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Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt.
„Sei du selbst die Veränderung..."

Autorin/Autor: Isabel Pantke

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“: Gandhis Worte begleiten die frisch gewählte Bürgermeisterin von Betzigau bis heute. Wie frühes Engagement in Vereinen und Politik, ein Studium mit zwei Kindern und der Mut zur Kandidatur sie dorthin geführt haben, wo sie heute steht – und was sie nun konkret in Betzigau bewirken möchte, erzählt sie in diesem Beitrag.

Regina Lässer-Dorn, Bürgermeisterin von Betzigau, vor dem Betzigauer Rathaus

Regina Lässer-Dorn, Bürgermeisterin von Betzigau und Stipendiatin der HSS

© privat

HSS: Seit Mai sind Sie Bürgermeisterin von Betzigau – Was glauben Sie, hat die Wählerinnen und Wähler überzeugt, Ihnen Ihr Vertrauen zu schenken?

Regina Lässer-Dorn: Am Ende, denke ich, war es mein Gesamtpaket. 

Ich habe versucht, möglichst alle Bürgerinnen und Bürger, trotz eines sehr kurzen Wahlkampfes, über verschiedene Formate zu erreichen. Bei zahlreichen Veranstaltungen mit der Jugend, mit Familien, mit Seniorinnen und Senioren, mit Gewerbetreibenden und mit der Bevölkerung aus den Ortsteilen konnte ich mich persönlich vorstellen und auf Fragen, Anliegen und meine Ziele eingehen.

Außerdem gab es mehrere Male bei Terminen im Ort die Möglichkeit, unverbindlich mit mir ins Gespräch zu kommen oder mich beim Besuch von Events wie Faschingstreiben, Theatervorstellungen oder Bockbierfest kennenzulernen. Die vielen persönlichen Haustürbesuche in ganz Betzigau waren zwar zeitlich herausfordernd, zeigten jedoch deutlich meinen festen Willen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und das Amt der Bürgermeisterin zu erreichen.

Weitere Formate waren meine eigene Homepage, das regelmäßige Posten auf Instagram und eine gute Berichterstattung über die Allgäuer Zeitung. Für meinen Auftritt und meine Antworten bei der Podiumsdiskussion mit meiner Mitbewerberin bekam ich eine sehr gute Resonanz.

Außerdem konnte ich auf den Rückhalt meiner Familie und meines Mannes und auf die Unterstützung meines Wahlkampfteams in Betzigau zählen. Schließlich konnte ich die Wahl mit 66,3 Prozent der Stimmen für mich entscheiden. Darauf bin ich stolz und möchte auch andere ermutigen, für ein Amt zu kandidieren.

Seit Mai 2025 ist Regina Lässer-Dorn Bürgermeisterin von Betzigau. Wie sie zu diesem Amt gekommen ist und was sie in Betzigau bewirken möchte, erzählt sie in diesem Beitrag.

© privat

HSS: Gab es einen Moment, in dem für Sie klar war: Ich will Bürgermeisterin werden?

Regina Lässer-Dorn: Durch meine Ehrenämter habe ich schon in jungen Jahren Verantwortung übernommen und gemerkt: Wenn man sich einbringt, kann man Dinge gestalten, entwickeln und verändern! Das Zutrauen dafür bekam ich immer von anderen. So wie ich zunächst in sämtliche Vereinsvorstandschaften gewählt wurde, konnte ich bei der Kommunalwahl 2020 als jüngste Kandidatin einen Platz im Altusrieder Gemeinderat erringen.

Meine kommunalpolitische Tätigkeit hat mich von Anfang an begeistert. Ich durfte viele Projekte begleiten und mich mit vielfältigen Themenbereichen beschäftigen.

Als Gemeinderätin wurde ich vor allem zur Ansprechpartnerin von jungen Menschen und Familien im Ort, begleitete die Gründung und anschließend die Aktionen unseres Jugendparlamentes und rief die Aktion „Adventsfenster“ ins Leben. 

Beim Auswahlwochenende und Bewerbungsprozess um ein Stipendium bei der Hanns-Seidel-Stiftung musste ich dem Prüfungsgremium meinen bisherigen Werdegang und mein Engagement vorstellen. Einer der Prüfer meinte am Ende: „Und dann werden Sie mal Bürgermeisterin, Frau Lässer-Dorn, oder?“ Seitdem wurde dieser Gedanke zu meinem leisen Begleiter.

