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Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt.
Wenn nicht jetzt, wann dann?

Autorin/Autor: Annika Popp

Mit 20 Jahren im Gemeinderat, mit 26 Bürgermeisterin. Annika Popp zeigt, wie’s geht: Wer etwas bewegen will, muss einfach loslegen.

Sie macht jungen Menschen Mut und fordert den Abbau aller strukturellen Hürden für Frauen in der Kommunalpolitik.

 

Annika Popp (mitte) mit Bauern der Region, die 2024 bei Protesten auf ihre Probleme aufmerksam machten. Bereits seit ihrer Jugend engagiert sie sich ehrenamtlich in ihrer Heimatgemeinde. Nach dem Abitur nahm sie ein Lehramtsstudium auf, das sie mit dem Zweiten Staatsexamen erfolgreich abschloss. Mit 20 Jahren wurde sie in den Gemeinderat gewählt, mit 26 übernahm sie das Amt der Bürgermeisterin – und mit 32 Jahren wurde sie zur stellvertretenden Landrätin berufen.

Annika Popp

HSS: Sie sind 2014 mit 26 Jahren zur jüngsten Bürgermeisterin gewählt worden. Was würden Sie jungen Menschen raten, die sich für ein kommunalpolitisches Amt interessieren, aber noch unsicher sind?

Annika Popp: Wenn du dich für Kommunalpolitik interessierst, dann bringst du das Wichtigste bereits mit. Jetzt heißt es: einfach loslegen, nicht zu viel grübeln. Überall werden junge Menschen gesucht, die sich ehrenamtlich für eine gute Sache einsetzen wollen. Man kann als junger Mensch nicht mehr falsch machen als ein älterer. Die Werte und Einstellungen zählen. Such dir eine politische Jugendorganisation, geh im Rathaus vorbei oder frag die Bürgermeisterin oder einen Gemeinde- oder Stadtrat, ob du mitmachen kannst. Oft gibt es Jugendsprecher und Jugendstadträte vor Ort. Und wenn Du im politischen Bereich kein Vorbild finden kannst, dann wende Dich an die Vereine oder den Kreisjugendring. Dort lernt man auch viel über demokratische Prozesse. Schau einfach vorbei. Darüber werden sich viele Leute freuen und sagen: Ja, wir brauchen Dich, mach mit

HSS: Was war Ihr Antrieb, sich für das Amt der Ersten Bürgermeisterin zur Verfügung zu stellen? 

Annika Popp: Ich bin da so reingerutscht. Als ich mit 20 Jahren Gemeinderätin wurde, habe ich gesehen, was man alles in einer Gemeinde bewegen kann. Gleichzeitig habe ich aber auch das gesehen, was zu dieser Zeit eben alles NICHT getan wurde. Das musste doch besser gehen. Und dann wurde das Amt der Bürgermeisterin frei. Ich dachte mir: "Warum eigentlich nicht?! Du hast viele Ideen, willst gestalten und deine Heimat nach vorne bringen. Das kann ich mal probieren!" Man darf seine eigenen Fähigkeiten nicht unterschätzen, sondern sollte selbstbewusst in den Wahlkampf gehen. Gerade junge Menschen sollten an den entscheidenden Positionen Einfluss haben, denn es geht ja um ihre Zukunft.

sunnychicka; istock

Über die Reihe: „Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt."

Die Vorbereitungen der Kommunalwahl 2026 sind im vollen Gange. In unserer neuen Reihe stellen wir engagierte Mandatsträgerinnen und Mandatsträger vor. Erfahren Sie, was sie motiviert und welche wertvollen Erfahrungen sie in ihrem Amt gesammelt haben.

Die Hanns-Seidel-Stiftung setzt sich dafür ein, dass mehr Menschen ein kommunalpolitisches Amt übernehmen. Wir unterstützen sie während des Wahlkampfs und machen das Engagement derjenigen sichtbar, die mit ihrem Einsatz Kommunalpolitik gestalten.

HSS: Was ist notwendig, damit mehr Frauen kommunalpolitische Ämter übernehmen?

Annika Popp: Erstens braucht es mehr sichtbare weibliche Vorbilder in der Kommunalpolitik, die als Ratgeberin und Mutmacherin den interessierten Frauen zur Seite stehen und die selbstverständlich auch in einer überzeugenden Anzahl in Gremien vertreten sind. 

Zweitens braucht es in der internen Struktur eines Bürgermeisteramtes Reformen. 

  • Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in vielen Teilen Deutschlands müssen besser bezahlt werden.
  • Die Diskriminierung durch das System, wenn zum Beispiel eine ehrenamtliche Bürgermeisterin in Bayern Mutter wird, muss endlich aufhören.
  • Ein gesundes Maß bei der Länge der Sitzungen und Besprechungen muss sich erst noch ernsthaft etablieren. 

Und drittens müssen sich Männer auch an gleichen Teilen an Care-Arbeit, der Organisation der Familie und am Haushalt beteiligen. Die Bezahlung von vermeintlichen „Männer“- und „Frauen“-Berufen muss sich angleichen und wer nach der Geburt zuhause bleibt, sollte eine Zeit lang 100% Lohnersatz bekommen, damit sich auch der Besserverdienende dafür entscheidet.

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