„Miteinander macht Schule“
Schule als Ort der Haltung: Pilotprojekt gegen Antisemitismus gestartet
Dr. Ute Eiling-Hütig, MdL, Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Kultus, Schirmherrin des Projekts „Miteinander macht Schule"
© EJKA e.V./ Vitaly Novikov
Ein starkes Miteinander in der Schule beginnt mit Aufklärung und gegenseitigem Respekt. Mit dem dreijährigen Pilotprojekt „Miteinander macht Schule: Antisemitismuskritische Bildung an Mittelschulen“ rückt die Stärkung einer demokratischen und respektvollen Schulkultur in den Mittelpunkt. Ziel ist es, die gesamte Schulfamilie – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie Eltern – im konstruktiven und demokratieorientierten Umgang mit Antisemitismus, Judenhass, Vorurteilen und Ausgrenzung zu stärken. Antisemitismuskritische Bildung versteht das Projekt dabei als festen Bestandteil zeitgemäßer schulischer Präventionsarbeit.
Schirmherrin des Projekts ist die CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Ute Eiling-Hütig, die den Vorsitz des Ausschusses für Bildung und Kultus innehat. Sie betonte die Notwendigkeit einer klaren Haltung: „Eine wehrhafte Demokratie darf auf keinem Auge blind sein.“ Im Zusammenhang mit der Einordnung aktueller Gefährdungslagen wies sie auf Bedrohungen aus dem rechts- und linksextremen Spektrum sowie auf Gefahren des Islamismus hin, die als Katalysator für den sich verbreitenden Antisemitismus wirken. Es gehe darum, „Diskriminierung zu erkennen und im Keim zu ersticken“.
Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde
© EJKA e.V./ Vitaly Novikov
Gemeinsam Verantwortung tragen: Partner aus Bildung, Zivilgesellschaft und Politik gegen Antisemitismus
Der Projektträger von „Miteinander macht Schule“ ist die Europäische Janusz Korczak Akademie e.V. (EJKA), die mit Partnern aus dem Wertebündnis Bayern kooperiert, darunter die Hanns-Seidel-Stiftung e.V., der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V., die Bayerische Sparkassenstiftung, der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe, Dr. Ludwig Spänle. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Rotary Club München.
Die Veranstaltung wurde von EJKA-Präsidentin Eva Haller gemeinsam mit der Projektleiterin Maria Filina eröffnet. Eva Haller ordnete die Zielsetzung in den schulischen Alltag ein: „Das, was im Klassenzimmer, was zuhause am Frühstückstisch gesprochen wird, spiegelt unsere Gesellschaft wider.“ Und führte weiter aus: „Mittelschulen sind ein Brennpunkt unserer Gesellschaft. Wir sind uns bewusst, dass es eine sehr schwierige Aufgabe ist. Wir schätzen den Mut der Schulen, diese Probleme anzugehen, denn es ist wichtig, dass wir etwas verändern. Wir müssen Netzwerke bilden zwischen den Jugendlichen.“ Als Ehrengast unterstrich Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München, die Bedeutung des Vorhabens und bezeichnete das Projekt als Signal der Zuversicht: „Das, was ich mit diesem Projekt erlebe, ist eine goldene Zeit.“
Links: Almut Wahl, Schulleiterin der Mittelschule an der Feldbergstraße, München; rechts: Walter Braun, Schulleiter der Mittelschule Germering an der Wittelsbacherstraße
© links: HSS/Gröger, rechts: EJKA e.V./ Vitaly Novikov
Die Schulleiterin an der Mittelschule an der Feldbergstraße in München, in Vertretung der Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands e. V., Simone Fleischmann, schilderte ihre Motivation, an dem Projekt teilzunehmen: „Diese Welle an Antisemitismus in der Gesellschaft betrifft auch mich. Schule ist kein neutraler Ort. Wir haben eine Verantwortung.“ Walter Braun, Schulleiter der Mittelschule Germering an der Wittelsbacherstraße, beschrieb die Herausforderungen im Schulalltag mit Blick auf die Heterogenität und Diversität der Schulklassen: „Wir unterrichten 39 verschiedene Nationen und zum Teil Klassen mit 79,6 Prozent Migrationsanteil. Wir sind „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" und positionieren uns ganz klar gegen jede Form von Ausgrenzung.“
Dr. Andrea Taubenböck, geschäftsführende Vorständin der Stiftung Wertebündnis Bayern
© EJKA e.V./ Vitaly Novikov
Früh sensibilisieren, gemeinsam handeln: antisemitismuskritische Bildung als Demokratieauftrag
Dr. Andrea Taubenböck, geschäftsführende Vorständin der Stiftung Wertebündnis Bayern, betonte die präventive Aufgabe der Antisemitismusbekämpfung im Bildungswesen: „Wir müssen früh anfangen, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren. Das ist eine schwierige, heikle Aufgabe, die jeden von uns fordert. Wir möchten Unterstützung geben, um Handlungssicherheit zu gewinnen. Auch dadurch, dass wir unterschiedliche Perspektiven und Inhalte einbinden. Wichtig ist ein ganzheitlicher Ansatz, mit dem die komplette Schulfamilie erreicht wird. Daher ist für uns der Gedanke der Gemeinschaft elementar für das Projekt.“
Pressekonferenz im Bayernzimmer des Bayerischen Landtags
© EJKA e.V./ Vitaly Novikov
Die stellvertretende Generalsekretärin der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. und Leiterin des Instituts für Politische Bildung, Stefanie von Winning, ergänzte: „Der Kern unserer Bildungsformate ist die Begegnung und der Dialog. Es ist unsere Aufgabe, darüber zu sprechen und dies in die Öffentlichkeit zu tragen.“ Für die Hanns-Seidel-Stiftung begleitet Referatsleiterin Juliane Gröger das Projekt: „Antisemitismuskritische Bildung ist eine Demokratiekompetenz, die wir systematisch fördern müssen. Aus Verantwortung gegenüber den Betroffenen, zur Stärkung der Schulgemeinschaft und als Investition in eine widerstandsfähige Gesellschaft.“
Flyer des Pilotprojekts "Miteinander macht Schule"
© EJKA e.V./ Vitaly Novikov
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Zum Beitrag „Nie wieder ist jetzt"
Zum Beitrag „Die antisemitischen Vorfälle in Bayern haben sich verdoppelt“
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