei den Frauen etwas besser ab (27% zu 25%). Die AfD holte wie üblich deutlich mehr Stimmen bei den Männern als bei den Frauen (23% zu 16%), während die Grünen erneut bei den Frauen besser abschnitten (9% im Vergleich zu  7% bei den Männern).
Die CDU erreichte die höchsten Anteile bei den Selbständigen mit 40% und den Rentnern mit 39%. Bei den Angestellten kam sie auf 26%, bei den Arbeitern auf 15% – nur in dieser Berufsgruppe fuhr sie Verluste ein. Stärkste Partei bei den Arbeitern wurde die AfD, die dort auf 39% kam; auch bei den Angestellten fuhr sie mit 21% ein überdurchschnittliches Ergebnis ein. Die SPD kam bei den Rentnern noch auf 35%, bei Angestellten und Arbeitern aber nur auf 22% bzw. 21% mit jeweils hohen Verlusten. Die Grünen holten ihre besten Ergebnisse bei den Selbständigen (11%) und Angestellten (10%). Freie Wähler und Linke, die es nicht in den Landtag schafften, holten jeweils überdurchschnittliche Ergebnisse bei Arbeitern und Angestellten (7% bzw. 6%).
Die größten Kompetenzen wurden der CDU laut Infratest dimap bei dieser Wahl in den Bereichen Wirtschaft (34%), Kriminalitätsbekämpfung (33%), Arbeitsplätze (32%) und Bildungspolitik (27%) zugeschrieben. Damit deckte sie die vor der Wahl mehrheitlich als relevant genannten Themen gut ab. 34% sagten über die CDU, sie verstehe am meisten von der Wirtschaft. Gleichzeitig wurde die Arbeit in der Bundesregierung eher kritisch gesehen: 76% sagten, die CDU hätte vor der Bundestagswahl viel versprochen, aber wenig gehalten und 74% sagten, sie hätte in der Bundesregierung zu wenig für die Senkung von Steuern und Abgaben getan. 60% gaben an, sie vernachlässige die Interessen der Arbeitnehmer –über die SPD sagten dies sogar 71%. Die AfD wurde mehrheitlich kritisch beurteilt, aber fast die Hälfte der Befragten würdigte ihren Einsatz bei den Themen Sicherheit und Migration.
 

Wahlsieg der CDU als Signal der Stabilität für die Republik

Für die CDU war diese Landtagswahl nicht nur ein Wahlsieg: Im früheren Stammland der Landes-CDU gelang nach 35 Jahren wieder ein Regierungswechsel unter ihrer Führung. Die SPD erlitt zwar herbe Verluste, bleibt aber Regierungspartei. Dies ist auch ein Signal der Stabilität für die Bundespolitik in Zeiten  internationaler Krisen und wirtschaftlicher Probleme. Die AfD konnte zwar erneut gewinnen, bleibt aber wie in anderen Parlamenten auch isoliert. Freie Wähler und Linke kamen ebenso wie andere kleine Parteien nicht ins Parlament – eine weitere Zersplitterung des Parteiensystems wurde so deutlich verhindert. Insgesamt ist die Wahl ein Zeichen der Stabilität: Regierungen der Parteien der Mitte sind möglich, ohne sich an Extremisten und Populisten von Links und Rechts andienen zu müssen. Dies galt bisher für Westdeutschland – die Wahlen im Herbst werden zeigen, ob sich das auch in Ostdeutschland umsetzen lässt.
 

Kontakt

Leitung: Dr. Gerhard Hirscher
Grundlagen der Demokratie, Parteienentwicklung, Wahlforschung
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