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Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Von Kobalt bis Silizium: der Kampf um kritische Rohstoffe

Autorin/Autor: Hanns Bühler

Ein verlässlicher Zugang zu kritischen Rohstoffen gehört zu den zentralen Zukunftsfragen für Deutschland und Europa. Er ist Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Computerchips und die Entwicklung Künstlicher Intelligenz sind ohne Silizium, Kobalt und Graphit nicht denkbar. Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, bei der Mobilitätswende sowie in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sind kritische Rohstoffe ebenfalls unverzichtbar.

 

Mitarbeiter eines Labors bei der Arbeit

Seltene Erden werden vor allem für die Produktion von Halbleitern benötigt. Ein sicherer und langfristig verlässlicher Zugang zu kritischen Rohstoffen zählt zu den entscheidenden Zukunftsaufgaben für Deutschland und Europa. Er bildet eine wesentliche Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. Ohne seltene Erden wären weder die Herstellung moderner Computerchips noch die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz möglich. Die HSS diskutiert dieses Thema in einer Veranstaltung im Vorfeld der MSC.

© HeroDesign/AdobeStock

Im Vorfeld der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) diskutiert die Hanns-Seidel-Stiftung, gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), wie neue Allianzen nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung sichern können. Bereits vor der Podiumsdiskussion "Kritische Partnerschaften für kritische Rohstoffe: 
Wie neue Allianzen nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung sichern" erklärt der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Markus Ferber, MdEP: „Die Geopolitisierung der Rohstoffpolitik durch China und die USA kann für Deutschland und Europa nur bedeuten, unsere Lieferketten zu diversifizieren, neue Partnerschaften zu suchen und aktiv zu gestalten. Es liegt somit eine große Chance in der Zusammenarbeit mit dem Globalen Süden.“ 

Umso wichtiger erscheint der angestrebte Abschluss des EU-Mercosur Handelsabkommens. Ein Signal für den Freihandel, der gerade auch einen verlässlichen Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium und Kupfer garantiert.

Allein auf dem afrikanischen Kontinent befinden sich knapp 30 Prozent der weltweit bekannten Mineralreserven. Strategische Partnerschaften im Rohstoffbereich schaffen einen doppelten Gewinn: Sie stärken die Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas und dienen den Partnerländern gleichzeitig als Hebel für eine eigene Industrialisierung. Es wird daher nicht nur darum gehen, Rohstoffe für Europa zu sichern, sondern Vorprodukte und damit Wertschöpfung und Lebenschancen in den afrikanischen Ländern zu schaffen. Afrika hat viele Interessenten. Europa und Deutschland müssen das bessere Angebot machen. Es geht um faire und langfristige Beziehungen, von denen beide Seiten profitieren. Thomas Schäfer, CEO von Volkswagen, und Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI), bringt es auf den Punkt: „Wer heute auf Afrika setzt, setzt auf Diversifizierung und Resilienz. Der Kontinent ist nach Asien derzeit die dynamischste Wachstumsregion – wo wir unsere Lieferketten breiter aufstellen, unsere Rohstoffversorgung absichern und die Märkte der Zukunft erschließen können.“

Was die Bundesregierung, die Europäische Kommission und die deutsche Industrie tun müssen, um eine zukunftsorientierte Rohstoffpolitik zu gestalten – darüber diskutieren Experten der HSS zusammen mit dem Bund Deutscher Industrie (BDI):

  *   Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin, Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI)

  *   Markus Ferber, Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP), Vorsitzender der Hanns Seidel-Stiftung

  *   Jozef Síkela, Kommissar für Internationale Partnerschaften, Europäische Kommission

  *   Thérèse Kayikwamba Wagner, Ministerin für Auswärtige Angelegenheiten, Internationale Zusammenarbeit und Frankophonie, Demokratische Republik Kongo

  *   Stefan Rouenhoff, MdB und Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie

  *   Thomas Schäfer, CEO Marke Volkswagen, Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI)

O-Töne zur Podiumsdiskussion "Kritische Partnerschaften für kritische Rohstoffe: Wie neue Allianzen nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung sichern" 

 

Markus Ferber, MdEP, HSS-Vorsitzender 

„2026 wird zur Nagelprobe der europäischen Rohstoffpolitik. Die Geopolitisierung der Rohstoffversorgung durch China und die USA macht deutlich: Um unsere Lieferketten zu diversifizieren, müssen wir neue Partnerschaften suchen und aktiv gestalten. Computerchips und die Entwicklung Künstlicher Intelligenz sind ohne Silizium, Kobalt und Graphit nicht denkbar. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien, bei der Mobilitätswende sowie in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sind kritische Rohstoffe unverzichtbar.“

