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Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt.
Warum Kultur unverzichtbar ist

Autorin/Autor: Isabel Pantke

Bürgermeisterin Lehner macht deutlich: Kultur bringt Menschen zusammen, fördert Bildung und hält unsere Demokratie lebendig.

Stadträtin Prof. Julia Lehner aus Nürnberg

Prof. Dr. Julia Lehner studierte Germanistik, Geschichte, Sozialkunde und Kunstgeschichte an der Universität Erlangen Nürnberg und promovierte später. Vor ihrer kommunalen Laufbahn war sie in der Öffentlichkeitsarbeit und im Marketing der Stadtsparkasse Nürnberg tätig. 1998 wurde sie ehrenamtliche Stadträtin und übernahm von 2002 bis 2020 das Amt der Kulturreferentin der Stadt Nürnberg. Seit Mai 2020 ist sie Bürgermeisterin mit dem Geschäftsbereich Kultur.

@Ludwig Olah

HSS: Sie sind für den kulturellen Bereich der Stadt Nürnberg zuständig. Der Trend geht dahin, immer mehr in diesem Bereich einzusparen. Wie halten Sie dagegen? Warum ist Kultur für eine Gesellschaft essentiell?

Prof. Julia Lehner: Kultur ist der Kraftstoff für gesellschaftliche Entwicklung. In einer sich immer stärker ausdifferenzierenden Gesellschaft sind Kunst und Kultur eine Art Lagerfeuer, um das sich Menschen scharen. Und das ist ganz gleich, ob man eine Vorstellung eines Staatstheaters besucht, ein soziokulturelles Angebot in einem Stadtteil wahrnimmt, eine Ausstellung oder ein Konzert genießt oder an einem Kurs der Volkshochschule teilnimmt. Die Unterscheidung von Hoch- oder Subkultur ist auch in diesem Kontext völlig irrelevant. 

Denn Kunst und Kultur sind in der Lage, die benötigten Bildungsinhalte zu transportieren, die unser gesellschaftliches Miteinander stärken und leisten so einen maßgeblichen Beitrag zum Erhalt demokratischer Strukturen. Dieser große soziale Mehrwert ist in Kennzahlen nur völlig unzulänglich messbar, er ist gewissermaßen unermesslich. 

Dennoch stellt die Förderung von Kultur, von kulturellen Infrastrukturen wie künstlerischen Aktivitäten, für unsere Kommunen bis heute keine Pflichtaufgabe dar. Sie gilt als sogenannte freiwillige Leistung. Das fordert einen stetigen Einsatz um die ohnehin begrenzten Ressourcen, die zur Verfügung stehen. 

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sunnychicka; istock

Über die Reihe "Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt."

Die Vorbereitungen der Kommunalwahl 2026 sind im vollen Gange. In unserer neuen Reihe stellen wir engagierte Mandatsträgerinnen und Mandatsträger vor. Erfahren Sie, was sie motiviert und welche wertvollen Erfahrungen sie in ihrem Amt gesammelt haben.

Die Hanns-Seidel-Stiftung setzt sich dafür ein, dass mehr Menschen ein kommunalpolitisches Amt übernehmen. Wir unterstützen sie während des Wahlkampfs und machen das Engagement derjenigen sichtbar, die mit ihrem Einsatz Kommunalpolitik gestalten

HSS: Gab es in Ihrem Amt eine Situation, die Sie besonders überrascht hat? Was war daran unerwartet und wie sind Sie damit umgegangen?

Prof. Julia Lehner: Seit 1998 bin ich kommunalpolitisch aktiv, seit 2002 Kulturreferentin und seit 2020 Bürgermeisterin der Stadt Nürnberg. In diesem langen Zeitraum sind Überraschungen nicht ausgeblieben. Prägend war sicher die heute noch nachwirkende Resonanz auf Kunst im öffentlichen Raum im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006, als der Künstler Olaf Metzel den Nürnberger Schönen Brunnen zu einem „Stuhlturm“ ungestaltet hatte. Es gab viel Zuspruch, am lautesten artikulierte sich jedoch Protest gegen die Aktion, die sich bis hin zu ernsthaften Drohungen gegen Leib und Leben auswuchsen. Diese Erfahrung prägt mich bis heute. Kulturpolitische Errungenschaften, etwa die Öffnung neuer Einrichtungen, langfristige und nachhaltige Kulturentwicklung, haben mit Überraschungen hingegen kaum etwas gemein, sie sind Frucht beharrlicher Überzeugungsarbeit und des großen Einsatzes vieler Beteiligter. Umso mehr überwiegt die gemeinsame Freude, wenn es gelingt, Vorhaben zu realisieren und dabei die Unterstützung aus der Bürgerschaft zu spüren. 

HSS: Welche Fähigkeiten oder Erfahrungen haben Ihnen besonders geholfen, Ihr Amt auszuüben

Prof. Julia Lehner: Ich bin geborene Nürnbergerin. Als Historikerin habe ich wertvolles Wissen über die lange und prägende Geschichte der Stadt Nürnberg vermittelt bekommen. Hierfür bin ich sehr dankbar, denn bis heute profitiere ich von dieser Basis, die mir besonders zu Beginn meiner Amtszeit dabei half, ein Gespür für Themen und die Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger zu entwickeln. An meinem Amt schätze ich, dass gerade im übergreifenden kommunalpolitischen Arbeiten oftmals pragmatische Lösungen gefunden werden können. Im Fokus stehen dabei immer die stetige Verbesserung und die zeitgemäße Ausrichtung des kommunalen Kulturangebots. Mitunter bedarf es auch einer gewissen Nervenstärke und Beharrlichkeit, um diese Ziele zu verwirklichen. Auch Humor ist sicherlich hilfreich, gerade in Momenten, wo etwas nicht so gut läuft. Vor allem ist es jedoch die tägliche Freude auf die Möglichkeit, zu gestalten und mit den unterschiedlichsten Menschen zu arbeiten und zusammenzukommen, aus der ich Motivation schöpfe. Eine Stadt wie Nürnberg ist nicht nur groß, sie ist überaus bunt und vielfältig. Das macht meine Aufgabe so unglaublich spannend. 

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