2023 kandidierte unser damaliger Bürgermeister Joachim Konrad für den Bayerischen Landtag. In diesem Zuge wurde ich vielfach darauf angesprochen, ob ich denn nicht die neue Bürgermeisterin von Altusried werden möchte.

Ich steckte damals mitten im Studium und erwartete nochmal Nachwuchs – der Zeitpunkt war einfach nicht richtig. Anders war es bei der Bürgermeisterwahl am 27. April in Betzigau: In dieser wunderschönen Gemeinde wollte ich kandidieren.

Meine kommunalpolitische Erfahrung als Gemeinderätin, meine Ausbildung zur Bankkauffrau, mein Studium der Politikwissenschaft und Soziologie, meine Erfahrung in Vereinen, Vorstandschaften und Ehrenämtern und meine Zielstrebigkeit, Einsatzbereitschaft, Offenheit und Empathie und nicht zuletzt die Liebe zu den Menschen, zur Gesellschaft und das Streben nach Gemeinwohl sind eine gute Ausstattung für mein Amt als Bürgermeisterin.

Hannah Arendt bezeichnete Letzteres auch als amor mundi – die Liebe zur Welt.

Außerdem sagte schon Gandhi: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“  Das ist der Leitsatz, unter dem mein politischen Wirken steht.

Ich setze mich für eine Veränderung in kommunalen Gremien ein, denn sie sollten ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sein – doch gerade junge Menschen, Frauen und vor allem Mamas sind dort deutlich unterrepräsentiert.

HSS: Was sind die wichtigsten Themen in Betzigau - und was packen Sie als Nächstes an?

Regina Lässer-Dorn: In Betzigau gibt es viele wichtige Themen: die attraktive Gestaltung des Ortskerns, der Ausbau des Hochwasser- und Katastrophenschutzes, die Förderung von Jugendbeteiligung, die Umsetzung von Barrierefreiheit und Seniorenfreundlichkeit, ein Beitrag zu familienfreundlichen und bedarfsgerechten Betreuungsstrukturen, die Weiterentwicklung der Radwegeinfrastruktur sowie neue Perspektiven und gute Zusammenarbeit mit Gewerbe und Handel.

Auch der Erhalt der heimischen Landwirtschaft, die Wertschätzung des Ehrenamts und der Vereine, die Stärkung des Miteinanders und des Zusammenhalts in der Gemeinde sowie die Verwirklichung des Dorfgemeinschaftshauses in Hochgreut sind zentrale Anliegen.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für Einheimische und Familien. Dieses Vorhaben, wie auch der Abschluss des Baus eines Regenrückhaltebeckens und einer Quellsanierung. Diese Projekte werde ich als Nächstes aktiv angehen.

Über Regina Lässer-Dorn

Nach dem Abitur am Hildegardis-Gymnasium in Kempten im Jahr 2012 absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau, die sie 2014 erfolgreich abschloss. Im Jahr 2020 wurde sie als jüngstes Mitglied in den Gemeinderat der Marktgemeinde Altusried gewählt und engagierte sich dort unter anderem als Jugend- und Familienbeauftragte sowie in mehreren Ausschüssen. Dieses kommunalpolitische Engagement bestärkte sie in dem Wunsch, sich beruflich neu zu orientieren. Sie begann ein Studium der Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg – parallel zum Familienalltag mit zwei Kindern. Während des Studiums wurde sie Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung und absolvierte Praktika bei Abgeordneten des Bayerischen Landtags und des Bundestags. Bereits seit ihrem 15. Lebensjahr engagiert sie sich ehrenamtlich in Vereinen, der Kirche und der Gemeinde – mit dem Ziel, zum Wohl der Allgemeinheit beizutragen. Seit dem ersten Mai ist sie Bürgemeisterin der Gemeinde Betzigau.

Über die Reihe: „Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt."

Die Vorbereitungen der Kommunalwahl 2026 sind im vollen Gange. In unserer neuen Reihe stellen wir engagierte Mandatsträgerinnen und Mandatsträger vor. Erfahren Sie, was sie motiviert und welche wertvollen Erfahrungen sie in ihrem Amt gesammelt haben.

Die Hanns-Seidel-Stiftung setzt sich dafür ein, dass mehr Menschen ein kommunalpolitisches Amt übernehmen. Wir unterstützen sie während des Wahlkampfs und machen das Engagement derjenigen sichtbar, die mit ihrem Einsatz Kommunalpolitik gestalten.

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Online-Redaktion: Isabel Pantke
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