„Die Diversifizierung unserer Lieferketten, oder um mein Lieblingswort ‘Decoupling’ zu verwenden, geht einher mit der Erschließung neuer Partnerschaften. Verschiedene Bezugsquellen machen uns weniger erpressbar. Circa 30 Prozent der Reserven an kritischen Rohstoffen befinden sich in Afrika. . . Das Thema Rohstoffsicherheit wird damit zum Gradmesser für die so gerne beschriebene Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit dem sogenannten globalen Süden.“

 

Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin Bundesverband Deutscher Industrie (BDI)

„Eine Schlüsselfrage ist, wie verlässlich unser Zugang zu kritischen Rohstoffen ist, denn sie sind die Basis jeder industriellen Produktion. Neue Partnerschaften mit dem Globalen Süden sind dabei kein kurzfristiges Ausweichmanöver, sondern notwendiger Bestandteil einer zukunftsfähigen Industriepolitik.“

 

Jozef Síkela, EU-Kommissar für Internationale Partnerschaften

„Ich werde nie vergessen, unter welchem Druck die Europäer standen, als Russlands Krieg gegen die Ukraine die Energiepreise in die Höhe schnellen ließ. Wie die Menschen darum kämpften, ihre Häuser zu heizen. Das war eine Lektion für uns alle. Eine Lektion darüber, dass wir diversifizieren und in unsere strategische Autonomie investieren müssen. Ich denke, alle hier sind sich einig, dass es bei Lithium oder Kobalt nicht nur um Metalle handelt. Es geht um Nachhaltigkeit. Um Wohlstand. Und um Sicherheit.“

 

Thomas Schäfer, CEO Marke Volkswagen

„Wir brauchen einen Perspektivwechsel. Es geht darum, die Chancen zu sehen. Und es ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wir müssen uns mehr mit Afrika beschäftigen. . . Damit solche Partnerschaften tragfähig sind, muss Europa logistische Hürden abbauen – ebenso wie bürokratische Eintrittsbarrieren und Unsicherheiten beim Investitionsschutz . . . Eines der dringendsten Themen ist, dass wir eine europäische Antwort liefern. Es geht nur gemeinsam.“

 

Stefan Rouenhoff, CDU, Parlamentarischer Staatsminister im Bundeswirtschaftsministerium 

„Klar ist, dass auch die Wirtschaft mitspielt. Gleichzeitig müssen wir von Regierungsseite alles tun, damit die deutsche Wirtschaft stärker auf dem afrikanischen Kontinent aktiv ist. Abkommen mit Südafrika, Angola und der Demokratischen Republik Kongo werden weiter intensiviert. Bei Regierungsverhandlungen soll künftig die Wirtschaft stärker eingebunden werden.“

„Wenn wir auf rohstoffreiche Länder schauen, brauchen wir ganz konkrete Projekte und auch Firmen und Joint Ventures, die im Bergbau aktiv sind. Wir müssen jetzt aktiv werden. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren.“

 

Thérèse Kayikwamba Wagner, Ministerin für Auswärtige Angelegenheiten, Internationale Zusammenarbeit, Frankophonie und Kongolesische Diaspora, Demokratische Republik Kongo

„Für uns gibt es drei Hauptinteressen innerhalb von Global Gateway: der Ausbau von Verkehrswegen im Lobito-Korridor, der Ausbau des Inga-Staudamms zur Energieerzeugung ⁠und natürlich die Rohstoffextraktion. . . Es geht darum, konkrete Projekte aus Global Gateway zu planen und umzusetzen. Wir müssen vom Reden ins Handeln zu kommen.“

Fazit: Bei der Diskussion wurde klar: Deutschland hat Instrumente geschaffen, die jetzt zur Anwendung kommen müssen. Es geht darum, dass wir konkrete Projekte zur Rohstoffförderung auf den Weg bringen. Diese müssen finanziell darstellbar sein. Die Risikoabsicherung muss von der Bundesregierung gedeckt werden - gleichzeitig wird auch die Wirtschaft bereit sein müssen Risiken zu tragen. Um neue Allianzen zu schmieden, bedarf es einer Risikobereitschaft auf allen Seiten. Europa hat viel zu bieten: Vertragstreue und das Interesse im globalen Süden zur Wertschöpfung beizutragen. 

Statement des HSS-Vorsitzenden Markus Ferber, MdEP, zur Veranstaltung "Kritische Partnerschaften für kritische Rohstoffe: Wie neue Allianzen nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung sichern" 

Statement von BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner zur Veranstaltung "Kritische Partnerschaften für kritische Rohstoffe: Wie neue Allianzen nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung sichern" 

Kontakt

Projektleiter: Hanns Bühler
Südafrika
Projektleiter